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Karl-Seitz-Hof

Fakten

Karl-Seitz-Hof

Jedleseer Straße 66-94, 1210 Wien
Dunantgasse 15, 1210 Wien
Voltagasse 28-38, 1210 Wien

Baujahr: 1926-1931

Wohnungen: 1152

Architekt: Hubert Gessner

Weitere Adressen

Edisonstraße 1, 1210 Wien

Voltagasse 20-26, 1210 Wien

Edisonstraße 2, 1210 Wien

Dunantgasse 3-13, 1210 Wien

Bunsengasse 1, 1210 Wien

Edisonstraße 4-10, 1210 Wien

Edisonstraße 3-9, 1210 Wien

Bunsengasse 3, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Karl-Seitz-Hof wurde von 1926 bis 1931 errichtet. Sein ursprünglicher Name war "Gartenstadt Jedlesee". Auf einer Gesamtfläche von 25.320 m² entstanden 1.173 Wohnungen und weitläufige Grünflächen. In der Anlage befanden sich Geschäfte, Bäder, Waschküchen, eine Gaststätte, ein Kaffeehaus und weitere Gemeinschaftseinrichtungen. Während des Bürgerkrieges von 1934 kam es auch im Karl-Seitz-Hof zu Kämpfen des Republikanischen Schutzbundes gegen die Polizei. Am 14. Februar 1934 fiel die Wohnhausanlage an die Regierungstruppen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Karl-Seitz-Hof bombardiert und teilweise beschädigt.

Die Architektur

Der Karl-Seitz-Hof präsentiert sich als gartenstadtartige Wohnhausanlage mit großzügig angelegten Höfe und begrünten Flächen. Die Gebäude sind nach dem Vorbild Otto Wagners (1841-1918, Architekt, Kunsttheoretiker) an Achsen ausgerichtet. Die Anlage zeigt klare Linien und Grundformen. Die monumentale Hauptfront mit überhöhtem Mittelteil hat eine pathetische Wirkung. Sie ist konkav geschwungen und bildet zur Jedleseerstraße hin ein großes Halbrund. Dadurch entsteht vor der Hauptfront ein weiter Platz (Karl-Seitz-Platz). Im Zentrum der Rundung befindet sich ein Portal, das ursprünglich mit einer Gruppe von Figuren geschmückt werden sollte. Insgesamt erinnert die Architektur der Hauptfront an eine Schlossanlage wie die Wiener Hofburg mit dem Heldenplatz. Die rechte Seite des Hauptgebäudes beinhaltet einen wuchtigen Uhrturm. Im Osten des Karl-Seitz-Hofes zeigt die Front eine seichte Einschwingung. In diesem Bereich befindet sich ein Tanzsaal mit hofseitig liegender Terrasse. Die Fassaden zeigen vor- und zurückspringende Mauern, umlaufende Balkone und zahlreiche Gesimse. Im hinteren Teil der Anlage reduziert sich die Formensprache der Fassade auf glatte Mauerflächen. Die Ausstattung der hellen Stiegenhäuser mit Treppen, Geländern und Lampen bietet ein harmonisches Erscheinungsbild.

... und die Kunst

Eine Büste von Karl-Seitz ziert das Hauptportal der Wohnhausanlage. Sie stammt aus dem Jahr 1951 und ist ein Werk von Gustinus Ambrosi (1893-1975). Im Karl-Seitz-Hof zeigt eine Bronzefigur von Wilhelm Frass einen "Jüngling" (auch "der Schreitende" genannt).
Das Hauptportal und die Pfeiler der Innenhöfe sind mit aufwändigen Majolikaverkleidungen geschmückt. Im Bereich der Portale finden sich antik anmutende Vasen, schmiedeeiserne Gitter und kunstvolle Lampen.

Der Name

Der ursprüngliche Name "Gartenstadt Jedlesee" kommt von der Ortschaft Jedlesee am Landeplatz der Überfuhr vom Marchfeld nach Nussbaum.
Karl Seitz (1869-1950) war von 1918 bis 1920 Staatsoberhaupt. Der sozialdemokratische Politiker wirkte in den Jahren 1923 bis 1934 als Wiener Bürgermeister. In seiner Amtszeit wurde das Konzept des kommunalen Wohnbaus verwirklicht, das Schul- und Gesundheitswesen reformiert. Als politischer Gefangener verbrachte Karl Seitz im Nationalsozialismus Jahre in einem Konzentrationslager. Nach seiner Entlassung 1945 bereiteten die Wiener ihm einen feierlichen Empfang. Nach seinem Tod wurde die ehemalige "Jedleseer Gartenstadt" in "Karl-Seitz-Hof" umbenannt.

Sanierung

von 1995 bis 1998

In den Jahren 1995 bis 1998 erfolgte eine umfassende Sanierung des Karl-Seitz-Hofes. Kleine Wohnungen wurden zusammengelegt und mit neuen sanitären Einrichtungen ausgestattet. In Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt wurden ursprüngliche Details wie die Beleuchtungskörper und die Majolikaverkleidungen an Säulen und Portalen originalgetreu rekonstruiert. Weiters umfassten die Arbeiten den Einbau von 32 neuen Aufzügen. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden; außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 12.884.746 Euro, davon konnten 4.893.657 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hubert Gessner - Hubert Gessner (1871-1943) war bereits in verschiedenen Büros als Bauzeichner tätig, bevor er 1894 sein Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner begann. 1904 gründete er mit seinem Bruder Franz Gessner das Architekturbüro Gessner & Gessner. Schon früh im Umfeld der Sozialdemokratischen Partei tätig wurden ihm durch Viktor Adler und Karl Renner erste wichtige Bauaufträge vermittelt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er neben Villen vor allem auch Arbeiterwohnheime und Gewerkschaftseinrichtungen in Wien und Niederösterreich, wie etwa das heute als Hotel genützte Arbeiterwohnheim Favoriten (Laxenburger Straße 8-10, Wien 4). In den 1920er- und 1930er-Jahren war Gessner einer der wichtigsten Architekten des Wiener Wohnbaus.

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