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Erlaaer Straße 11-15

Fakten

Erlaaer Straße 11-15

Erlaaer Straße 11-15, 1230 Wien

Baujahr: 1982-1984

Wohnungen: 26

Architekt: Hans Puchhammer, Gunther Wawrik

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Das Gebiet nahe dem Atzgersdorfer Platz am Zusammenlauf von Breitenfurter Straße, Brunner Straße und Erlaaer Straße gehört zu Atzgersdorf, das 1120/30 erstmals urkundlich erwähnt wird. Von der frühen Bedeutung des Orts zeugt der seit dem 14. Jahrhundert belegte Pfarrsprengel Atzgersdorf, dem die umliegenden Orte zugeordnet waren. Im 17. Jahrhundert gelangte die Grundherrschaft an das Jesuitenkonvikt Santa Barbara und nach Aufhebung des Ordens 1773 an Georg Adam Fürst Starhemberg, den Grundherrn von Erlaa. Atzgersdorf blieb bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Erlaa grundherrschaftlich verbunden, ab 1850 scheint es als freie Gemeinde auf. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts setzte auch hier beiderseits der Breitenfurter Straße langsam die Industrialisierung ein, vor allem durch Nutzung der Wasserkraft des Liesingbaches und Umwandlung von Mühlen in Fabriken. Die Liesing wird im Bereich der beiden nebeneinander liegenden Gemeindebauten an der Erlaaer Straße seit 1951 durch eine Regulierung unterirdisch durch das Areal geführt und tritt etwas östlich davon wieder zu Tage. Die Zufahrt zum Gemeindebau von der Breitenfurter Straße her (am Zusammenlauf von Brunner Straße und Breitenfurter Straße) und der querende Radweg im Grünbereich entlang der östlich wieder gebetteten Liesing heißt seit 1988 Riegermühle nach der Mühle, die ehemals hier am Bach positioniert war.

Die Architektur

Die beiden mit einem Umkehrflachdach gedeckten und mit drei Normgeschoßen und einem Kellergeschoß ausgestatteten Gebäude der Anlage schließen im Westen unmittelbar an Bauten einer älteren und größeren Gemeindebauanlage, den Alois-Glauer-Hof, an. Ein Gebäude liegt nur leicht zurückversetzt an der Erlaaer Straße, das andere Gebäude liegt von der Brunner Straße im Norden abgerückt etwas weiter hinten am Gelände.

Zwischen den beiden Gebäuden erstreckt sich hofseitig eine lange Grünanlage mit Ruhe- und Spielplätzen, die mit jener des Glauer-Hofs verschmilzt. Beim Gebäude an der Erlaaer Straße ist nahe der Anschlussstelle an den Glauer-Hof ein großer hochrechteckiger Durchgang mit einer darüberliegenden Fensterachse eingeschnitten.

Die Hauptfassaden der Gebäude werden durch Risalite in abwechselnder Anordnung gestaffelt, im Erdgeschoß befinden sich den Stiegen entsprechend jeweils Eingangstüren, die mit einer angeschlossenen Fensteröffnung um die Ecke führen. Über den Eingängen ist die Wand bis zum Dach geschlossen. Das Achsenschema - eine zweiflügelige französische Fensterachse wird von zwei einfachen Fensterachsen flankiert - wird mit kleineren Variationen über die gesamte Fassade weitergeführt.

Die Gebäuderückseiten zeigen stark kubisch ausgeführte, gestaffelte Risalite. Durch Loggien und Balkonbrüstungen in den Risalitrücksprüngen wird eine raffinierte Verzahnung zwischen den verschiedenen Wandebenen hergestellt. Der Keller ist als offener PKW-Stellplatz ausgeführt. In den Obergeschoßen treten an der Außenfassade zum Teil geöffnete Zugangsgalerien in Erscheinung.

Der Name

Die Erlaaer Straße führt seit 1955 diesen Namen und führt nach Alt Erlaa und Neu Erlaa. Erlaa, das 1114 als "Erila" urkundlich erwähnt wird, wurde 1938 dem XXV. Bezirk und 1954 dem XXIII. Bezirk eingemeindet.

Architekten

Hans Puchhammer - Hans Puchhammer (geb. 1931 in Wels, OÖ) studierte ab 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Bereits während des Studiums arbeitete er im Atelier von Roland Rainer mit. Von 1956 bis 1980 führte er eine Arbeitsgemeinschaft mit Gunther Wawrik. In dieser Zusammenarbeit konnten unter anderem das Bürohaus Grothusen in Wien 13, Erzbischofgasse 53 (1965-1967), und die Siedlung "Goldtruhe" in Brunn am Gebirge, Petzoldgasse (NÖ, 1965-1969), realisiert werden. Hans Puchhammers Leistungen liegen aber vor allem in seiner denkmalpflegerischen Arbeit. So erfolgte unter seiner Leitung etwa der Umbau samt Erweiterung des Landesmuseums Eisenstadt (Bgld., 1967-1976), die Renovierung des Antikenmuseums Carnuntinum (NÖ, 1988-1991) und die Generalsanierung des Wiener Konzerthauses (1997-1999). Neben seiner selbstständigen Tätigkeit als Architekt war Hans Puchhammer bis 1994 auch als Professor für Hochbau an der TU Wien.

Gunther Wawrik - Gunther Wawrik (geb. 1930 in Salzburg) studierte von 1949 bis 1956 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Bereits 1956 ging er eine bis 1980 bestehende Arbeitsgemeinschaft mit Hans Puchhammer ein. Nach 1980 realisierte Gunther Wawrik unter anderem die Erweiterung des Opernhauses in Graz samt Verwaltung, Probebühne und Kulissenhaus (1982-1984), die Neuaufstellung der Ägyptischen Sammlung im Kunsthistorischen Museum Wien (1994-1999) und den Bürokomplex Trias in Berlin-Mitte (1994-1996, mit Lucia Beringer). Von 1985 bis 1996 hatte er zudem eine Professur an der Fachhochschule München inne.

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