Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Janecek-Hof

Fakten

Janecek-Hof

Donaueschingenstraße 30, 1200 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 738

Architekt: Wilhelm Peterle

Weitere Adressen

Traisengasse 23-25, 1200 Wien

Wehlistraße 88-98, 1200 Wien

Engerthstraße 99-109, 1200 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnanlage befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen Ortschaft Zwischenbrücken. Diese war unabhängig von Brigittenau entstanden, als die Donau noch unreguliert war und die Taborbrücke errichtet wurde. Im Zuge der Trennung von Brigittenau und Zwischenbrücken vom 2. Bezirk im Jahre 1900 wurden die beiden Orte zum 20. Wiener Gemeindebezirk zusammengefasst. Der Janecek-Hof ist der zweite Teil einer 1925 geplanten Blockrandverbauung, die auch den benachbarten Beer-Hof einschließt. Gemeinschaftseinrichtungen stehen beiden Höfen zur Verfügung. Der Janecek-Hof wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Choleraspitals errichtet. Es wurde 1920 aufgelassen und kurzfristig in eine Gendarmeriekaserne umgewandelt, schließlich aber abgetragen. Fünf Jahre später konnte mit dem Bau des Hofes begonnen werden. Die Übergabe der Wohnungen erfolgte 1927. Die Wohnhausanlage wurde aufgrund ihrer zunächst braunen Farbe im Volksmund lange Zeit "Kakao-Hof" genannt. Im Zuge der Generalsanierung im Jahr 2000 erhielt der Bau einen goldgelben Anstrich.

Die Architektur

Die randblockartige Verbauung aus der Zwischenkriegszeit erstreckt sich zwischen Donaueschingenstraße, Wehlistraße, Traisengasse und Engerthstraße. Nach außen hin ist die Anlage völlig abgeschlossen und wehrhaft gestaltet. Um einen hohen Prozentsatz der Verbauung zu garantieren und möglichst viele Wohnungen zu schaffen, war auf einen großen Innenhof verzichtet worden. Fünf aufeinander folgende, sehr kleine Höfe können von den Schmalseiten der Anlage her betreten werden. Der nordwestlichste von ihnen beherbergt einen Kindergarten und ist etwas größer - Platz, auf den beim südöstlichsten Hof verzichtet werden musste. Die Straßenfronten in der Engerthstraße und Wehlistraße sind für eine Frontalansicht zu langgestreckt. Hier gliedern jeweils sechs weit vorgezogene Risalite die Fassaden. Zwischen ihnen bleibt genug Platz für kleine, gitterbegrenzte Vorgärten. Auf den Risaliten setzen oberhalb des Erdgeschoßes flache Erker an, die bis ans Hauptgesims heranreichen. Eine horizontale Gliederung wird durch die Koppelung der Fenster mittels gemeinsamer Sohlbankgesimse erreicht. Der Bereich zwischen den Risaliten ist zweistufig zurückversetzt. Mittig befinden sich spitzgiebelige Dachaufbauten. Ein mit nach oben weisenden Dreiecken verziertes Band verläuft unterhalb des Hauptgesimses durchgehend über alle Bauelemente. Die Kanten der Anlage sind an den Straßenecken abgerundet und leiten so zu den Schmalseiten über. Ebenfalls abgerundete Eckmansarden verbinden die Fassadenteile oberhalb des Hauptgesimses miteinander. Im Nordwesten ist der Eingang zur Anlage von zwei turmartig aufragenden Risaliten flankiert. Sie werden von spitzgiebeligen Dachaufbauten fortgesetzt. Im Südosten bildet die Fassade eine geschlossene Front. Nur die Sockelzone ist etwas zurückversetzt. Die Fassaden an den Hofseiten sind ähnlich den Straßenseiten gestaltet. Auch hier schafft ein horizontales Zusammenfassen der Bauelemente durch Gesimse, Mehrschichtigkeit, romantisierende Details und zahlreiche Dachaufbauten ein abwechslungsreiches Fassadenbild. Besonders interessant erscheint die burg- oder stadttorähnliche Gestaltung der Ein- und Durchgänge aus grobem Quaderwerk. Kontrastierend dazu sind die Tore aus feingliedrigen schmiedeisenen Gittern mit Dornenzweigen und Ranken geschmückt.

... und die Kunst

Auf eine künstlerische Ausgestaltung der Anlage wurde verzichtet. In einem Durchgang ist eine Gedenktafel für Johann Janecek angebracht.

Der Name

Der Hof wurde 1949 nach Johann Janecek (1881-1932), sozialdemokratischer Bezirkspolitiker und Gewerkschafter, benannt. Zwischen 1918 und 1927 war er Bezirksvorsteher von Brigittenau. Hernach war er bis 1932 Abgeordneter im Nationalrat, ab 1930 Obmann der Metallarbeitergewerkschaft und des Bundes freier Gewerkschaften sowie ab 1931 Präsident der Arbeiter-Krankenversicherungsanstalt.

Sanierung

von 1990 bis 1996

Der Janecek-Hof wurde in den Jahren 1990 bis 1996 saniert. Neben der teilweisen Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Zudem wurden die Stiegenhäuser mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten beliefen sich auf 6.995.778 Euro, davon konnten 1.933.067 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Wilhelm Peterle - Der in Ried im Innkreis geborene Wilhelm Peterle (1893-1959) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Graz, wechselte 1913 an die Technische Hochschule Wien, wo er 1921, nach geleistetem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, sein Studium abschloss. Peterle arbeitete zunächst im Atelier Simony, bis er eine Stelle im Wiener Stadtbauamt erhielt, wo er vor allem mit der Errichtung von Wohnhausanlagen befasst war. Als Anhänger der Gartenstadtbewegung plante er neben zahlreichen anderen Projekten für das Rote Wien die Großsiedlung "Am Tivoli" (Hohenbergstraße 3-21, Wien 12).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+