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Ökohaus

Fakten

Ökohaus

Kegelgasse 36-38, 1030 Wien

Baujahr: 1983-1985

Wohnungen: 50

Architekt: Josef Krawina, Friedensreich Hundertwasser, Peter Pelikan

Weitere Adressen

Löwengasse 41-43, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Bereits ab dem 13. Jahrhundert ist im Bereich der Löwengasse eine Besiedelung durch Gärtner nachgewiesen. Im 16. Jahrhundert siedelten sich hier auch die aufgrund der Geruchsbelästigung aus der Stadt verwiesenen Lederer und Weißgerber an. In der Folge wurde diese zur Vorstadt heranwachsende Gemeinschaft als "Unter den Weißgerbern" bezeichnet. Um 1820 führte die Kegelgasse, damals noch Blumengasse genannt, größtenteils unverbaut nur von der Seidlgasse bis zur Löwengasse. Erst nach 1900 erfolgte mit dem Durchbruch zur Lände und zur Unteren Viaduktgasse eine geschlossene Verbauung. Der Häuserblock zwischen Hetzgasse und Kegelgasse trug den Flurnamen "An der Gänseweide". Hier befand sich seit dem frühen 15. Jahrhundert am Ende der Kegelgasse eine Hinrichtungsstelle, wo bis ins 19. Jahrhundert Todesurteile - vor allem durch Verbrennung - vollstreckt wurden.

Die Architektur

Das an der Ecke Kegelgasse/Löwengasse liegende Haus fällt vor allem durch seine bunte Farbgestaltung und die üppige Begrünung aus der Reihe der geschlossenen Straßenverbauung. Das Wohnhaus besteht eigentlich aus zwei Wohnblöcken, einem Block an der Kegelgasse und einem an der Löwengasse. Verbunden sind die beiden Bauteile durch die entlang der Kegelgasse abgestuften Terrassen. Die Fassaden sind mit einem Raster bunter Flächen überzogen, die wie übereinander lagernde Schachteln wirken. Jedoch wird hier der geraden Linie eine Absage erteilt, es dominiert die Unregelmäßigkeit, die alles in Bewegung hält. Selbst die unterschiedlichen Variationen von Fenstern scheinen in der Fassade zu schwimmen. An der Kegelgasse springen Balkone, Erker und schräg zu den Terrassen führende Verbindungsgänge aus den Wänden vor. An der Löwengasse überwiegen hingegen Loggieneinschnitte, die zum Teil über drei Geschoße reichen. Markant hebt sich das verglaste Stiegenhaus von der Fassade ab, das die Anlage, ebenso wie das hofseitig liegende Stiegenhaus, das mit Zwiebeltürmchen bekrönt wird, überragt. Das Haus ist außerdem mit verschiedenen Plastiken wie Kugeln, Löwen (Richtung Löwengasse) und Kegeln (an der Kegelgasse) besetzt. Die abgewandelten Säulen werden durch zum Teil extreme Schrägstellungen ihrer tragenden Funktion enthoben und dienen nur noch der Dekoration. Die Rekonstruktion eines historischen Fassadenteils an der Kegelgasse veranschaulicht den Kontrast zwischen der konventionellen Architektursprache und den phantastischen organischen Formen, mit denen Hundertwasser die Architektur möglichst naturnah gestalten möchte und ein harmonisches Nebeneinander von Mensch und Natur proklamiert. Gehsteigüberbauungen, die über eine Freitreppe zugängliche Terrasse, der gewölbte Durchgang zum Innenhof und die Platzgestaltung mit Brunnen und gepflasterten Hügeln schaffen ein belebtes Ambiente um das Wohnhaus herum, erlauben aber zugleich ein Ineinandergreifen von öffentlichem und privatem Raum.

Der Name

Das als "Ökohaus" bezeichnete Wohnprojekt ist als natur- und menschengerechtes Haus konzipiert. Mit seinem ökologischen Engagement forderte Hundertwasser eine Architektur in Harmonie mit der Natur. Er setzte sich für die Erhaltung des natürlichen Lebensraumes des Menschen ein und versuchte zugleich, seine Architektur mit einfachsten Mitteln möglichst naturnah zu gestalten. Dazu gehören die unebenen Böden ebenso wie die rund 250 Bäume und Sträucher, die das Haus in eine parkartige Hülle versetzen. Das Konzept des Ökohauses beinhaltet aber auch das energiesparende Bauen und Wohnen mit biologisch gesunden Materialien und Folgeeinrichtungen wie Hallenbad, Sauna und Bioladen, mit denen die Gesundheit der Bewohner gefördert werden soll.

Architekten

Josef Krawina - Josef Krawina (geb. 1928) schloss 1955 sein Studium an der Technischen Universität Wien ab. Fünf Jahre später gründete er sein eigenes Atelier in Wien, 1983-1996 hatte er den Lehrstuhl für Entwerfen, Baukonstruktion und Baupraxis an der Technischen Universität Berlin inne. Er gestaltete das Karl-Renner-Denkmal an der Wiener Ringstraße (Porträtkopf von Alfred Hrdlicka) und zeichnet für die Architektur des berühmten Hundertwasserhauses (Wien 3) verantwortlich. Für das Wohnbauprogramm der Stadt Wien entwarf er gemeinsam mit Günther Oberhofer eine Anlage in der Haberlgasse 86 (1973-75, Wien 16).

Friedensreich Hundertwasser - Der Künstler Friedensreich Hundertwasser (eigentlich Friedrich Stowasser, 1928-2000) studierte 1948 nur drei Monate an der Akademie der bildenden Künste Wien. Es folgten zahlreiche Reisen, auf denen er sich autodidaktisch als Maler weiterentwickelte. Der internationale Durchbruch gelang Hundertwasser 1962 auf der Biennale in Venedig. Als vielseitiger Künstler gestaltete er auch zahlreiche Briefmarken und mehrere Bücher, wie etwa die Bibel und die 1994 neu erschienene Ausgabe des deutsch-lateinischen Wörterbuchs "Der kleine Stowasser". Seine architektonischen Gestaltungen sind von seiner Forderung nach einem möglichst naturnahen Lebensraum geprägt. Zu seinen weltweit realisierten Projekten zählen unter anderem die Müllverbrennungsanlage Spittelau in Wien 9 (1988-1997), das Thermendorf Blumau (1993-1997) und das Martin-Luther-Gymnasium in der Lutherstadt Wittenberg (1997-1999). 1981 bis 1997 war Hundertwasser Leiter einer Meisterklasse für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Peter Pelikan - Peter Pelikan (geb. 1941) studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Im Anschluss war er zunächst für das Wiener Stadtbauamt tätig (MA 19), für das er auch die Wohnhausanlage Wallgasse 13 in Wien 6 (1986-1988) entwarf. 1989 machte er sich als Architekt selbständig. Der Hauptaufgabenbereich seines Büros lag in der weltweiten Realisierung der von Friedensreich Hundertwasser entworfenen Bauwerke, wie etwa das Hundertwasser-Haus in Wien 3 (1983-1986) oder das Thermendorf Blumau in der Steiermark (1990-1997). Auch das von Arik Brauer gestaltete Wohnhaus Gumpendorfer Straße 134-138 in Wien 6 (1991-1994) wurde von Peter Pelikan ausgeführt.

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