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Svobodahof

Fakten

Svobodahof

Heiligenstädter Straße 80, 1190 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 59

Architekt: Karl Ehn

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der neben dem bekannten Karl-Marx-Hof liegende Svobodahof ist ein Beispiel für den Typus der Lückenverbauung, der parallel zu den bekannteren "Superblocks" der Zwischenkriegszeit zur Anwendung kam. Da es für die Gemeinde Wien schwierig war, größere zusammenhängende Grundstücke zu erwerben, war die Errichtung von kleinen Höfen auf Restflächen eine Möglichkeit, rasch und kostengünstig den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

Die Architektur

Die Kopfverbauung erstreckt sich von der Heiligenstädter Straße über die Geistingergasse zur Boschstraße. Das klinkerverkleidete Eingangsportal liegt an der Heiligenstädter Straße und wird von einem langgezogenen Balkon überdacht. Die Erschließung der einzelnen Stiegen erfolgt über den Innenhof. Der schlichte Bau besteht aus vier Hauptgeschoßen und einem Dachgeschoß. Um an die Bauhöhe der Nachbarbauten anschließen zu können, wurde die Anlage in der Heiligenstädter Straße wie auch in der Boschstraße über je zwei Fensterachsen um ein Geschoß aufgestockt. Blockartige Vorsprünge und um die Ecke gezogene Balkone brechen die strenge Geometrie der Fassade auf. Schlichte Gesimsbänder dienen dabei als Klammern zwischen den einzelnen Baukörpern. Sie betonen die horizontale Linie und lassen den geschlossenen Block weniger massiv erscheinen.

Der Name

Der Hof wurde 1948 nach Emil Svoboda (1898-1934) benannt. Er war in der Zwischenkriegszeit Gruppenführer des örtlichen republikanischen Schutzbundes und gehörte während der Februarkämpfe 1934 zu den Verteidigern des Karl-Marx-Hofes - Svoboda wurde gefangen genommen und vom Standgericht zum Tode verurteilt, die Hinrichtung erfolgte am 16. Februar 1934.

Sanierung

von 1988 bis 1990

Im Svobodahof wurde in den Jahren 1988 bis 1990 eine Sockelsanierung durchgeführt. Durch die Erneuerung von Fassade, Fenstern und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.354.185 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

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