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Siedlung An der Marangasse

Fakten

Siedlung An der Marangasse

Kagraner Anger 63-85, 1220 Wien

Baujahr: 1938-1938

Wohnungen: 97

Architekt: Karl Schartelmüller

Weitere Adressen

Knappweg 1-19, 1220 Wien

Marangasse 3-31, 1220 Wien

Siebenbürgerstraße 51-79,79A-C, 1220 Wien

Spiedelweg 1-20, 1220 Wien

Wollekweg 2-22,24, 1220 Wien

Wohnen in Wien

Aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Lage verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für den kommunalen Wohnbau ab 1930 massiv. Dazu kam, dass die Stadt Wien mit der Ausschaltung des Parlaments und der Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung 1934 den Status als eigenes Bundesland verlor. Von Regierungsseite starteten Aktionen zur Errichtung von Erwerbslosensiedlungen in Randgebieten. 1938 wurde der Nationalsozialist Hermann Neubacher Wiener Bürgermeister. Die nationalsozialistischen Stadtplaner wälzten im Rahmen ihrer Propaganda pompöse Pläne und Ideen. Die Zerstörung jüdischen Eigentums und Enteignungen - auch von Gemeindewohnungen - waren Teil dieser Pläne. Während einige Architekten ihre Lizenz verloren, wurden andere mit dem Errichten von Volkswohnhäusern und Rüstungsbauten beauftragt. Insgesamt wurde mehr in Kriegsbauten als in den Wohnbau investiert. Ab 1941 wurde die Bautätigkeit kriegsbedingt größtenteils eingestellt.

Geschichte

Die nördlich der Donau liegende Marchfeldebene wurde seit dem 11. Jahrhundert systematisch besiedelt. Die Donau mit ihren zahlreichen Seitenarmen und der Auengürtel, die die einzelnen Siedlungen voneinander und von der Stadt trennten, erlaubten jedoch keine großflächige Verbauung. Die Voraussetzungen für die bauliche Entwicklung dieses Gebiets wurden erst mit der ab 1870 erfolgten Donauregulierung geschaffen. Zunächst siedelte sich vor allem Industrie auf dem neu gewonnen Bauland an. Ab etwa 1920 bildeten die weiten, unverbauten Flächen die ideale Basis für die einsetzende Siedlungsbewegung. Neben einer Reihe anderer Siedlungen entstand auch jene Am Freihof nach dem Prinzip der Gartenstadt. Sie wurde ab 1923 nach Plänen von Karl Schartelmüller mit 99 niedrigen Wohnhäusern als Kleinhaussiedlung für die Gemeindebediensteten des Elektrizitätswerks, des Gaswerks und der Straßenbahn errichtet und vom selben Architekten mehrmals erweitert. Mit jeder Bauphase zeichnete sich eine Veränderung im Baustil ab, wenn auch am Konzept der Gartenstadt festgehalten wurde.

Die Architektur

An der Marangasse wurden in Erweiterung der Siedlung Am Freihof 15 einstöckige Häuser in Zeilenbauweise errichtet. An ihnen zeichnet sich der Übergang vom Reihenhaus der Gartenstadt zum reinen Geschoßwohnbau ab. Die Wohnhäuser verfügen über keine Stallanbauten mehr, und die Hausgärten sind deutlich kleiner. Die reduzierte Fassadengestaltung und die kleinen Treppenanlagen zu den paarweise angeordneten Eingängen zeigen jedoch noch Anleihen an das kleine Siedlungshaus. Im Erdgeschoß waren ein Vorraum mit Holzstiege, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Baderaum vorgesehen. Im ersten Stock befanden sich ein Zimmer, eine Kammer, ein Vorraum und der Abort. Eine weitere Wohnkammer war im zum Teil ausgebauten Dachgeschoß eingeplant.
Die lange geschlossene Front der Häuserzeilen wird durch Sprünge in der Bauhöhe in mehrere Teilstücke zergliedert. Bemerkenswert ist die symmetrische Anordnung der Fenster eines jeden Doppelhauses - dadurch werden die Häuser rhythmisch aneinander gebunden. Spätere Umgestaltungen, vor allem an den Eingangsbereichen und den Fenstern, beeinträchtigen heute das ursprünglich einheitliche Straßenbild.
Die anschließenden Gassen in Richtung Kagraner Anger wurden mit ebenerdigen Doppelhäusern verbaut. Hier befanden sich im Erdgeschoß eine Wohnküche, ein Zimmer und ein Vor- und Wirtschaftszimmer. Im ausgebauten Dachgeschoß war ein weiteres Zimmer untergebracht. Außerdem verfügt jede Reihenhaushälfte über einen ebenerdigen Anbau, der zur Nutztierhaltung gedacht war. Der ursprünglich zwischen den Stallbauten vorgesehene Zugang zu den Gärten wurde durch nachträgliche Anbauten geschlossen.
Geprägt werden die Häuser heute vor allem durch die nachträglich vorgebauten Windfänge, die die ursprünglichen massiven Türrahmungen ersetzen. Die Stallungen wurden zu Wohnräumen oder Garagen adaptiert. Die vom Architekten vorgesehene begrünte Einfassung der Vorgärten ist heute nur noch teilweise gegeben.

Der Name

Die Marangasse ist nach dem Schauspieler Gustav Maran (eigentlich Gustav Dolezal, 1854-1917) benannt. Maran absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und nahm danach Schauspielunterricht. 1873 erhielt er ein Engagement am Wiener Residenztheater, von 1894 bis 1917 spielte er am Theater in der Josefstadt.

Architekten

Karl Schartelmüller - Karl Schartelmüller (1884-1947) studierte zunächst Maschinenbau und im Anschluss Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1911 seinen Abschluss machte. Danach war er zwei Jahre als Assistent an der Technischen Hochschule beschäftigt und begann 1913 bei der Gemeinde Wien im Bereich Stadtplanung und Stadtregulierung zu arbeiten. Unter dem NS-Regime zwangspensioniert, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Leiter der Wiener Stadtplanung und Stadtregulierung berufen. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er vor allem für die Bestandsaufnahme der Bombenschäden in Wien verantwortlich und maßgeblich an den städtebaulichen Ausschreibungen für den Karlsplatz, den Stephansplatz und die Gestaltung der Donauufer beteiligt. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Siedlung "Lockerwiese" in Wien 13 (1928-1932) und die Siedlung "Am Freihof" in Wien 22 (1923-1930).

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