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Somogyi-Hof

Fakten

Somogyi-Hof

Hütteldorfer Straße 150-158, 1140 Wien

Baujahr: 1927-1929

Wohnungen: 340

Architekt: Hermann Aichinger, Heinrich Schmid

Weitere Adressen

Heinrich-Collin-Straße 13-15, 1140 Wien

Mitisgasse 29, 1140 Wien

Moßbachergasse 22-24, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Béla-Somogyi-Hof wurde auf dem ehemaligen Gelände der aufgelassenen Maschinenfabrik "Lehmann & Leyrer" zwischen Hütteldorfer Straße und Heinrich-Collin-Straße errichtet und liegt in unmittelbarer Nähe des Hanusch-Krankenhauses, das wie die Wohnanlage von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger erbaut wurde. Die Anlage entstand ab 1927 in mehreren Bauabschnitten bis 1929. Zur Versorgung der Bewohner wurden neben zahlreichen Geschäften und einer Waschküche auch eine Werkstatt, ein Kindergarten und ein Jugendheim eingeplant. Viele dieser Einrichtungen existieren noch heute. Eine Gedenktafel erinnert an Béla Somogyi, den Namensgeber der Anlage. Im Jahr 1932 trafen sich hier die Anhänger des ungarischen Schriftstellers und Sozialdemokraten zu ihrer jährlichen Gedenkfeier.

Die Architektur

Die Anlage schließt im Osten an die bestehende Gründerzeitbebauung an und erstreckt sich auf ansteigendem Gelände nach Norden und Westen. Die Wohntrakte sind in Randbebauung errichtet oder von der Grundstücksgrenze zurückversetzt gestaffelt angeordnet. Im Süden an der Hütteldorfer Straße setzt ein mächtiger sechsgeschoßiger Wohnturm mit Laubengang einen markanten Akzent. An ihn schließt ein niedriger, längsgestreckter Baukörper an, dessen fensterloses, klinkerverkleidetes Obergeschoß der Anlage zur Straße hin ein unverwechselbares Aussehen verleiht. Der westliche Trakt an der Moßbachergasse folgt mit seiner geschwungenen Fassade dem bogenförmigen Straßenverlauf. Daran anschließend erstreckt sich im Nordwesten der flache Bauteil des ehemaligen Jugendheims. Die Front an der Heinrich-Collin-Straße passt sich mit ihren vorgelagerten Grünflächen der lockeren Verbauung des gegenüberliegenden Krankenhauses an.

Der große, unregelmäßige Hof ist als Garten gestaltet. Das ansteigende Gelände ist terrassenförmig angelegt und wird durch Treppen überbrückt. Im Norden ragen zwei Wohnblöcke in den Gartenhof, sodass sich drei kleinere Hofbereiche ergeben. Der mittlere Hof ist zur Heinrich-Collin-Straße durch einen Trakt mit Durchgängen begrenzt, in dessen Vorbau ein Kindergarten untergebracht ist. Durchlaufende Gesimse und Fensterbänder verleihen den Fassaden der Wohnblöcke ein einheitliches Äußeres und lassen eine harmonische architektonische Komposition entstehen.

... und die Kunst

Einzelne, kunstvoll mit Klinkersteinen gestaltete Fassadenflächen wie z.B. die mit Rauten verzierte Wand des niedrigen Bauteils an der Hütteldorfer Straße setzen markante Akzente. Die reiche Verwendung von Klinkerdekor findet sich auch an den Fenstern und Eingangsbereichen wieder. Das Rautenmotiv wird bei den Hofgittern erneut aufgegriffen. Details wie die Stiegenhausnummern, Beleuchtungskörper und Hofmöblierung lassen einen ruhigen und geschlossenen Gesamteindruck entstehen.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde nach dem ungarischen Schriftsteller Béla Somogyi (1868-1920) benannt. Der bekennende Sozialdemokrat engagierte sich vor allem in sozialpolitischen Fragen. Am 17. Februar 1920 wurde Somogyi von Angehörigen der ungarischen Faschisten in Budapest ermordet.

Prominente Bewohner

Von 1938 bis 1963 wohnte die Fußballlegende Franz "Bimbo" Binder (1911-1989) im Béla-Somogyi-Hof. Mit seinem Stammclub Rapid Wien wurde der Stürmer in den 1930er- und 1940er-Jahren mehrfach österreichischer Meister und war dreimal Torschützenkönig. Später wurde er Trainer bekannter Clubs wie dem PSV Eindhoven, dem 1. FC Nürnberg, 1860 München und Rapid Wien. Insgesamt schoss er 1.006 Tore in 756 Spielen.

Sanierung

von 1995 bis 1998

Im Somogyihof wurde in den Jahren 1995 bis 1998 eine Sockelsanierung durchgeführt. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 10.722.500 Euro, davon konnten 8.502.959 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Aichinger - Hermann Aichinger (1885-1962) studierte - ebenso wie sein späterer Arbeitskollege Heinrich Schmid - an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Das 1912 gegründete Architekturbüro Schmid & Aichinger war das meistbeschäftigte des Wohnbauprogramms des "Roten Wien". Auch in den späten 1930er- und in den 1940er-Jahren erhielt das Büro noch prestigeträchtige Aufträge. In dieser Zeit entstanden unter anderem das Wohn- und Geschäftshaus "Bärenmühle" (Wien 4, Operngasse 18-20) und das RAVAG-Gebäude (Wien 4, Argentinierstraße 30a; gemeinsam mit Clemens Holzmeister).

Heinrich Schmid - Heinrich Schmid (1885-1949) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. 1912 eröffnete er mit seinem Studienkollegen Hermann Aichinger ein gemeinsames Atelier in Wien, das bald zu einem der führenden Architekturbüros der Zwischenkriegszeit wurde. Neben zahlreichen Wohnhausanlagen wie etwa dem Rabenhof (Wien 3) und dem Julius-Popp-Hof (Wien 5) wurden auch das Hanusch-Krankenhaus (Wien 14, Heinrich-Collin-Straße 30) und das Österreichische Verkehrsbüro (Wien 1, Friedrichstraße 7) nach ihren Entwürfen errichtet.

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