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Rosa-Jochmann-Ring 46-54

Fakten

Rosa-Jochmann-Ring 46-54

Rosa-Jochmann-Ring 46-54, 1110 Wien

Baujahr: 1994-1997

Wohnungen: 329

Architekt: Josef Krawina

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben Sanierungsarbeiten auf die Stadterweiterung (21.000 Wohnungen in vier Jahren). Gemeinsam mit der Stadtplanung werden großflächig Siedlungsgebiete im Nordosten und Süden Wiens erschlossen. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den heutigen Bevölkerungsstrukturen an und sparen durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Die Wohnhausanlage liegt im Bezirksteil Kaiserebersdorf, der ursprünglich ein Gassengruppendorf unterhalb der Simmeringer Terrasse war. Urkundlich wurde die Gemeinde erstmals 1108 erwähnt. Sie war ab dem 12. Jahrhundert im Besitz der Herren von Himberg und später jener von Ebersdorf. 1499 gelangte die Herrschaft in den Besitz von Kaiser Maximilian I., der Ebersdorf als Jagdgebiet nutzte und den Herrensitz zu einem noch heute bestehenden Jagdschloss ausbauen ließ. Bis in die 1960er-Jahre bewahrte das von weitläufigen Gartenflächen umgebene Kaiserebersdorf seinen dörflichen Charakter. Erst durch die Errichtung großer Wohnhausanlagen wurde es mehr an das Stadtgebiet angeschlossen. In den 1990er-Jahren erfolgte die Erschließung des Stadterweiterungsgebiets Leberberg. Als zentrale Elemente wurden - unter Berücksichtigung alter Parzellierungen und Wege - die beiden Parkanlagen "Stadtpark Leberberg" (Größe: ca. 26.000 m2) und "Hofgartel" (Größe: ca. 20.000 m2) gestaltet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich U-förmig entlang der Etrichstraße, der Svetelskystraße und des Rosa-Jochmann-Rings. Sie umfasst durchwegs fünf Hauptgeschoße und ein etwas zurückversetztes Dachgeschoß. Erschlossen wird die Anlage über insgesamt elf Stiegenhäuser. Die Front zum Rosa-Jochmann-Ring ist betont schlicht gestaltet. Die einzelnen Häuser sind, dem ansteigenden Niveau des Straßenzuges folgend, in der Höhe leicht zueinander versetzt. Zudem heben sie sich durch ihre unterschiedliche Farbgebung deutlich voneinander ab. Schlichte, in das zurückversetzte Erdgeschoß eingestellte Eckpfeiler bilden einen offenen Kolonnadengang, der sich über vier Häuser erstreckt. Die glatten Putzfassaden werden durch schmale, gleichförmige Fenster strukturiert, die zum Teil in Blöcken angeordnet sind. Akzente setzen nur französische Fenster, die vorwiegend die jeweils äußersten Achsen einnehmen. In den weiträumigen Durchgang zum Innenhof sind schlichte Rundpfeiler eingestellt. Er ist in einen etwas von der Straße zurückversetzten Bauteil eingeschnitten. Massiv vorkragende Erkertürme bestimmen die Straßenfront der Stiege 1 und die ähnlich strukturierten Hoffassaden der einzelnen Stiegen.
Die Gestaltung der Häuser an der Etrichstraße folgt den gleichen Prinzipien, sie sind allerdings abwechselnd konvex und konkav geschwungen. Den Stiegenhäusern 9, 10 und 11 sind über schmale Erschließungstrakte im Hof weitere Wohnblöcke angegliedert. An der Svetelskystraße treten die turmartig überhöhten Aufzugsschächte markant in Erscheinung. Städtebaulich bemerkenswert sind hier auch die zu einer spitzen Ecke hin abgerundete Kante zur Etrichstraße und die monumentale Rundlösung zum Rosa-Jochmann-Ring.

Der Name

Benannt wurde der Mitte der 1990er-Jahre neu angelegte Verkehrsweg nach Rosa Jochmann (1901-1994). Jochmann, die sich schon früh in Gewerkschaften engagiert hatte, wurde 1932 zur Frauensekretärin der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bestellt und gehörte bereits 1933 dem Parteivorstand an. Nach dem Verbot der SDAP 1934 wurde sie als Gründungsmitglied der Revolutionären Sozialisten mehrmals verhaftet. Nach der Machtübernahme des NS-Regimes wurde Jochmann 1939 ins Konzentrationslager Ravensbrück überstellt, wo sie bis zum Kriegsende 1945 inhaftiert war. 1945 wurde sie in den Nationalrat gewählt, dem sie bis 1967 angehörte; zudem war sie von 1959 bis 1967 Frauensekretärin der SPÖ. Als Vorsitzende des Bundes der Sozialistischen Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus leistete sie bis 1990 als Zeitzeugin Aufklärungsarbeit in Schulen und anderen Bildungsstätten.

Architekten

Josef Krawina - Josef Krawina (geb. 1928) schloss 1955 sein Studium an der Technischen Universität Wien ab. Fünf Jahre später gründete er sein eigenes Atelier in Wien, 1983-1996 hatte er den Lehrstuhl für Entwerfen, Baukonstruktion und Baupraxis an der Technischen Universität Berlin inne. Er gestaltete das Karl-Renner-Denkmal an der Wiener Ringstraße (Porträtkopf von Alfred Hrdlicka) und zeichnet für die Architektur des berühmten Hundertwasserhauses (Wien 3) verantwortlich. Für das Wohnbauprogramm der Stadt Wien entwarf er gemeinsam mit Günther Oberhofer eine Anlage in der Haberlgasse 86 (1973-75, Wien 16).

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