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Pfannenstielhof

Fakten

Pfannenstielhof

Kreuzgasse 87-89, 1180 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 177

Architekt: Erich Franz Leischner

Weitere Adressen

Antonigasse 102-104, 1180 Wien

Chamissogasse 26-28, 1180 Wien

Händelgasse 12, 1180 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

An dieser Stelle sollte die gründerzeitlichen Bebauung einen städtebaulichen Abschluss durch zwei größere Höfe erhalten: den Lindenhof und den Pfannenstielhof. Beide stehen heute unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Erich Franz Leischner löste die schwierige Bauaufgabe indem er diese Wohnhausanlage über einem hufeisenförmigen Grundriss errichtete und damit die monumentale Wirkung eines "Stadttores" erzielte. Um die Südseiten so weit als möglich zur Geltung kommen zu lassen und eine maximale Besonnung der Wohnungen zu erreichen, wurde der Hof nach Norden und Westen hin geschlossen angelegt. Wegen des ansteigenden Geländes weist das Gebäude eine unterschiedliche Geschoßanzahl auf, die Dachgesimshöhe schließt an die Nachbarbauten an. Durch das über der Durchfahrt gelegene 4. Geschoß und die beiden flankierenden Stiegenhäuser wurde der Mittelteil besonders hervorgehoben. Die seitlichen Balkone weisen die zeittypische Dreiecksform auf, sparsam wurden expressionistische Details verwendet. Bemerkenswert sind die im Original erhaltenen, sternförmigen Beleuchtungskörper in der Durchfahrt.

... und die Kunst

Über der Durchfahrt zur Antonigasse findet sich an der Fassade zur Kreuzgasse ein figuraler Fries, eine Kupfertreibarbeit von Angela Stadtherr. Im westseitigen Hof steht ein Brunnen aus kubischen Blöcken von Erich Leischner.

Der Name

Franz Pfannenstiel (1902-1945) wurde als revolutionärer Sozialist von den Nationalsozialisten erst im Zuchthaus, später im KZ Dachau inhaftiert und schließlich in ein Strafbataillon geschickt. Kurz nach seiner Gefangennahme durch die Rote Armee verstarb er.

Prominente Bewohner

Franz Pfannenstiel, nach dem dieser Hof benannt ist, lebte auch hier. An ihn erinnert eine Gedenktafel an der Fassade.

Sanierung

von 1997 bis 2009

Der Einbau der Aufzüge erfolgte im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1990/91. Eine weitere Sanierung folgte 1997. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Erich Franz Leischner - Erich Franz Leischner (1887-1970) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, u. a. bei Carl König. Bereits ab 1911 bis zu seiner Pensionierung 1949 war er für das Wiener Stadtbauamt tätig. Für das Rote Wien erbaute er neben zahlreichen Wohnhausanlagen unter anderem auch das Kongressbad (1928). In den 1930er-Jahren wurde nach seinem Konzept (gemeinsam mit Alfred Fetzmann) die Höhenstraße angelegt. Ab 1949 war er als selbständiger Architekt tätig. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Rotundenbrücke (1953-1955) und die Salztorbrücke (1960-1961) nach seinen Entwürfen.

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