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Siedlung Am Müllnermais

Fakten

Siedlung Am Müllnermais

Am Müllnermais 3-12, 1220 Wien

Baujahr: 1927-1928

Wohnungen: 53

Architekt: Wilhelm Peterle

Weitere Adressen

Donatelloweg 1-8,10-20, 1220 Wien

Vinzen Hauschkagasse 1-9, 1220 Wien

Wranitzkygasse 1-47, 1220 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begann die Stadt Wien in einem umfangreichen Bauprogramm für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die nördlich der Donau liegende Marchfeldebene wurde seit dem 11. Jahrhundert systematisch besiedelt. Die Donau mit ihren zahlreichen Seitenarmen und der Auengürtel, die die einzelnen Siedlungen voneinander und von der Stadt trennten, erlaubten jedoch keine großflächige Verbauung. Die Voraussetzungen für die bauliche Entwicklung dieses Gebiets wurden erst mit der ab 1870 erfolgten Donauregulierung geschaffen. Zunächst siedelte sich vor allem Industrie auf dem neu gewonnen Bauland an. Ab etwa 1920 bildeten die weiten, unverbauten Flächen die ideale Basis für die einsetzende Siedlungsbewegung. Neben einer Reihe anderer Siedlungen entstand auch jene Am Müllnermais nach dem Prinzip der Gartenstadt (ab 1924 von Wilhelm Baumgartner geplant). Sie wurde ab 1927 von der Gemeinde Wien nach Plänen von Wilhelm Peterle erweitert.

Die Architektur

Die von Wilhelm Peterle geplante Wohnsiedlung besteht aus vorwiegend zweigeschoßigen Reihenhäusern, die in sieben Zeilenverbänden zwischen Am Müllnermais und Wranitzkygasse angeordnet sind. Die mit Vor- und Hausgärten ausgestatteten Häuser zeigen in ihrer Anlage zwar noch Anleihen an das typische Siedlungshaus, entsprechen jedoch bereits mehr dem reinen Geschoßwohnbau. Im Gegensatz zu den früher entstandenen Siedlungshäusern waren keine Stallanbauten mehr vorgesehen, und die Hausgärten wurden stark reduziert. Die Wohnblöcke umfassen jeweils vier bis acht Wohnungen, die sich über die beiden Hauptgeschoße und das ausgebaute Dachgeschoß erstrecken. Die geringe Verbauungsdichte und die Einplanung von infrastrukturellen Einrichtungen (Waschküche) und einem Genossenschaftshaus samt Geschäftslokalen (Papinweg 11) entsprechen eher dem Konzept der "Superblöcke" als der Gartenstadt. Auch in der Gestaltung wird das Formenvokabular der großen romantisch-expressionistischen Wohnhausanlagen aufgegriffen. Es dominieren die wuchtigen, aneinander gereihten Quergiebel. Die paarweise gekoppelten Hauseingänge sind in Backstein gefasst und als eigenständige Bauteile vor die Fassade gestellt. Sie sind unterschiedlich groß angelegt, weshalb es bei einigen Bauten zu einer Zentralisierung auf die Mittelachse kommt, die zusätzlich durch die variierenden Dachgaubenformen betont wird. Erhabene Wandfelder und wuchtige Gesimsstücke strukturieren die eher schlichten Häuserfronten. In dieser eigenartigen Mischform zwischen Siedlungshaus und Wohnblock erscheinen die Bauten beinahe wie villenartige Land- oder Gartenhäuser.

Der Name

Der alte Flurname "Müllnermais" bezeichnete einst die Felder der Schiffmüller, die sich in dieser Gegend befanden.

Sanierung

von 1996 bis 1998

In der Siedlung Am Müllnermais wurden von 1996 bis 1998 Erhaltungsarbeiten durchgeführt. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 623.533 Euro, davon konnten 137.801 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Wilhelm Peterle - Der in Ried im Innkreis geborene Wilhelm Peterle (1893-1959) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Graz, wechselte 1913 an die Technische Hochschule Wien, wo er 1921, nach geleistetem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, sein Studium abschloss. Peterle arbeitete zunächst im Atelier Simony, bis er eine Stelle im Wiener Stadtbauamt erhielt, wo er vor allem mit der Errichtung von Wohnhausanlagen befasst war. Als Anhänger der Gartenstadtbewegung plante er neben zahlreichen anderen Projekten für das Rote Wien die Großsiedlung "Am Tivoli" (Hohenbergstraße 3-21, Wien 12).

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