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Dresdner Straße 1-5

Fakten

Dresdner Straße 1-5

Dresdner Straße 1-5, 1200 Wien

Baujahr: 1977-1980

Wohnungen: 73

Architekt: Artur Paul Duniecki, Hubert Schober, Hans Bichler

Weitere Adressen

Adalbert-Stifter-Straße 44, 1200 Wien

Wohnen in Wien

Zwischen 1978 und 1981 wurde zur Wohnungsverbesserung in Wien insgesamt ein Darlehensvolumen für über 48.000 Wohnungen zugesichert. 39 Wohnanlagen wurden fertig saniert, an weiteren 86 mit einem Kostenaufwand von 52 Mio. Euro gearbeitet. Zusätzlich wurden über 6.000 neue Wohnungen fertig gestellt. Die Architektur wandelte sich - dank des technischen Fortschritts in der Plattenbauweise - vom Zeilenbau hin zu flexibler gestalteten Anlagen mit individuellem Charakter und mieterfreundlichen Grundrissen. Gleichzeitig verstärkte sich das Mietermitspracherecht und serviceorientierte Wohnungsberatungszentren wurden etabliert.

Geschichte

Der 20. Wiener Gemeindebezirk liegt gemeinsam mit dem 2. Bezirk auf einer von Donaustrom und Donaukanal umschlossenen Insel. Bis ins 19. Jahrhundert war dieses Augebiet aufgrund ständiger Überschwemmung weitgehend unverbaut. Erst nach Abschluss der Donauregulierung 1875 wurde das Gebiet von Süden her langsam erschlossen. Nach einem Rasterverbauungsplan legte man lange, gerade Straßenzüge wie etwa die Dresdner Straße an. Diese bedeutende Ost-West-Verbindung und der nahe gelegene Nordwestbahnhof begünstigten hier um 1900 die Ansiedlung zahlreicher Fabriken. 1900 erfolgte durch die Abspaltung von der Leopoldstadt schließlich auch die Gründung des selbständigen Bezirks Brigittenau. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Industriegebiet entlang der Dresdner Straße vermehrt Wohnhäuser erbaut. Aber auch monumentale, freistehende Hochbauten wurden errichtet, wie etwa die der Wohnanlage gegenüberliegende AUV-Zentrale, wodurch im Laufe der Jahrzehnte die für den 20. Bezirk charakteristische Mischverbauung entstand.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich über vier Stiegen an der Ecke Adalbert-Stifter-Straße und Dresdner Straße; sie liegt etwas erhöht und von der Straße zurückversetzt. Die Architektur zeigt aufgrund der Verwendung subtiler Zitate des strengen Klassizismus bereits Ansätze der sich in den 1980er-Jahren im Wohnbau durchsetzenden Postmoderne. Schmale, schlichte Stützen brechen die ersten beiden Geschoße auf und lassen einen Kolonnadengang entstehen, der an den Straßenfronten nur durch die Aufzugsachsen unterbrochen wird. Die monumentale, gekurvte Eckpartie erscheint wie das Fragment eines polygonalen Zentralbaues und lässt Assoziationen zu antiken Arenen wie etwa dem Kolosseum in Rom zu. Auch dieses weist im Erdgeschoß einen Rundgang und im obersten Geschoß kleinere Öffnungen auf. Hinter den langen Fensterbändern des Wohnhauses verbergen sich allerdings Gänge, über die die Wohnungen erschlossen werden. Zudem dienen sie als Pufferzone zwischen den Wohnräumen und der Straßenkreuzung. Die schlichten Putzfassaden der anschließenden Trakte werden durch Achsen schmaler und breiterer Fenster rhythmisch gegliedert. Dekorative Akzente setzen nur die langgezogenen Fensterkonsolen der jeweils äußersten Achsen eines jeden Fassadenabschnittes. Sie betonen - wie auch die schmalen Stützen und die Stiegenhausachsen - die vertikale Linie. Besonders bemerkenswert ist die Gestaltung der Hoffront. Sie ist in mehrere jeweils konkav geschwungene Abschnitte zergliedert, wodurch die Baumassen dynamisch bewegt erscheinen. Die langgezogenen, gekurvten Loggien lassen aber wiederum an eine Arena denken; sie wirken wie Publikumsränge, die um eine Bühne - in diesem Fall den Innenhof - angeordnet sind.

Der Name

Die Dresdner Straße ist seit 1875/77 nach Dresden, der Hauptstadt von Sachsen, benannt. Nach der Fertigstellung der nach Dresden führenden Nordwestbahn wurde auch die Straße angelegt.

Sanierung

von 2006 bis 2006

In der Wohnhausanlage wurde im Jahr 2006 ein Lift eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 59.300 Euro, davon konnten 23.720 durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Artur Paul Duniecki - Artur Paul Duniecki (geb. 1939) absolvierte sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien. Anschließend arbeitete er im Büro von Karl Schwanzer, seinem Diplomarbeitsbetreuer, und wurde später Mitarbeiter von Wilhelm Holzbauer. Mit Otto Häuselmayer entwickelte er 1971 das "Instant House"-Projekt. In den Jahren 1977 bis 1980 war er Hochschulassistent an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Zu seinen realisierten Projekten gehören neben mehreren Wohnbauten unter anderem auch die Niederlassung der Möbelmarkt-Kette Kika in Wien 22 Wien, Wagramer Straße 246 (1995) und das Multiplex-Kino "Village Cinema" in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 2a (1999-2000).

Hubert Schober - Hubert Schober (1917-1992) studierte Architektur bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa die Wohnhausanlage Dresdner Straße 1-5 in Wien 22 (mit Artur Duniecki und Hans Bichler, 1977-1980).

Hans Bichler - Hans Bichler (1904-1980) studierte Architektur bei Oskar Strnad und Franz Schuster an der Wiener Kunstgewerbeschule und war im Anschluss daran von 1935-1938 ebendort Assistent von Oswald Haerdtl. 1932 richtete Hans Bichler eines der Häuser von Ernst A. Plischke in der Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13 ein. 1937 war er Bauleiter des österreichischen Pavillons auf der Weltausstellung in Paris, wo er den "Raum des Fliegers" gestaltete. Unter dem NS-Regime wurde Bichler Leiter der Wiener Kunstgewerbeschule. Zusammen mit Carl Witzmann baute er 1938 die Innenräume des Volkstheaters in Wien um. Dabei entstand auch das viel diskutierte "Führerzimmer". Als NSDAP-Mitglied wurde er 1945 aus allen öffentlichen Ämtern entlassen. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954-1955) beteiligt.

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