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Schuhmeier-Hof

Fakten

Schuhmeier-Hof

Pfenninggeldgasse 6-12, 1160 Wien

Baujahr: 1923-1927

Wohnungen: 276

Architekt: Karl Schmalhofer, Gottlieb Michal

Weitere Adressen

Possingergasse 63-65, 1160 Wien

Koppstraße 100, 1160 Wien

Pfenninggeldgasse 6a, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Franz-Schuhmeier-Hof wurde in zwei Bauabschnitten errichtet: Von 1923 bis 1924 entstanden die ersten drei Stiegen in der Pfenninggeldgasse nach Plänen des Architekten Gottlieb Michal, 1927 wurde der weitaus größere Bauteil mit insgesamt 14 Stiegen von Architekt Karl Schmalhofer ergänzt. Beide entwarfen für das Wiener Stadtbauamt. Die Wohnhausanlage enthielt eine Wasch- und eine Badeanlage, eine Schulzahnklinik, ein Ambulatorium der Gebietskrankenkasse und einen Kindergarten im Hof; Waschküche und Kindergarten sind bis heute in Betrieb.

Die Architektur

Obwohl der trapezförmige Straßenblock an der Schmalseite von Gründerzeithäusern geschlossen ist, umgibt der Gemeindebau dank eines in den Hof hineinragenden Flügels einen zentralen und aufgrund des abfallenden Geländes terrassierten Innenhof. Die beiden Bauabschnitte der großen Wohnhausanlage sind durch den verschiedenfarbigen Verputz leicht voneinander zu unterscheiden. In den glatten, weißen Fassaden des ersten Bauteils treten das Sockelgeschoß, die Fensterfaschen und die nachträglich straßenseitig angebauten Lifttürme durch den rosafarbenen Verputz besonders hervor. Der vier- bis sechsgeschoßige Bauteil ist in der Höhe gestaffelt, das Dachgeschoß mit Mansarden ausgebaut. Während das Sockelgesims durchläuft, ist das breite Dachgesims beim Höhenversatz unterbrochen, das darüber liegende sechste Geschoß ist ebenfalls rosa gestrichen.

Der zweite Bauteil kontrastiert nicht nur durch den gelben Verputz, er zeigt sowohl auf der Straßen- wie auf der Hofseite eine besonders abwechslungsreiche Gliederung der Baumassen. Dreigeschoßige flache Erker mit verglasten Loggien, ein- bis zweigeschoßige Runderker, Fenstererker und Balkone fügen sich zu einem rhythmischen Konzept, das die Straßen- und Hoffassaden vertikal gliedert. Die Gebäudeecken sind durch klinkergerahmte Vitrinen, verbreiterte Gesimsstreifen und eine mehrfache Höhenstaffelung besonders herausgearbeitet. Grau gestrichene Stockwerksgesimse betonen die Fassaden horizontal und wurden um die nachträglich hofseitig angebauten Lifttürme fortgesetzt. Die klinkerverkleidete Sockelzone wächst Richtung Hasnerstraße zu einem hohen Sockelgeschoß an, hier zählt die Straßenfassade fünf anstelle der sonst vier Geschoße. Aufgrund der Terrassierung sind die Hoffassaden großteils fünfgeschoßig, das Dachgeschoß ist wie der erste Bauteil mit Mansarden ausgebaut.

... und die Kunst

Im Vorgarten des Gemeindebaus an der Ecke Koppstraße/Pfenninggeldgasse steht das Schuhmeier-Denkmal, eine auf einem Vierkantsockel angebrachte Bronzebüste Franz Schuhmeiers von Siegfried Bauer aus dem Jahr 1925. 1934 wurde das Denkmal aus politischen Gründen entfernt und während des Krieges zur Anfertigung von Kriegsmaterial vernichtet. Am 11.2.1948 wurde es in einer Nachbildung erneut aufgestellt.

Im Gartenhof der Wohnhausanlage befinden sich laut Felix Czeike, Wiener Bezirkskulturführer Ottakring, drei Putti-Plastiken von Hans Vohburger. Sie sind jedoch heute nicht mehr dort aufgestellt.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde am 24.5.1923 nach dem sozialdemokratischen Politiker Franz Schuhmeier (11.7.1864 bis 11.2.1913) benannt. Franz Schuhmeier stammte aus einer Arbeiterfamilie in Ottakring und machte sich nach seiner Schulausbildung im Aufbau der sozialdemokratischen Bezirks¬organisation in Ottakring verdient. Mit Jakob Reumann war er 1900 erstes sozialdemokratisches Mitglied des Wiener Gemeinderats und wenig später Abgeordneter zum Reichsrat. Am 11. Februar 1913 wurde Franz Schuhmeier von Paul Kunschak, dem geistig verwirrten Bruder von Leopold Kunschak, in der Halle des Nordwestbahnhofs erschossen.

Sanierung

von 2002 bis 2004

Im Schuhmeierhof wurde in den Jahren 2002 bis 2004 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 33 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 12.179.500 Euro, davon konnten 6.124.268 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Schmalhofer - Karl Schmalhofer (1871-1960) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Architekt des Wiener Stadtbauamtes errichtete er zahlreiche Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Sein bedeutendstes Werk ist das gemeinsam mit Otto Nadel erbaute Amalienbad (Wien 10, Reumannplatz).

Gottlieb Michal - Gottlieb Michal (1886-1970) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Otto Wagner. Schon früh stand er im Dienst des Wiener Stadtbauamtes. Nach seinen Plänen wurden u. a. der August-Forstner-Hof (Wien 15), der Franz-Schuhmeier-Hof (Wien 16) und der Austerlitzhof (Wien 16) errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Vorsitzender des Fonds für Wiederaufbau. Noch in den 1950er-Jahren war er als Architekt für die Gemeinde Wien tätig.

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