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Alfred Klinkan-Hof

Fakten

Alfred Klinkan-Hof

Donaustadtstraße 30, 1220 Wien

Baujahr: 1973-1975

Wohnungen: 530

Architekt: Hermann Kutschera

Weitere Adressen

Arminenstraße 28, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Der Alfred-Klinkan-Hof liegt im Stadtteil Kagran, der bis zu seiner Eingemeindung nach Wien 1904 eine eigenständige Gemeinde war. Erstmals erwähnt wurde Kagran 1199 als "Chagaran", was sich vom verwandten Wagram ("Wogenrand der Donau") ableitet. 1938 kam der bis dahin zum Gemeindebezirk Floridsdorf gehörende Stadtteil zum 22. Bezirk, der damals Groß-Enzersdorf hieß, einem Teil des neuen Groß-Wien. Seit 1954 bildet der Ort mit weiteren Gemeinden den Bezirk Donaustadt. Kagran behielt lange Zeit seine dörfliche Struktur. Erst in den 1970er-Jahren wurden die weitläufigen Baulandreserven am Stadtrand mit riesigen Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien erschlossen und Einkaufszentren, wie etwa das Donauzentrum in Neukagran, errichtet.

Die Architektur

Die aus Betonfertigteilen errichtete Wohnhausanlage ist um zwei zum Rohrweg offene Höfe angeordnet. Eine angegliederte, ebenerdige Geschäftszeile erstreckt sich entlang der Arminenstraße zur Donaustadtstraße. Erschlossen wird die Anlage durch insgesamt 17 Stiegenhäuser. Die einzelnen Bauteile wurden zueinander versetzt errichtet und umfassen 9 bis 13 Geschoße. Die Fronten sind großzügig in Loggien aufgelöst, die sich mit den quer gelagerten Fenstern zu langen, sich über die gesamte Baumasse erstreckenden Bändern zusammenfügen. Durchbrochen wird diese horizontale Struktur von den überhöhten, leicht hinter die Fassadenflucht zurückversetzten Stiegenhausachsen. Ihre markanten, geschlossenen Wandflächen und die vertikalen Glasbänder heben sich deutlich von der horizontalen Fassadenstruktur ab und unterstreichen die Höhe der Wohnbauten. An der gegenüberliegenden Seite sind die Stiegenhauspartien jeweils als Risalite in die Höfe vorgezogen, wodurch die Fronten zusätzlich gestaffelt werden und die Monotonie des Plattenbaus gebrochen wird. Dominiert werden die beiden Höfe von den beiden höheren Quertrakten, die die Anlage zur Donaustadtstraße abriegeln. In ihrem zurückversetzten und in Durchgänge geöffneten Erdgeschoß kommen die massiven Stützen zum Vorschein, auf denen die Plattenbaukonstruktion ruht. Den Blöcken ist ein zurückversetztes Dachgeschoß mit umlaufender Terrasse aufgesetzt, in denen Ateliers untergebracht sind. Symmetrisch angeordnete Erkerblöcke und Balkone lösen die Fronten zur Donaustadtstraße auf.

... und die Kunst

Im Rahmen der Sanierung wurde die Wohnhausanlage 2003 auch farblich neu gestaltet. Das Farbkonzept der Wiener Künstlerin Charlotte Weinmann setzt die einzelnen Bauteile betont voneinander ab. Besonders hervorgehoben werden dabei die Erschließungstürme. An den in einem hellen, warmen Grau gehaltenen großen Fassadenflächen sorgen bunte Farbenraster für überraschende Momente.

An der Arminenstraße steht die von Bertoni Wander geschaffene Säule "Trauer der Ruinen".

Der Name

Mit Abschluss der Sanierung 2003 wurde erstmalig eine Wohnhausanlage nach einem zeitgenössischen Künstler benannt. Der 1950 geborene Maler Alfred Klinkan studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und erhielt ein Auslandsstipendium für Antwerpen. Durch zahlreiche Ausstellungen und Preise wurde der Künstler auch international bekannt. In seinen Werken entwickelte Klinkan einen eigenen Stil mit Fabeltieren, menschlichen Wesen sowie Figuren der Sagenwelt und der antiken Mythologie. Die fröhliche Farbigkeit macht in seinem Spätwerk einem dunkleren Kolorit Platz. Er verstirbt im Alter von nur 44 Jahren 1994 an Herzversagen. Alfred Klinkan hatte sein Wiener Atelier in dieser Wohnhausanlage.

Sanierung

von 1999 bis 2002

Der Alfred-Klinkan-Hof wurde in den Jahren 1999 bis 2002 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen.
Die Künstlerin Charlotte Weinmann übernahm im Rahmen der Sanierung die Farbgestaltung des Hofes. Das neue Farbkonzept strukturiert die an sich monotonen Fassaden und erleichtert so die Orientierung.
Die Kosten beliefen sich auf 8.005.200 Euro, davon konnten 2.111.790 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Kutschera - Hermann Kutschera (1903-1991) studierte zunächst Architektur an der Technischen Hochschule Wien und später in München. 1925/26 besuchte er an der Akademie der bildenden Künste Wien die Meisterschule von Clemens Holzmeister, in dessen Atelier er bis 1930 beschäftigt war. Ab 1932 arbeitete er als selbständiger Architekt. Seine Spezialgebiete waren Gewerbebauten (Hotels und Restaurants) und Sportanlagen. Vor allem in den Kurorten Bad Gastein und Bad Ischl wurde viel nach seinen Plänen errichtet. 1936 erhielt er bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen für sein Projekt eines Schistadions mit Sprungschanze eine Goldmedaille in der Disziplin Architektur. Für die Gemeinde Wien entwarf er mehrere Wohnhausanlagen.

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