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Otto-Probst-Straße 16-18 - West 1

Fakten

Otto-Probst-Straße 16-18 - West 1

Otto-Probst-Straße 16-18 - West 1, 1100 Wien

Baujahr: 1989-1991

Wohnungen: 99

Architekt: Pauline Lamprecht, Helmut Wimmer

Weitere Adressen

Otto-Probst-Straße 12 - West 1, 1100 Wien

Otto-Probst-Platz 1 - West 1, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den späten 1980er- und in den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben Sanierungsarbeiten auf die Stadterweiterung (21.000 Wohnungen in vier Jahren). Gemeinsam mit der Stadtplanung werden großflächig Siedlungsgebiete im Nordosten und Süden Wiens erschlossen. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den heutigen Bevölkerungsstrukturen an und sparen durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Die Geschichte des Wienerberges ist von der langen Tradition der Ziegelproduktion geprägt. Um 1820 wurde die Ziegelfabrik am Wienerberg zur größten Europas. Die Ziegelarbeiter hausten in Massenquartieren und einfachen Baracken, die im Umfeld der Fabrik entstanden. Erst in den 1960er-Jahren wurde der Lehmabbau unrentabel, und die Ziegelwerke wurden stillgelegt. Für die Neugestaltung des Areals wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Das Konzept für die Siedlung entlang der Otto-Probst-Straße ging aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervor, der 1980 von Otto Häuselmayer gewonnen wurde. Die insgesamt 2.000 Wohnungen wurden 1984 und 1996 in drei Etappen realisiert. Als Auftraggeber fungierten sowohl öffentliche als auch private Bauträger. Trotz der Hinwendung zur Urbanisierung wurde auf eine möglichst geringe Wohndichte und die unmittelbare Integration naturnaher Freiräume Wert gelegt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich - dem Prinzip der Blockrandverbauung folgend - zwischen dem Tesarekplatz und dem Otto-Probst-Platz. Den Tesarekplatz begrenzt die Anlage L-förmig. Das Erdgeschoß wird hier durchgehend als Geschäftzone genutzt. Schmale, eingestellte Rundpfeiler bilden einen offenen Kolonnadengang. Die Fassade der beiden Obergeschoße ist äußerst schlicht gehalten und wird nur durch gleichmäßig eingesetzte Fenster bzw. französische Fenster strukturiert. Auch die anschließenden zwei bzw. vier Geschoße umfassenden Bauteile entlang der Otto-Probst-Straße sind entsprechend schlicht gestaltet. Ihnen sind kammartig Wohnblöcke angefügt, die zum Teil überraschende, dekonstruktivistische Eingangssituationen aufweisen. Sie umschließen darüber hinaus kleine, begrünte Höfe und sind großzügig mit Balkonen ausgestattet. Besonders bemerkenswert ist die Lösung am Otto-Probst-Platz, wo die Wohnhausanlage durch eine konkave Schwingung ein arenaartiges Ambiente schafft. Verstärkt wird dieser Eindruck in den drei Obergeschoßen, wo die vorgelagerten Loggien wie Zuschauertribünen wirken. Sie werden durch ein schlichtes vorgezogenes Dach vor Witterung geschützt.
Die Farbe Rot taucht in der gesamten Anlage immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen auf und bildet so den sprichwörtlichen "roten Faden", der die Baukörper verbindet. Zusätzlich brechen spitze Bauelemente und Rundkörper wie etwa Balkone und Erkerfenster die ansonsten kompakte und schlichte Architektur auf. Das ebenfalls zur Anlage gehörende L-förmige Wohnhaus an der Ecke August-Sigl-Straße und Otto-Probst-Platz umfasst drei bzw. vier Geschoße. Markant in Erscheinung treten bei diesem Bauteil die massiven, an den Ecken hochgezogenen Rundgiebel.

Der Name

Benannt ist der quer durch die Siedlung verlaufende Straßenzug nach dem Politiker Otto Probst (1911-1978). Der Sozialdemokrat begann seine Karriere in der Jugendschutzstelle der Arbeiterkammer in Wien. Unter dem NS-Regime war er zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert und kam 1943 in eine Strafkompanie der Wehrmacht an die Ostfront. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Probst Zentralsekretär der SPÖ. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft und von 1970 bis 1974 Obmann der SPÖ Wien. Der langjährige Nationalratsabgeordnete verstarb 1978 in seinem Arbeitszimmer im Parlament.

Architekten

Pauline Lamprecht - Pauline Lamprecht (geb. 1945 in Wien) studierte Architektur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1976 legte sie die Ziviltechnikerprüfung ab und eröffnete im darauf folgenden Jahr ihr eigenes Architekturbüro. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in den Bereichen Wohnbau, Inneneinrichtung und Revitalisierung. So war sie um 1980 unter anderem an der Revitalisierung mehrerer Häuser am Spittelberg in Wien 7 beteiligt: Burggasse 11, Gutenberggasse 11, 12 und 14. Zusammen mit Dieter Bernstein entwarf sie für die Gemeinde Wien den Hedwig-Lehnert-Hof in Wien 21, Prager Straße 92-96 (1981-1983). 1991 legte Pauline Lamprecht ihre Ziviltechniker-Befugnis zurück und widmet sich seitdem ganz ihrem Gesundheitsinstitut.

Helmut Wimmer - Helmut Wimmer (geb. 1947) studierte bis 1975 an der Technischen Universität Wien. Nach kurzen Praxistätigkeiten in Wien und London war er für einige Jahre im Atelier von Wilhelm Holzbauer beschäftigt. Seit 1981 führt er sein eigenes Büro in Wien. Neben zahlreichen Wohnbauten in ganz Wien errichtete Wimmer unter anderem auch die Volksschule Breitenseerstraße in Wien 22 (1997) und realisierte die Sanierung samt Umbau des Altenheimes Baumgartner Höhe (Otto Wagner Pavillon 15, Wien 14).

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