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Pfarrgasse 34-44

Fakten

Pfarrgasse 34-44

Pfarrgasse 34-44, 1230 Wien

Baujahr: 1986-1988

Wohnungen: 457

Architekt: Reinhard Gieselmann, Wilhelm Kleyhons, Albert Wimmer, Peter H. Ortner, Frank Mayr, Dieter Schön, Walter Lagler, Sepp Frank

Weitere Adressen

Seligmanngasse 25-35, 1230 Wien

Traviatagasse 18-20, 1230 Wien

Anton-Ochsenhofer-Gasse 1-3, 1230 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich auf einem Areal, das als "Draschegründe" bezeichnet wird, benannt nach dem "Ziegelbaron" Heinrich Drasche, einem Großindustriellen, der in Inzersdorf im 19. Jahrhundert die Grundherrschaft innehatte. Die Draschegründe erstrecken sich im Süden von Inzersdorf zwischen der Südautobahn und der Laxenburger Straße. Dies ist nicht nur ein Industriegebiet, sondern auch ein Stadterweiterungsgebiet für Wohnbau. Die links und rechts vom zentral gelegenen Inzersdorfer Friedhof errichtete, ältere Einfamilienhausverbauung wurde seit den 1980er-Jahren um einige neue Siedlungen ergänzt. Die "Draschegründe", die "Traviatagasse", die "Verdi-Siedlung" und die "Othellogasse" sind große Gemeindebaukomplexe, deren Bauabschnitte sich hier aneinanderreihen.
Für die Großanlage an der Pfarrgasse wurde 1983 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den die oben genannte Architektengruppe gewann. Das Projekt von Frank Mayr und Peter H. Ortner wurde als Leitprojekt zu Grunde gelegt. Jeder der Preisträger sollte innerhalb der mäandernden Struktur einzelne Abschnitte planen, welche die individuelle Handschrift der einzelnen Architekten zeigen.

Die Architektur

Die riesige Anlage umfasst insgesamt 25 Stiegen. Im Norden wird sie von der Anton-Ochsenhofer-Gasse, im Osten von der Pfarrgasse, im Süden von der Traviatagasse und im Westen von der Seligmanngasse begrenzt. Sie besteht aus acht Wohnblöcken mit jeweils drei Geschoßen und teilweise ausgebautem Dachgeschoß. Die U-förmigen Blöcke bilden zu einem in der Mitte liegenden Gemeinschaftsgrün in der Längsachse der Anlage tiefe Höfe mit symmetrischen Wegmustern aus. Das ermöglicht einen großzügigen, geschützten Freizeitraum, der mit verschiedenen kleinen Pavillons und Plätzen abwechslungsreich gestaltet ist. Besonderer Wert wurde auf Kinderfreundlichkeit gelegt: Es gibt in der Anlage acht Kleinkinderspielplätze in den Einzelhöfen, sechs Gerätespielplätze und einen Ballspielplatz.

In der Mitte der Siedlung öffnet sich als Querachse eine forumartige Platzanlage mit Pavillon zur Pfarrgasse. Die Hofecken des großen, U-förmigen Gebäudes sind an der Seligmanngasse zum Forumsplatz hin abgerundet. Hier befindet sich auch die Haupteinfahrt zu einer der drei Tiefgaragen, die unter dem Grünbereich liegen. Erschlossen wird die Anlage von den umgebenden Straßen und Gassen aus, über Durchgänge in den Wohnhausanlagen sowie über Wohnwege von den Höfen aus. Die Stiegeneingänge sind sowohl straßen- als auch hofseitig untergebracht.

Das repräsentative, dreiteilige Hauptportal mit schlanken Rundpfeilern und kräftigen Vierkantpfeilern ist an der Anton-Ochsenhofer-Gasse situiert. Die Fassadengestaltung der einzelnen Wohnblöcke präsentiert sich aufgrund der vielen Architekten entsprechend vielfältig und unterschiedlich - sie alle nutzen jedoch eine postmoderne Formensprache: polygonale Erker mit übers Eck geführten Fenstern oder Spitzerkern, polygonale Ecktürme mit Eckaussparungen und Mauerrücksprüngen oder kubische Abstufungen. Ebenso gibt es Eckloggien mit schlanken Eckpfeilern, horizontal abgeschnittene Risalite mit dahinter liegenden Doppelgiebelmotiven sowie Stiegenhausrisalite mit halbrundem Abschluss, die die Dachlinie durchbrechen. Runde Ecktürme und tiefe Rücksprünge spielen auf den Festungscharakter der frühen Gemeindebauten an. Dazwischen sind französische Fenster, aber auch runde Bullaugenfenster oder Diagonalfenster eingesetzt. Balkon- und Loggienmotive variieren ebenfalls: So finden sich hofseitige Balkone, die auf schlanken Stützen bis ins vierte Geschoß vor einem konkaven Mauerabschnitt hochgezogen werden, sowie Loggienachsen, die wie schmale Vorhäuser emporwachsen und mit eigenen Satteldächern nach oben hin abschließen. Auffällig sind auch die überdachten Eingänge mit tiefen Betonseitenwänden, die von großen, runden Öffnungen durchbrochen werden, ebenso wie ein Laubengang mit unregelmäßigen Säulenabständen sowie zwei darüber liegende, offene venezianische Fenster im dritten Geschoß. Die Dächer sind als asymmetrische Sattel-, Pult- oder Walmdächer ausgeführt.

Im Nordosten der Anlage bilden zweigeschoßige Bauten einen gelungenen Übergang zu den niedrigen Einfamilienhäusern in der Umgebung. Den Erdgeschoßwohnungen sind größtenteils private Mietergärten vorgelagert, die durch Zäune von den Wegen und vom Gemeinschaftsgrün getrennt sind. Jede Einheit wurde von einem anderen Architekten gestaltet und stilistisch an seine jeweils größeren, U-förmigen Einheiten angelehnt.

Der Name

Die Pfarrgasse ist seit 1947 nach der Inzersdorfer Pfarrkirche benannt, die zusammen mit dem spätsecessionistischen monumentalen Haupt- und Grundschulgebäude und der k.k. Inzersdorfer Konservenfabrik das Zentrum von Inzersdorf bildet.

Architekten

Reinhard Gieselmann - Reinhard Gieselmann (geb. 1925 in Münster/Westfalen) studierte Architektur zunächst an der Technischen Hochschule Danzig und von 1946 bis 1950 an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Seine Promotion erfolgte 1955 an der Technischen Hochschule Aachen. Bereits seit 1953 ist er als freiberuflicher Architekt unter anderem in Ludwigshafen/Rhein, in Karlsruhe und seit 1977 in Wien tätig. 1969 erhielt er eine Professur für Wohnbau und Entwerfen an der TH bzw. TU Wien, wo er bis 1992 lehrte. In dieser Zeit war er auch Vorsitzender des Wiener Fachbeirates für Stadtplanung. Das Stadtbild Wiens prägte er vor allem durch seine postmodernen Wohnbauensembles, wie etwa die BUWOG-Wohnhäuser in Wien 19 (Peter-Jordan-Straße 145, 1969-1973). Sein prominentestes Bauwerk ist aber das Bibliotheksgebäude der TU Wien am Karlsplatz (zusammen mit Justus Dahinden, 1984-1987).

Wilhelm Kleyhons - Wilhelm Kleyhons (geb. 1925) studierte von 1945 bis 1958 Architektur an der Technischen Hochschule Wien bei Erich Boltenstern. Seit 1960 führt er sein eigenes Büro in Wien, mit dem er vor allem im Bereich Wohnbau tätig ist. Wilhelm Kleyhons entwarf etwa mit Wilhelm Gehrke die Reihenhaussiedlung Rückaufgasse in Wien 19 (1960-1964) und in einer größeren Arbeitsgemeinschaft für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Pfarrgasse 34-44 in Wien 23 (1986-1988).

Albert Wimmer - Albert Wimmer (geb. 1947) studierte von 1965 bis 1971 Architektur an der Technischen Universität Wien. Als Stipendiat des BMUK studierte er zudem von 1974 bis 1977 an der Architectural Association in London, wo er auch in verschiedenen Planungsgruppen mitarbeitete. Mit seinem eigenen Architekturbüro ist er seit 1977 vor allem im Städtebau und Wohnbau tätig. Zu seinen zahlreichen realisierten Projekten gehört auch der 2007 fertig gestellte Bahnhof Praterstern in Wien 2. 2004 gewann Albert Wimmer mit seinem Atelier den Wettbewerb für den neuen Wiener Hauptbahnhof in Wien 10 (ab 2009). Zudem ist er Mitglied des Kuratoriums des Wiener Stadterneuerungs- und Bodenbereitstellungsfonds und Vorsitzender der Architekten im Wiener Künstlerhaus.

Peter H. Ortner - Peter H. Ortner (geb. 1950) studierte bis 1977 an der Technischen Universität Wien. Nach Auslandspraktika in Johannesburg/Südafrika machte er sich 1982 als Architekt in Wien selbständig und gründete 1991 das O&S Architekturbüro. Sein erster bedeutender Auftrag war die Realisierung der Vienna International School in Wien 22 (Straße der Menschenrechte, 1984). Es folgte die Planung zahlreicher weiterer Bildungseinrichtungen, wobei es sich hauptsächlich um Adaptierungen alter Schulgebäude handelte, wie etwa das BRG Gottschalkgasse in Wien 11 (1999/2000), das Kollegium Kalksburg in Wien 23 (1999-2001) oder das BRG Rosasgasse in Wien 12 (2001-2003).

Frank Mayr - Frank Mayr (geb. 1941) studierte von 1963 bis 1970 an der Technischen Hochschule Wien. Bereits ab 1969 arbeitete er im Atelier von Carl Auböck und von 1973 bis 1981 im Büro von Erich Sulke. Nach dem Erlangen der Architektenbefugnis ging Frank Mayr 1981 eine Partnerschaft mit Herbert Bohrn und Gerhard Schirnhofer ein. In dieser entstanden zusammen mit Peter Ortner unter anderem das GRG in Wien 23, Anton-Baumgartner-Straße 123 (1998) und die AHS Theodor-Kramer-Straße 3 in Wien 22 (1990). Zusammen mit Peter Ortner konnte Frank Mayr auch den ersten Bauteil der Wohnhausanlage Draschestraße in Wien 23 (1986-1988) realisieren.

Dieter Schön - Dieter Schön (1944-1990) studierte bis 1973 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er etwa an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Pfarrgasse 34-44 in Wien 23 (1986-1988) beteiligt.

Walter Lagler - Walter Lagler (1939-1995) studierte von 1961 bis 1968 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem entwarf er die Reihenhausanlage Viktor-Hagl-Gasse 19 in Wien 14 (1977-1980) und zusammen mit Rudolf Lamprecht die kommunale Wohnhausanlage Hebbelplatz 3 in Wien 10 (1982-1985).

Sepp Frank - Sepp Frank (geb. 1942) studierte ab 1960 an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1970 promovierte. Im Anschluss daran ging er mit Heinz Neumann eine Bürogemeinschaft ein, in der eine Reihe von Industriegroßprojekten entworfen wurde, wie etwa das Postzentrum Erdberger Lände 36 - 48 (Wien 3, 1980 - 1985). 2006 realisierte Frank mit seinem 1998 gegründeten Büro Architekten Frank & Partner den Gate Tech Tower (Donau-City-Straße, Wien 22). Besondere Verdienste erlangte er durch die Sanierung und Adaptierung historischer Bauten, darunter die Generalsanierungen des Oberen und Unteren Belvederes (Wien 3, 1991 - 1996) und der Dachausbau des Hotels Sacher (Wien 1, 2002 - 2005).

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