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Forstnerhof

Fakten

Forstnerhof

Alliogasse 27-33, 1150 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 137

Architekt: Gottlieb Michal

Weitere Adressen

Camillo-Sitte-Gasse 12-18, 1150 Wien

Walkürengasse 2-6, 1150 Wien

Hagengasse 13-17, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage liegt im so genannten Nibelungenviertel, das seinen Namen aufgrund der vielen auf das Nibelungenlied zurückgehenden Namen von Gassen und Plätzen in der Gegend erhielt. Ehemals der östliche Teil des Exerzier- und Paradeplatzes Schmelz, wurde das zwischen Hütteldorfer Straße, Gablenzgasse, Stutterheimstraße und Vogelweidplatz liegende Gebiet ab 1910 zur Besiedelung freigegeben und durch großbürgerliche Mietshäuser verbaut. Die Bautätigkeit wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen, die dadurch entstehenden Baulücken wurden in der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Gemeindebauten geschlossen.

Die Architektur

Der Forstnerhof zählt zu den großen, "romantischen" Wohnhausanlagen der 1920er-Jahre. Bezeichnend im Gesamteindruck sind die Abgeschlossenheit zur Straße hin und die Monumentalität der Anlage. Im Detail sind die relativ klein gehaltenen Eingänge, die Polygonalerker, die spitzen Giebelformen, die Ornamentfelder in der Parapetzone sowie die Dachaufbauten besonders erwähnenswert.

Zur Alliogasse hin wird die Anlage durch einen zentralen Wohnblock, der links und rechts von Durchgängen sowie von zwei überhöhten Eckverbauungen flankiert wird, begrenzt. Zwei Treppen überwinden den Niveauunterschied zwischen Alliogasse und Camillo-Sitte-Gasse und führen in den intim angelegten, begrünten Hof der Anlage. Zur Camillo-Sitte-Gasse hin wird der Hof durch einen mächtigen, wehrhaften Baublock abgeschlossen. Der in den Jahren 1926/27 in der Alliogasse 24-26 geschaffene Erweiterungsbau des Forstnerhofes, der ebenfalls von Gottlieb Michal errichtet wurde, bedient sich im Großen und Ganzen derselben architektonischen Formen.

... und die Kunst

Im Hof der Wohnhausanlage befindet sich ein von Anton Endstorfer geschaffener Zierbrunnen. Endstorfer, der noch in den 1930er-Jahren mehrere Preise und öffentliche Anerkennungen erhalten hatte, war von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt worden, da er mit einer Jüdin verheiratet war. Nach dem Krieg war Endstorfer, von dem mehrere Kunstwerke in Wiener Gemeindebauten stammen, noch bis 1957 als freischaffender Bildhauer in Wien tätig. An den Erkern der Bauteile Ecke Alliogasse/Hagengasse und Alliogasse/Walkürengasse befinden sich Reliefs mit den zwölf Tierkreiszeichen. Am Erker nächst der Hagengasse finden sich die Zeichen Schütze, Widder, Waage, Skorpion, Löwe und Jungfrau, am Erker nächst der Walkürengasse die Zeichen Krebs, Steinbock, Zwillinge, Stier, Wassermann und Fische.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde am 25. September 1949 nach dem Rudolfsheimer Politiker August Forstner (1876-1941) benannt. Forstner war von 1903 bis 1934 Obmann des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter, von 1906 bis 1918 Mitglied des Reichsrats, von 1918 bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat sowie von 1918 bis 1923 sozialdemokratischer Gemeinderat. Eine Gedenktafel am Eingang Camillo-Sitte-Gasse 12-14 erinnert an ihn.

Prominente Bewohner

August Forstner lebte selbst längere Zeit in diesem Gemeindebau, der einige Jahre nach seinem Tod nach ihm benannt wurde.

Sanierung

von 1989 bis 1991

Im Forstnerhof wurde in den Jahren 1989 und 1991 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2.327.348 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Gottlieb Michal - Gottlieb Michal (1886-1970) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Otto Wagner. Schon früh stand er im Dienst des Wiener Stadtbauamtes. Nach seinen Plänen wurden u. a. der August-Forstner-Hof (Wien 15), der Franz-Schuhmeier-Hof (Wien 16) und der Austerlitzhof (Wien 16) errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Vorsitzender des Fonds für Wiederaufbau. Noch in den 1950er-Jahren war er als Architekt für die Gemeinde Wien tätig.

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