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Otto-Probst-Straße 3 - Block A-J

Fakten

Otto-Probst-Straße 3 - Block A-J

Otto-Probst-Straße 3 - Block A-J, 1100 Wien

Baujahr: 1984-1987

Wohnungen: 0

Weitere Adressen

Baron-Karl-Gasse 3, 1100 Wien

Baron-Karl-Gasse 4-16, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bildeten ein neuer Stadtentwicklungsplan und ein Stadterneuerungsfonds die Grundlage für eine sanfte Stadterneuerung Wiens. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten. So konnten die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, saniert werden. Darüber hinaus fanden für Neubauten Wettbewerbe statt, um möglichst viele neue Ideen in die Architektur einzubringen.

Geschichte

Die Geschichte des Wienerberges ist von der langen Tradition der Ziegelproduktion geprägt. Um 1820 wurde die Ziegelfabrik am Wienerberg zur größten Europas. Die Ziegelarbeiter hausten in Massenquartieren und einfachen Baracken, die im Umfeld der Fabrik entstanden. Erst in den 1960er-Jahren wurde der Lehmabbau unrentabel, und die Ziegelwerke wurden stillgelegt. Für die Neugestaltung des Areals wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Das Konzept für die Siedlung entlang der Otto-Probst-Straße ging aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervor, der 1980 von Otto Häuselmayer gewonnen wurde. Die insgesamt 2.000 Wohnungen wurden 1984 und 1996 in drei Etappen realisiert. Als Auftraggeber fungierten sowohl öffentliche als auch private Bauträger. Trotz der Hinwendung zur Urbanisierung wurde auf eine möglichst geringe Wohndichte und die unmittelbare Integration naturnaher Freiräume Wert gelegt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage gliedert sich in insgesamt acht Einheiten, die von verschiedenen Architekten bzw. Architektenteams geplant wurden. Auf dem Grundstück fallen verschiedene Verbauungstypen auf: Es finden sich Hof- und Zeilenbauten ebenso wie Punkbauten und Blockrandverbauungen.
Eine Blockrandverbauung schmiegt sich direkt an die Grundstücksgrenze zur Otto-Probst-Straße beziehungsweise entlang der Baron-Karl-Gasse, die einen Teil des Baugrundes umläuft. An einer Stelle bildet dieser Block darüber hinaus einen Vorplatz zur Otto-Probst-Straße aus. Das Erdgeschoß wird in diesem Bereich als Geschäftszone genutzt und ist in einem offenen Arkadengang aufgelöst. Der zentrale Teil des Blockes ist monumental gestuft und leicht konvex geschwungen. Die repräsentative Platzgestaltung wird durch die in die Ecken eingestellten Pavillons, runde Fenster und großzügig verglaste Achsen bereichert.
Hinter dem Block liegt ein einzelner, zwei Stiegen umfassender Zeilenbau. Er fällt vor allem durch seine mehrmals schräg eingeschnittene, wie in Falten gelegte Südfront auf, aus der runde Balkone vorragen. Vom gleichen Architektenteam (Gantar und Waclawek) stammt auch der bemerkenswerte Rundbau nebenan, der ein Kindertagesheim beherbergt.
Im Zentrum der weitläufigen Anlage finden sich zwei Paar parallel zueinander ausgerichtete Zeilenbauten. Die Baumassen des östlich liegenden Paares werden durch T-förmige Einschnitte und Loggien modelliert. Die beiden Bauten des anderen Blockpaares sind in zwei- bzw. dreigeschoßige Abschnitte gegliedert, die sowohl in ihrer Farbgebung als auch in ihren Fenster- und Giebelformen unterschiedlich gestaltet sind, wodurch die Struktur einer gewachsenen Zeilenverbauung imitiert wird.
In diesem Bereich des Geländes finden sich weiters zwei kompakte Punkbauten, die vor allem durch die markant geschwungenen Giebel auffallen, mit denen sie eher Assoziationen zu Stadtvillen als zu Gemeindewohnbauten wecken.
Im hinteren Bereich des Areals befinden sich drei U-förmige Bauten, deren Höfe jeweils in Richtung Zentrum der Wohnhausanlage ausgerichtet sind. Hier wurde in der Gestaltung auf konventionelle Architekturformen wie Loggia und Spitzerker sowie auf schlichte weiße Schachtelbauten und Terrassenhäuser gesetzt.

... und die Kunst

Am Platz an der Otto-Probst-Straße steht eine Metallskulptur des Künstlers German Pizzinini (1988). Umgeben ist sie von drei Findlingen mit Metallelementen.

Der Name

Benannt ist der quer durch die Siedlung verlaufende Straßenzug nach dem Politiker Otto Probst (1911-1978). Der Sozialdemokrat begann seine Karriere in der Jugendschutzstelle der Arbeiterkammer in Wien. Unter dem NS-Regime war er zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert und kam 1943 in eine Strafkompanie der Wehrmacht an die Ostfront. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Probst Zentralsekretär der SPÖ. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft und von 1970 bis 1974 Obmann der SPÖ Wien. Der langjährige Nationalratsabgeordnete verstarb 1978 in seinem Arbeitszimmer im Parlament.

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