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Otto-Probst-Straße 22-24

Fakten

Otto-Probst-Straße 22-24

Otto-Probst-Straße 22-24, 1100 Wien

Baujahr: 1990-1992

Wohnungen: 123

Architekt: Otto Häuselmayer

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben Sanierungsarbeiten auf die Stadterweiterung (21.000 Wohnungen in vier Jahren). Gemeinsam mit der Stadtplanung werden großflächig Siedlungsgebiete im Nordosten und Süden Wiens erschlossen. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den heutigen Bevölkerungsstrukturen an und sparen durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Die Geschichte des Wienerberges ist von der langen Tradition der Ziegelproduktion geprägt. Um 1820 wurde die Ziegelfabrik am Wienerberg zur größten Europas. Die Ziegelarbeiter hausten in Massenquartieren und einfachen Baracken, die im Umfeld der Fabrik entstanden. Erst in den 1960er-Jahren wurde der Lehmabbau unrentabel, und die Ziegelwerke wurden stillgelegt. Für die Neugestaltung des Areals wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Das Konzept für die Siedlung entlang der Otto-Probst-Straße ging aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervor, der 1980 von Otto Häuselmayer gewonnen wurde. Die insgesamt 2.000 Wohnungen wurden 1984 und 1996 in drei Etappen realisiert. Als Auftraggeber fungierten sowohl öffentliche als auch private Bauträger. Trotz der Hinwendung zur Urbanisierung wurde auf eine möglichst geringe Wohndichte und die unmittelbare Integration naturnaher Freiräume Wert gelegt.

Die Architektur

Die U-förmige Hofanlage umfasst drei bzw. vier Hauptgeschoße. Im zurückversetzten Erdgeschoß an der Otto-Probst-Straße befinden sich hinter der großzügig verglasten Fassade Geschäfte, in den ersten beiden Obergeschoßen Büroräumlichkeiten. Die Front des obersten Geschoßes erscheint dagegen äußerst geschlossen und wird durch tief eingeschnittene Loggien und kleine Fensteröffnungen strukturiert. Auch die langen Fronten zum Sedlacekweg und zur August Sigl-Straße hin sind betont reduziert gestaltet. Sie werden vor allem durch Loggieneinschnitte und französische Fenster rhythmisch gegliedert.
Im Gegensatz zum dreigeschoßigen Bauteil am Sedlacekweg umfasst der Bauteil an der August-Sigl-Straße vier Hauptgeschoße. Das oberste Stockwerk wird hier durch ein dezentes Gesimsband abgesetzt und weist vorwiegend kleine Fensteröffnungen auf. Zum Innenhof hin sind dem Bau kammartig insgesamt fünf kleinere terrassenartig gestufte Wohnblöcke angefügt. Die Hoffront des gegenüberliegenden Baukörpers ist großzügig mit vorgezogenen Loggien ausgestattet. Die Erdgeschoßwohnungen verfügen darüber hinaus über Privatgärten. Die schmale Hoffront des Straßentraktes zeichnet sich durch die durchgehende Verglasung der drei Obergeschoße aus.

Der Name

Benannt ist der quer durch die Siedlung verlaufende Straßenzug nach dem Politiker Otto Probst (1911-1978). Der Sozialdemokrat begann seine Karriere in der Jugendschutzstelle der Arbeiterkammer in Wien. Unter dem NS-Regime war er zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert und kam 1943 in eine Strafkompanie der Wehrmacht an die Ostfront. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Probst Zentralsekretär der SPÖ. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft und von 1970 bis 1974 Obmann der SPÖ Wien. Der langjährige Nationalratsabgeordnete verstarb 1978 in seinem Arbeitszimmer im Parlament.

Architekten

Otto Häuselmayer - Otto Häuselmayer (geb. 1943) schloss 1969 sein Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Wien ab. Er besuchte zudem zwei Jahre lang die Salzburger Sommerakademie bei Prof. Jacob B. Bakema. Von 1969 bis 1977 war Otto Häuselmayer Mitarbeiter im Büro von Wilhelm Holzbauer. Danach begann er als freischaffender Architekt zu arbeiten und war bis 1986 auch als Universitätsassistent bei Prof. Hans Puchhammer an der Technischen Universität Wien tätig. Otto Häuselmayer beteiligte sich an einigen städtebaulichen Wettbewerben - Neugestaltung des Karmelitermarktes und des Naschmarktes - und gewann 1978 die Ausschreibung für das Wienerberggelände im Süden von Wien. Das große Projekt zur Stadterweiterung wurde dann unter seiner Leitung mit mehreren anderen Architekten verwirklicht.

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