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Siedlung Hermeswiese

Fakten

Siedlung Hermeswiese

Hochmaisgasse 33-55, 1130 Wien

Baujahr: 1923-1924

Wohnungen: 95

Architekt: Karl Ehn

Weitere Adressen

Königgasse 1-13, 1130 Wien

Lynkeusgasse 3-75, 1130 Wien

Lynkeusgasse 4-84, 1130 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die als Gartenstadt konzipierte Siedlung Hermeswiese ist in Zusammenarbeit der Gemeinde Wien mit der Genossenschaft "Altmannsdorf-Hetzendorf" entstanden. Errichtet wurde sie, nach Plänen von Karl Ehn, von der Wiener Baugesellschaft Mühlbauer und den Siedlern selbst, die mindestens 1.000 unbezahlte, freiwillige Arbeitsstunden einbringen mussten. Die Häuser waren vorerst nur für Mitarbeiter der städtischen Elektrizitätswerke gedacht, wurden später aber auch an andere Bewerber vergeben. Die Ausstattung der Wohneinheiten mit Stallungen und Gartengrundstücken sollte einen gewissen Grad an Selbstversorgung ermöglichen. Etwa in der Mitte der Lynkeusgasse war ursprünglicher ein zentraler Platz geplant, hier wurde 1929 ein von Viktor Reiter geplantes Wohnhaus errichtet. Weitere Siedlungsprojekte der 1920er-Jahre sind direkt an die Anlage Hermeswiese angeschlossen.

Die Architektur

Die Siedlung Hermeswiese besteht aus Zeilenverbänden zweigeschoßiger Reihenhäuser entlang der Hochmaisgasse, der Lynkeusgasse und der Königgasse. Wahrzeichen der Anlage ist der Uhrturm über der torähnlichen Durchfahrt, die von an der Hochmaisgasse in die beidseitig verbaute Lynkeusgasse - dem Rückgrat der Siedlung - führt. Die Häuser wurden mit einer Gesamtnutzfläche von 64 bis 79 Quadratmetern und einem dazugehörigen Gartenstück von 200 bis 300 Quadratmetern konzipiert. Im Erdgeschoß waren jeweils ein kleiner Vorraum, eine Wohnstube mit Spüle (zum Waschen) und eine Wohnküche untergebracht. Die Schlafräume befanden sich im ersten Stock. Die ebenerdigen Anbauten waren zur Nutztierhaltung gedacht, wurden später aber zu Wohnräumen ausgebaut. Um der Eintönigkeit an der langen, geraden Lynkeusgasse zu entgehen, wurden die Häuser und ihre Anbauten zu einander versetzt angeordnet, wodurch sich platzartige Erweiterungen ergeben. Zudem unterbrechen schmale Verbindungswege zur Hermesstraße und zu den benachbarten Siedlungen die Häuserzeilen. Unterschiedliche Gestaltungen der Eingänge durch bogenförmige- und dreieckige Blendfelder und verschiedene Dachformen variieren die Häuser untereinander. Für eine lebendige Gliederung der Straßenfronten sorgen auch die Sprünge in der Höhenlinie. Betonpergolen, Eckbetonungen durch Erkerfenster und schmale Risalite schaffen markante Punkte im idyllischen Siedlungsbild. Die gleich gestalteten Türrahmungen aus Backsteinen und die heute nur noch zum Teil erhaltenen, weißen Fenstersprossen sowie die durchgehende Einfriedung der Vorgärten lassen trotzdem eine Einheit erkennen.

Der Name

Benannt ist die Hermeswiese, ebenso wie die angrenzende Hermesstraße, nach der im Lainzer Tiergarten errichteten Hermesvilla (1882-1886). Diese wiederum erhielt ihren Namen nach der im Garten der Villa aufgestellten Hermes-Statue, die im Auftrag der Kaiserin Elisabeth vom Berliner Bildhauer Ernst Herter geschaffen wurde.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

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