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Wilhelm Hartl-Hof

Fakten

Wilhelm Hartl-Hof

Breitenfurter Straße 292, 1230 Wien

Baujahr: 1956-1958

Wohnungen: 56

Architekt: Stephan A. Kraft

Weitere Adressen

Loosgasse 2-4, 1230 Wien

Fimbingergasse 11-13, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Anlage an der Ecke Breitenfurter Straße/Loosgasse liegt etwas entfernt vom historischen Kern von Atzgersdorf, das als Gassengruppendorf westlich der Breitenfurter Straße entstanden ist. Die Struktur dieses Dorfes ist heute noch im Bereich um den Kirchenplatz erkennbar, der nördlich der Anlage liegt. Im 17. Jahrhundert kam es in die Grundherrschaft des Jesuitenkonvikts St. Barbara; nach Aufhebung des Ordens ging die Grundherrschaft an den Fürsten Starhemberg, den Grundherrn von Erlaa. Als freie Gemeinde scheint Atzgersdorf erstmals Mitte des 19.Jahrhunderts auf. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden, wie in Liesing, ehemalige Weide- und Ackergründe parzelliert, vorwiegend im Gebiet zwischen Breitenfurter Straße und Brunner Straße. In der Nachkriegszeit wurde Atzgersdorf Sitz von Schwerindustriebetrieben, wuchs mit der Liesinger Industriezone zusammen und galt als Arbeiterviertel.

Die Architektur

Auf dem trapezförmigen Grundstück wurden insgesamt drei dreigeschoßige Bauten errichtet. Der östlichste Bau mit drei Stiegenhäusern ist eine L-förmige Eckverbauung an der Breitenfurter Straße und der Loosgasse. Der zweite Wohnblock liegt dahinter, parallel zur Breitenfurter Straße, und der dritte Bau nimmt die leichte Schräge der westlichen Grundstücksgrenze auf. Zwischen den Blöcken liegen großzügige Grünhöfe und ein Kinderspielplatz.

Das Erdgeschoß der Eckverbauung ist in der Breitenfurter Straße fast vollständig und in der Loosgasse bis zum Vorsprung der weiter an die Gasse gerückten Stiege 3 mit einer Geschäftszeile versehen. In der Breitenfurter Straße unterbricht unmittelbar vor der am weitesten vorspringenden Stiege 1 ein Durchgang, der in einem seichten einachsigen Risalit liegt, diese Geschäftszeile. Kräftige, horizontal genutete Laibungen stützen hier pfeilerartig einen wuchtigen Torsturz mit einer Supraportenreliefplatte ab.

Im Hof fallen die vorkragende Ecke der Stiege 2, die auf einem ebenfalls horizontal genuteten Betonpfeiler lastet, und der Eingang zu Stiege 1 auf. Risalite erscheinen in der Regel als riesige Quader, die vor die Fassaden gesetzt wurden und ihnen zu einer stärkeren plastischen Wirkung verhelfen. Die Schauseiten sind ansonsten sehr schlicht gestaltet, einzig die Fenster sind mit ihren Putzfaschen dezent dekoriert. An einigen Fassadenseiten sind Balkone angebracht.

... und die Kunst

Oskar Thiedes Supraportenrelief "Sportler" zeigt eine schematisierte Darstellung von Sportlern, die - vielleicht gewollt - stark an die idealisierenden Arbeiterbilder der Zwischenkriegszeit erinnert.

Die vereinfachte und blockhaft abstrahierte Plastik "Mutter mit Kind" von Hilde Uray steht gut sichtbar auf dem Wiesenstück vor der Mütterberatungsstelle auf Stiege 4.

Der Name

Die Wohnhausanlage in der Breitenfurter Straße 292 wurde nach Wilhelm Hartl, einem Ortsvorsteher von Atzgersdorf, benannt.

Sanierung

von 1996 bis 1997

Der Wilhelm-Hartl-Hof wurde in den Jahren 1996 und 1997 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut.

Architekten

Stephan A. Kraft - Stephan A. Kraft (1895-1976) studierte von 1932 bis 1934 und 1945/46 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem plante er zusammen mit Richard Praun für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Schönbrunner Straße 242 in Wien 12 (1960-1962). Die Anlage Hetzendorfer Straße 165-187 in Wien 13 (1950-1952) wurde in einer Arbeitsgemeinschaft mit Julius Bergmann und Rudolf Münch realisiert.

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