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Ebert-Hof

Fakten

Ebert-Hof

Hütteldorfer Straße 16-22, 1150 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 179

Architekt: Victor Mittag, Karl Hauschka

Weitere Adressen

Costagasse 2, 1150 Wien

Loeschenkohlgasse 13, 1150 Wien

Pouthongasse 23, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich am Rande des so genannten Nibelungenviertels, das seinen Namen aufgrund der vielen auf das Nibelungenlied zurück gehenden Namen von Gassen und Plätzen in der Gegend erhielt. Ehemals der östliche Teil des Exerzier- und Paradeplatzes Schmelz, wurde das zwischen Hütteldorfer Straße, Gablenzgasse, Stutterheimstraße und Vogelweidplatz liegende Gebiet ab 1910 zur Besiedelung freigegeben und mit großbürgerlichen Mietshäusern verbaut. Diese Bautätigkeit wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen, die noch bestehenden Baulücken wurden nach dem Krieg durch Gemeindebauten geschlossen. Der Eberthof wurde auf dem ehemaligen Mattisplatz errichtet und zählt zu den größten Höfen im Bezirk.

Die Architektur

Die denkmalgeschützte Wohnhausanlage wurde auf U-förmigem Grundriss um einen Straßenhof, der sich gegen die Hütteldorfer Straße hin öffnet, errichtet. Die monumentale Anlage wird im Großen von der unterschiedlichen Bauhöhe der einzelnen Gebäudetrakte und den Vor- und Rücksprüngen in der Bauflucht, im Detail durch verschiedene architektonische Kleinteile, wie Rund- und Polygonalerker, Balkone, Loggien, abwechslungsreich gegliederte Bauformen, farbige Felder und ausgespreizte Wandpfeiler, bestimmt. Am Bauteil an der Loeschenkohlgasse wurde der eigentliche Haupteingang der Anlage mittels eines monumentalen Spitzbogen-Tores ausgebildet. Die Hoffassaden werden durch Dreieckserker und Arkadenüberbauung gegliedert, an der Hütteldorfer Straße verfügt die Anlage über Arkadenlauben mit Gassenlokalen, welche die Ladenstraßen der späteren Gemeindebauten vorweg nehmen. Der Bauteil Ecke Hütteldorfer Straße/Costagasse wurde als Blickfang der Anlage bewusst überhöht ausgebildet. Der Straßenhof bietet heute vor allem aufgrund der Bäume den Anblick eines kleinen Parks, alte Ansichten zeigen ihn noch in unbegrüntem Zustand. Auch das Innenleben der Anlage hat sich mit der Zeit verändert: Ursprünglich verfügte die Anlage über 202 Kleinwohnungen mit etwa 35 Quadratmetern Wohnfläche, durch Wohnungszusammenlegungen sind es heute nur noch 179 Wohnungen.

... und die Kunst

Im Innenhof befindet sich der "Frühlingsbrunnen" mit einer von Anton Endstorfer (1880 - 1961) schon im Jahr 1912 geschaffenen Bronzefigur eines Knaben mit Vögeln, die auch auf dem Deckblatt der Broschüre zur Eröffnung des Baues abgebildet wurde. Endstorfer, der noch in den 1930er-Jahren mehrere Preise und öffentliche Anerkennungen erhalten hatte, war von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt worden, da er mit einer Jüdin verheiratet war. Nach dem Krieg war Endstorfer, der für mehrere Wiener Gemeindebauten Kunstwerke geschaffen hat, noch bis 1957 als freischaffender Bildhauer in Wien tätig.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde nach dem sozialdemokratischen Parteiführer Friedrich Ebert (1871 - 1925) benannt. Ebert, der in jungen Jahren mit der Sozialistenbewegung in Kontakt gekommen war, war der erste Präsident der Weimarer Republik. An der Hoffassade des Traktes an der Loeschenkohlgasse befindet sich Eberts Porträt in Gestalt eines Bronzereliefs.

Sanierung

von 1995 bis 1999

Im Ebert-Hof wurde in den Jahren 1995 bis 1999 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 20 neue Wohnungen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits ab 1989. Die Kosten beliefen sich auf 8.175.734 Euro, davon konnten 5.753.210 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Victor Mittag - Viktor Mittag (1896-1962) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Heinrich Tessenow und Josef Hoffmann und später an der Akademie der bildenden Künste. Gemeinsam mit Karl Hauschka errichtete er eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neben mehreren Wohnbauten in Wien auch Wohnhäuser in Eisenstadt nach seinen Plänen.

Karl Hauschka - Karl Hauschka (1896-1981) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Küste Wien bei Peter Behrens. Bei diversen Architekturwettbewerben gewann er mehrere Preise, jedoch sind kaum realisierte Werke bekannt. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwarf er in Arbeitsgemeinschaft mit Viktor Mittag eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien, darunter auch den Wildganshof in Wien 3, sowie in den 1960er-Jahren den Harry-S.-Truman-Hof in Wien 23 in Zusammenarbeit mit den Architekten Wenko Bossew, Otmar Brunner, Maria Albrecht, August Kastner, Karl Molnar und Rudolf Sorgo.

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