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Gerlhof

Fakten

Gerlhof

Stromstraße 39-45, 1200 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 358

Architekt: Heinrich Ried

Weitere Adressen

Leystraße 47-53, 1200 Wien

Vorgartenstraße 34-40, 1200 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In den 1920er-Jahren wurden in der unmittelbaren Umgebung zwei große kommunale Wohnbauten errichtet: der Otto-Haas-Hof und der Winarsky-Hof. Die Anlage an der Stromstraße 39-45 wurde bis 1931 fertig gestellt und ergänzt das städtebauliche Ensemble.
Ursprünglich waren eine Arbeiterbücherei, ein Parteilokal der SPÖ Brigittenau und ein Konsumladen mit Vorzugspreisen nur für Mitglieder Teil der Infrastruktur dieser Wohnhausanlage.

Die Architektur

Die sechsgeschoßige Wohnhausanlage liegt zwischen der Stromstraße, der Vorgartenstraße und der Leystraße. Die blockartige Verbauung schließt direkt an einen Wohnbau aus der Gründerzeit an und besteht aus zwei fast symmetrischen Trakten. In der Stromstraße wird die Anlage unterbrochen, um sich zu einem breiten Haupteingang zu öffnen. Weitere Durchgänge gibt es an der Vorgartenstraße und der Leystraße, die ebenfalls zu den beiden Innenhöfen und den Wohnungen führen. Die straßenseitigen Fassaden gliedern sich in Fensterachsen, unterschiedlich geformte Erkergruppen sorgen für Abwechslung. Die offenen Loggien an den Gebäudeecken lockern die strenge blockartige Gestaltung auf. Die beiden großen Innenhöfe werden von kleineren Höfen ergänzt, die durch Einbauten nahe den Stiegeneingängen entstehen. Die hofseitigen Fassaden gliedern sich in Fensterachsen; Öffnungen ohne Rahmung sind knapp in die glatte Wandfläche eingeschnitten. Die vorspringenden Stiegenhäuser betonen die vertikale Gliederung und rhythmisieren die Anlage. Auffallend ist die Gestaltung des Straßenhofes: In jedem zweiten Geschoß befinden sich Erker, die über offene Säulenstellungen verbunden sind.

... und die Kunst

An der Vorgartenstraße und der Leystraße sind mehrstöckige Keramikreliefs aus grünen Majolikaplatten angebracht, die antikisierende Motive aus der Arbeitswelt und dem Zusammenleben der Menschen zeigen. In jeweils vier übereinander gestellten Szenen sind ein opferndes Paar, eine Frau auf einer Liege, Musiker und Tänzer und weitere Opfernde dargestellt. Die anonymen Dekorationen wurden 1931 angefertigt.

Der Name

Die Wohnhausanlage ist seit 1949 nach dem Schutzbundmitglied Josef Gerl (1911-1934) benannt. Der gelernte Goldschmied war seit 1929 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und beteiligte sich aktiv an den Februarkämpfen 1934. Er floh in die Tschechoslowakei, kehrte bald wieder nach Wien zurück und wurde 1934 nach einem Sprengstoffanschlag zum Tode verurteilt und gehängt. Eine Gedenktafel soll an seine Verdienste erinnern. Eine zweite Gedenktafel ehrt die Widerstandskämpfer Johann Sebesta, Karl Hodac und Walter Schopf, die in den Jahren 1942 und 1943 hingerichtet wurden.

Sanierung

von 1994 bis 1997

Der Einbau der Aufzüge und der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgten im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 bis 1989. 1994/95 wurden Kinderspielplatz, Dach und Fassade instand gesetzt sowie Fenster und Türen erneuert. Die Kosten beliefen sich auf 6.861.326 Euro, davon konnten 3.018.501 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Heinrich Ried - Heinrich Ried (1881-1957) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien u.a. bei Friedrich Ohmann. Nach seinem Studium arbeitete er mit Rudolf Sowa zusammen und war in Österreich, Ungarn und Tschechien tätig. Für die Gemeinde Wien plante er in der Zwischenkriegszeit sowie nach dem Zweiten Weltkrieg Wohnhausanlagen, etwa den Josef-Julius-Gerl-Hof (Wien 20, Stromstraße 39-45; 1930/31) oder das Wohnhaus in der Karolinengasse 24 (Wien 4; 1951). Ried war auch am Wiederaufbau des ausgebrannten Justizpalastes beteiligt.

Wohnungstauschangebote

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