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Pestalozzi-Hof

Fakten

Pestalozzi-Hof

Philippovichgasse 2-4, 1190 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 122

Architekt: Ella Briggs

Weitere Adressen

Billrothstraße 5, 1190 Wien

Lißbauergasse 2, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Diese Anlage sollte eine weit über die Schaffung von Wohnraum hinausgehende soziale Funktion erfüllen: So wurden zwei Ateliers geschaffen, bereits bei der Errichtung ein heute noch bestehender Kindergarten eingeplant und kurz nach der Eröffnung der Wohnhausanlage ein benachbartes Grundstück erworben, wo die Architektin ein Ledigenheim errichtete, welches über eine Dachterrasse mit dem Pestalozzihof verbunden war. Dieses wurde später in ein Studentenheim umgewandelt und trägt heute den Namen "Professor-Julius-Tandler-Heim".

Die Architektur

Der Pestalozzihof wurde auf einer Parzelle errichtet, deren lang gestreckte Front an der Philippovichgasse liegt, die beiden kürzeren an der Lißbauergasse bzw. Billrothstraße. Die Architektin löste diese Bauaufgabe dadurch, dass sie die Längsfront weitgehend symmetrisch um einen Straßenhof anlegte und an der städtebaulich markanten Ecke zur hier in einer Kurve verlaufenden Billrothstraße eine weitere Schauseite schuf. An dieser Stelle wurde auch die Verbindung zum nebenan liegenden, wesentlich niedrigeren Umspannwerk der städtischen Elektrizitätswerke hergestellt. Charakteristisch für die zukunftsweisende Architektur jener Zeit ist die Staffelung der kubischen Baumassen, aus denen diese vier- bis fünfgeschoßige Anlage zusammengestellt scheint. Zusätzlich belebt wird die verhältnismäßig schlichte Fassade durch farbigen Putz, Loggien und Erker, bei denen die für den Wiener Gemeindebau so typische Dreiecksform dominiert.

... und die Kunst

Das im Vorhof des Kindergartens aufgestellte Denkmal für den Namensgeber des Hofes Johann Heinrich Pestalozzi schuf 1927 der Bildhauer Max Krejca, der in jener Zeit vielfach an der Ausstattung der neuen Wiener Gemeindebauten mit Kunstwerken beteiligt war.

Der Name

Die Anlage wurde anlässlich seines 100. Todestages nach dem Pädagogen, Schriftsteller und Humanisten Johann Heinrich Pestalozzi benannt (1746-1827). An ihn erinnern eine Gedenktafel und ein Denkmal im Straßenhof.

Sanierung

von 2003 bis 2004

Im Pestalozzi-Hof wurde in den Jahren 2003 und 2004 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Im Dachgeschoß entstanden 15 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 4.749.400 Euro, davon konnten 2.419.943 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ella Briggs - Ella Briggs (1880-1977) studierte zuerst Malerei bei Koloman Moser an der Kunstgewerbeschule in Wien, später Architektur an der Technischen Hochschule in München und wurde 1921 als erste Frau in den österreichischen Architektenverein aufgenommen. Zunächst in den USA und ab 1930 in Berlin tätig, musste sie wegen ihrer jüdischen Herkunft nach England emigrieren, wo sie bis zu ihrem Tod als Architektin arbeitete.

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