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Lynkeusgasse 29-31

Fakten

Lynkeusgasse 29-31

Lynkeusgasse 29-31, 1130 Wien

Baujahr: 1929-1929

Wohnungen: 13

Architekt: Viktor Reiter

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich an der Lynkeusgasse, der Hauptachse der Siedlung Hermeswiese. Errichtet wurde die Siedlung 1923/24 nach Plänen von Karl Ehn. Sie war eine der ersten Gemeindesiedlungen im Geiste der "Gartenstadtbewegung". Die den Reihenhäusern angeschlossenen Gärten sollten, für Gemüseanbau und Kleintierhaltung genutzt, einen gewissen Grad an Selbstversorgung ermöglichen. Ab 1928/29 wurde die Siedlung in mehreren Etappen erweitert. In dieser Phase entstand auf einem noch freien Grundstück im Zentrum der Siedlung das Wohnhaus Lynkeusgasse 29-31.

Die Architektur

Die kleine, zweigeschoßige Wohnhausanlage befindet sich im Zentrum der Siedlung Hermeswiese. In ihrem Konzept als städtisches Wohnhaus unterscheidet sie sich zwar deutlich von den benachbarten Reihenhäusern, ist aber durch ihre zurückhaltende Modellierung harmonisch in ihre Umgebung eingefügt. Zwei niedrige Torbauten und die ebenerdigen Seitenrisalite binden das Wohnhaus unauffällig an die geschlossene, kleinteilige Straßenverbauung an. Deutlich dahinter zurückversetzt, ragt das Obergeschoß hoch. Durch die sich turmartig abhebenden Stiegenhäuser wird der Eindruck der Massivität zur Mitte hin gesteigert. Der zweigeschoßige Mittelteil liegt gegenüber den Stiegenhäusern etwas zurück, was eine Erweiterung des begrünten Vorplatzes zur Folge hat. Die Architektur ist durchwegs schlicht gehalten, nur Klinkerelemente setzen zierende Akzente und weichen die Härte der glatten Fassadenflächen etwas auf. Auch an der Rückfront dominiert die glatte Putzfassade, die sich hier allerdings beidseitig zur Mitte hin wellenartig vorwölbt; eine für den Architekten typische Modellierung. Die äußeren Achsen der Rückfront werden durch Loggien bzw. Terrassen aufgebrochen.

Der Name

Seit 1924 ist die Gasse nach dem Sozialphilosophen Josef Popper-Lynkeus (1838-1921) benannt. Bedeutung erlangte er vor allem mit seiner 1912 erschienen Schrift "Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage", worin er die Sicherung des Existenzminimums durch die öffentliche Ausgabe von Naturalien forderte. Von 1938 bis 1947 war die Gasse nach dem Germanisten und Volkskundler Theodor Vernaleken benannt.

Sanierung

von 1993 bis 1997

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1997 eine Sockelsanierung durchgeführt. Die Arbeiten umfassten u.a. die Erneuerung des Daches sowie der Fenster und Türen. Die Kosten beliefen sich auf 397.884 Euro, davon konnten 336.595 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Viktor Reiter - Viktor Reiter (1894-1973) studierte bei Leopold Bauer und Franz Krauß an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er vor allem in den 1930er-Jahren mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa die Anlagen Rosenhügelstraße 35a in Wien 12 (1930/31), Biraghigasse 38-42 in Wien 13 (1932/33) und Speisinger Straße 84-98 in Wien 13 (1929/30).

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