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Karl-Föderl-Hof

Fakten

Karl-Föderl-Hof

Ottakringer Straße 9-13, 1170 Wien

Baujahr: 1984-1985

Wohnungen: 48

Architekt: Josef Krawina, Othmar Augustin, Robert Steinhardt

Weitere Adressen

Veronikagasse 28, 1170 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bildeten ein neuer Stadtentwicklungsplan und ein Stadterneuerungsfonds die Grundlage für eine sanfte Stadterneuerung Wiens. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten. So konnten die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, saniert werden. Darüber hinaus fanden für Neubauten Wettbewerbe statt, um möglichst viele neue Ideen in die Architektur einzubringen.

Geschichte

Die Verbauung der Ottakringer Straße zwischen dem heutigen "Gürtel" und dem Johann-Nepomuk-Berger-Platz begann erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts, als der Exerzierplatz, der sich in diesem Bereich befand, freigegeben wurde. Das Gelände wurde parzelliert und mit großteils dreigeschoßigen Wohnhäusern verbaut. 1977 erfolgte der Abbruch der Altbauten an der Ecke Veronikagasse/Ottakringer Straße. Hier war seit den 1920er-Jahren auch das Kaffeehaus des berühmten Wienerliedkomponisten Karl Föderl (1885-1953) gewesen; einst Treffpunkt für prominente Schauspieler wie Paul Hörbinger und Maria Andergast.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage befindet sich an der Ecke Veronikagasse/Ottakringer Straße. Die auf die Veronikagasse ausgerichtete Hauptfront wird von einem mehrfach nach oben hin zurückgestuften Risalit mit abgerundeten Ecken dominiert. Ein massiv vorgezogener Spitzerker bildet die Zäsur zu einem schlichten Fassadenteil, das an die geschlossene Verbauung der Veronikagasse anschließt. Hier befinden sich im ausgebrochenen Erdgeschoß der Eingangsbereich und die Tiefgaragenzufahrt. Im Gegensatz zu diesem städtebaulich markanten Konglomerat unterschiedlicher Volumina ist die lange Front an der Ottakringer Straße deutlich schlichter ausgeführt. Sie wird in erster Linie durch spitz überdachte Stiegenhaustürme gegliedert. Die Fassadenflucht ist Richtung Veronikagasse mehrmals zurückgestuft. Dem ansteigenden Geländeniveau der Ottakringer Straße folgend, gibt es auch mehrere Höhensprünge. Der Erdgeschoßbereich ist großzügig verglast und wird zum Teil als Geschäftszone genutzt. Fenster unterschiedlicher Form strukturieren die glatten Fronten darüber. An der Gebäudeecke wölbt sich die Fassade wellenartig vor und schlingt sich so in die Veronikagasse. Diese gekurvten Massen bilden den Ausgleich zu den scharfen Kanten der spitzen Verdachungen und der rautenförmigen Fenster. Farbliche Akzente setzen die roten Eingänge und das schmale Dachgesims, hinter dem das blechverkleidete Dachgeschoß hochragt.

... und die Kunst

Die "Heilige Veronika" ist die Nachbildung einer Statue, die von 1722 bis 1842 auf dem Weg von Altlerchenfeld nach Hernals aufgestellt war und nach der auch die Veronikagasse benannt ist. Sie wurde von Prof. Fritz Tiefenthaler geschaffen; das Original befindet sich im Bezirksmuseum Hernals.

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach Karl Föderl (1885-1953) benannt, der im Vorgängerbau von 1921 bis zu seinem Tod 1953 wirkte. Föderl war zunächst als Komiker am Wiener Bürgertheater und am Theater in der Josefstadt tätig, wechselte jedoch später zur Musik und wurde einer der bedeutendsten Wienerliedkomponisten. Er komponierte über 800 Lieder zu Texten bekannter Autoren wie etwa Ernst Marischka, für den er auch Filmmusik schrieb. Von Föderl stammen unter anderem "So war’s amal in Wien", "Was weiß denn die Welt, was a Weanaherz fühlt" und "Die Reblaus", ein Lied, das vor allem durch die Interpretation von Hans Moser bekannt wurde.

Prominente Bewohner

Hier stand das Haus, in dem der Wienerliedkomponist Karl Föderl (1885-1953) von 1921 bis 1953 wirkte.

Architekten

Josef Krawina - Josef Krawina (geb. 1928) schloss 1955 sein Studium an der Technischen Universität Wien ab. Fünf Jahre später gründete er sein eigenes Atelier in Wien, 1983-1996 hatte er den Lehrstuhl für Entwerfen, Baukonstruktion und Baupraxis an der Technischen Universität Berlin inne. Er gestaltete das Karl-Renner-Denkmal an der Wiener Ringstraße (Porträtkopf von Alfred Hrdlicka) und zeichnet für die Architektur des berühmten Hundertwasserhauses (Wien 3) verantwortlich. Für das Wohnbauprogramm der Stadt Wien entwarf er gemeinsam mit Günther Oberhofer eine Anlage in der Haberlgasse 86 (1973-75, Wien 16).

Othmar Augustin - Othmar Augustin (geb. 1923) studierte nach geleistetem Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg an der Technischen Universität Wien. Schon während des Studiums arbeitete er im Atelier von Franz Sturm mit. Im Anschluss war er in einem Statikerbüro tätig und führte auch Überprüfungen für den Wiederaufbaufonds durch. Als selbständiger Architekt widmete sich Othmar Augustin vor allem dem Wohn- und Schulbau und erstellte diverse Ortsplanungen. Unter anderem war er an der Verbauung der Draschegründe in Wien 23 und des Eisenstadtplatzes in Wien 10 beteiligt. Seit 1995 ist Othmar Augustin in Pension.

Robert Steinhardt - Robert Steinhardt (geb. 1923 in Wien) studierte von 1945 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst in verschiedenen Architekturbüros und machte sich 1955 als Architekt selbstständig. Robert Steinhardt errichtete vor allem Wohnbauten, wie etwa die für die Gemeinde Wien in einer Arbeitsgemeinschaft realisierte Anlage Ödenburger Straße 73-85 in Wien 21 (1961/62). Robert Steinhardt ist seit 1993 im Ruhestand.

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