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Siedlung Kagran

Fakten

Siedlung Kagran

Kagraner Anger 91A-91D, 1220 Wien

Baujahr: 1948-1950

Wohnungen: 232

Architekt: Wilhelm Kroupa, Friedrich Lang

Weitere Adressen

Kagraner Anger 93A-93D, 95A-95D, 97A-97D, 1220 Wien

Larwingasse 2-43, 49-75, 1220 Wien

Siebenbürgerstraße 50/1-6, 52-118, 120/1-6, 122/1-6, 124/1-6, 126-150, 1220 Wien

Pogrelzstraße 1-23, 1220 Wien

Steigenteschgasse 141/R1,R2A,2-5, 142/1-6, 143/R2,1A+C, 143/3-6, 144/R1,1-5,145/1-6,146/1-6,147/1-6, 48/1-6,149/1-6,150/1-6,151/1-6,152/1-6, 1220 Wien

Stundlgasse 1-12, 1220 Wien

Wohnen in Wien

1945 waren rund 28 Prozent der Gebäude Wiens durch die Kriegshandlungen schwer beschädigt oder zerstört. Eine rasche Linderung der Wohnungsnot stand im Vordergrund, Infrastruktur und Baumaterial fehlten jedoch oft. Ab 1947 begann die planmäßige Errichtung von Neubauten. Der Bau großer Wohnanlagen wie der Per-Albin-Hansson-Siedlung startete Ende der 1940er-Jahre.

Geschichte

Die nördlich der Donau liegende Marchfeldebene wurde seit dem 11. Jahrhundert systematisch besiedelt. Die Donau mit ihren zahlreichen Seitenarmen und der Auengürtel, die die einzelnen Siedlungen voneinander und von der Stadt trennten, erlaubten jedoch keine großflächige Verbauung. Die Voraussetzungen für die bauliche Entwicklung dieses Gebiets wurden erst mit der ab 1870 erfolgten Donauregulierung geschaffen. Zunächst siedelte sich vor allem Industrie auf dem neu gewonnenen Bauland an. Ab etwa 1920 bildeten die weiten, unverbauten Flächen die ideale Basis für die einsetzende Siedlungsbewegung. Neben einer Reihe anderer Siedlungen entstand auch jene Am Freihof nach dem Prinzip der Gartenstadt. Sie wurde ab 1923 nach Plänen von Karl Schartelmüller mit 99 niedrigen Wohnhäusern als Kleinhaussiedlung für die Gemeindebediensteten des Elektrizitätswerks, des Gaswerks und der Straßenbahn errichtet. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mehrmals erweitert.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde in Erweiterung der Siedlung Am Freihof zwischen Kagraner Anger, Siebenbürgerstraße und Steigenteschgasse errichtet. Es finden sich drei unterschiedliche Haus-Typen in der Anlage: das freistehende, eingeschoßige Einzelhaus (Typ A), das zweigeschoßige Reihenhaus (Typ B) und der dreigeschoßige Wohnblock (Typ C). Die Einzelhäuser sind mit den Giebelfronten zu den Straßenzügen hin ausgerichtet und durch niedrige, leicht zurückversetzte Geräteschuppen aneinander gekoppelt. Die Geräteschuppen der Reihenhäuser befinden sich an den Gartenfronten. Die einzelnen Reihenhauszeilen sind zum Teil durch Garagenbauten aneinander gehängt, die deutlich vor die Häuserflucht gesetzt sind. Als neues Zentrum des gesamten Siedlungsareals wurde die Verbauung entlang der Steigenteschgasse konzipiert. Hier befinden sich die dreigeschoßigen Wohnblöcke, die in Blockrandverbauung angelegt sind und auch in die Siebenbürgerstraße übergreifen. Dem als Geschäftszone genutzten Erdgeschoß sind beidseitig der Straße Arkadengänge vorgelagert. Die massiven Baumassen heben sich deutlich von der niedrigen, offenen Siedlungsverbauung ab und haben eine Urbanisierung der Gartenstadtidylle zur Folge. Die Architektur der gesamten Anlage ist betont schlicht gehalten und zeigt, vor allem durch die hohen Giebelfronten der Einzelhäuser und die Erker und Türrahmungen der Wohnblöcke, Anleihen an den Heimatschutzstil. Akzente im Siedlungsbild setzen die gewölbten Einfahrten der Garagenbauten und die durch symmetrisch angeordnete Portikus repräsentativ gestalteten Plätze der Sackgassen. Durch spätere Anbauten an den Eingangsbereichen und Erneuerungen der Fenster und Türen ist das ursprünglich einheitliche Erscheinungsbild der Siedlung heute massiv beeinträchtigt.

... und die Kunst

1951 schuf der Bildhauer Mario Petrucci im Auftrag der Stadt Wien den "Gänsebrunnen" in der Larwingasse, der an die seinerzeit berühmte Kagraner Geflügelzucht erinnern soll.

Der Name

Zur Erinnerung an die ehemalige, schon 1200 als "de Chagaron" selbständige Gemeinde an diesem Ort. Urkundlich wurde Kagran erstmals 1199 als "Chagaran" erwähnt, welches sich vom verwandten Wagram ableitet. Als den "Wogenrand der Donau" bezeichnete der Name diesen Ortsteil aus Zeiten vor der Donauregulierung.

Architekten

Wilhelm Kroupa - Wilhelm Kroupa (1911-1992) studierte bei Siegfried Theiss an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1936 promovierte. Er war zunächst bis 1945 im Architekturbüro Fritz Waage und Eugen Kastner angestellt und gründete nach 1945 mit Fritz Waage eine selbständige Arbeitsgemeinschaft, die vor allem Großprojekte für Wohnsiedlungen und Industrieanlagen in Wien und den Bundesländern realisierte, wie etwa die Erweiterung der Siedlung Am Freihof (Wien 22).

Friedrich Lang - Friedrich Lang (1911-1978) studierte von 1932 bis 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1938 mit der 2. Staatsprüfung abschloss und zudem 1938/39 die Meisterschule besuchte. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem den Karl-Kysela-Hof in Wien 16, Thaliastraße 159 (1967-1969), und zusammen mit Ernst Plojhar den Rudolf-Hitzinger-Hof in Wien 21, Leopoldauer Straße 70 (1969-1971), und die Anlage Rudolf-Zeller-Gasse 71 in Wien 23 (1972-1975).

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