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Schlinger-Hof

Fakten

Schlinger-Hof

Brünner Straße 34-38, 1210 Wien

Baujahr: 1924-1926

Wohnungen: 404

Architekt: Hans Glaser

Weitere Adressen

Floridsdorfer Markt 1-8, 1210 Wien

Lottgasse 1-3, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Straße, in der der Wohnbau steht, wurde ursprünglich als Reichsstraße nach Mähren unter dem Namen Mährische Straße angelegt. Sie führte aus der Stadt hinaus in Richtung Brünn. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren entlang der Brünner Straße vor allem Industriebetriebe angesiedelt. In den 1920er-Jahren wurde auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes der Wohnbau errichtet, gleichzeitig wurde der alte Marktplatz nach "Am Spitz" verlegt. Im Jahr 1934 war der Schlinger-Hof Schauplatz der Februarkämpfe. Die errichteten Barrikaden wurden von Bundesheer und Polizei zerschlagen, an die 350 Schutzbündler wurden im Schlinger-Hof festgenommen. Eine Gedenktafel am südöstlichen Seitenflügel soll an die Ereignisse und die Opfer der Kämpfe im Februar 1934 erinnern.

Die Architektur

Die Wohnanlage erstreckt sich an drei Straßenfronten um den Marktplatz herum, sodass der Eindruck eines alten Hauptplatzes entsteht. An die viergeschoßige Hauptfront zum Platz schließen Seitenflügel mit fünf Geschoßen direkt an, Dachaufbauten mit Spitzgiebeln sorgen für einen abwechslungsreichen Eindruck. Im Erdgeschoß befindet sich ein durchlaufender Arkadengang, darüber setzen die Wohngeschoße an. Polygonale Erker, Muschelwerk und unterschiedliche Fenstergrößen sind ausschlaggebend für die malerische Wirkung der Fassade. Der erhöhte Mittelteil wird von einem Uhrturm mit einem Turmhelm aus Kupferblech bekrönt. Nach Norden hin erschließt sich die Anlage um verzweigte und unregelmäßig gegliederte Innenhöfe. Neben den polygonalen Erkern und den einzelnen Zierformen sind vor allem die risalitartigen Bauteile, in den die Stiegenhäuser untergebracht sind, zu erwähnen.

Der Name

Die Wohnanlage ist nach dem Floridsdorfer Gemeinderat Anton Schlinger (1870-1912) benannt. Er war zunächst Gärtner und Hilfsarbeiter und begann, sich in der Gewerkschaft und der sozialdemokratischen Bewegung zu engagieren. Eine Gedenktafel erinnert an den ehemaligen Gemeinderat und Reichstagsabgeordneten, der sich vor allem sozialer Fragen annahm.

Sanierung

von 1992 bis 1995

Im Schlinger-Hof wurde in den Jahren 1992 bis 1995 eine Sockelsanierung durchgeführt. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits ab 1987. Die Kosten beliefen sich auf 12.604.013 Euro, davon konnten 9.744.211 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Glaser - Hans Glaser (1873-1950) hat 1893 bis 1896 an der Akademie der bildenden Künste bei Karl Hasenauer und Viktor Luntz studiert. Während seines Studiums war er ein Jahr in der Dombauhütte zu St. Stephan beschäftigt. Im Jahr 1914 gründete er gemeinsam mit Karl Scheffel und Alfred Kraupa das "Architektur und Konstruktions-Atelier für Ausstellungsindustrie, Möbel und Vergnügungsbauten". Hans Glaser und Karl Scheffel planten in der Zwischenkriegszeit in Floridsdorf zwei Gemeindewohnbauten, den Schlinger-Hof und den ersten Bauteil des Paul Speiser-Hofes. Neben der Planung und Ausführung von Wohnbauten, sind vor allem auch zahlreiche nicht realisierte Wettbewerbsprojekte für öffentliche Bauten zu erwähnen, wie etwa das Rathaus in Pettau oder der Entwurf für ein Krematorium in Reichenberg. Im Jahr 1917 erhielt Hans Glaser das Goldene Verdienstkreuz mit Krone.

Freie Lokale

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