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Amstergasse 1

Fakten

Amstergasse 1

Amstergasse 1, 1230 Wien

Baujahr: 1977-1979

Wohnungen: 99

Architekt: Walter Schneider, Rudolf Weichinger

Weitere Adressen

Dirmhirngasse 14A, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die L-förmige Wohnhausanlage an der Amstergasse 1/Dirmhirngasse 14a in Wien-Atzgersdorf wurde in den Jahren 1977-79 nach Plänen der beiden Architekten Rudolf Weichinger und Walter Schneider errichtet. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Endresstraße, die 1877/78 als Fußgängerallee zum Bahnhof Atzgersdorf-Mauer angelegt wurde, und heute noch als gekrümmt verlaufende Verbindung von Atzgersdorf (Kirchenplatz) nach Mauer (Hauptplatz) führt. "Atzgersdorf", das 1850 als freie Gemeinde konstituiert wurde, entwickelte sich in der Folge vom landwirtschaftlich geprägten Dorf zur industriellen Gemeinde Wiens mit einer Reihe von Fabriken, wie der sogenannten "Auerstrumpf"-Fabrik, in der der Erfinder des Gasglühlichts (OSRAM), Carl Auer von Welsbach (1858-1929), ab 1892 produzierte. Damit einhergehend stieg die Bevölkerungszahl ebenso wie die Anzahl an Schulen, durch deren Dichte sich der Bezirk Liesing, in den Atzgersdorf 1938 eingemeindet wurde, auch heute noch auszeichnet.

Die Architektur

Die siebengeschoßigen Wohnhauszeilen wurden im Anschluss an eine bereits bestehende Wohnhausanlage der Stadt Wien entlang der Dirmhirngasse und über die Ecke in der Amstergasse als Randbebauung rund um einen zentralen Grünraum errichtet.

Die insgesamt sieben Stiegen mit innenliegenden Aufzugsschächten sind teilweise (nur in den übereck geführten Stiegen) über Laubengänge zu betreten und umfassen heute 99 Wohnungen.

Das Wohnhaus verfügt über Halbloggien in alle vier Himmelsrichtungen. Die Mehrzahl der Terrassen liegt nach dem Garten ausgerichtet; sie ergeben eine architektonische Gliederung der südlichen und westlichen Hoffassade und dominieren das Erscheinungsbild des Baus zum Garten hin. Im Gegensatz dazu ist die Straßenseite durch große, mehrteilige Fenster gegliedert. Das regelmäßige Erscheinungsbild der Fassade wird durch Vor- und Rücksprünge der Stiegen im Rhythmus von jeweils zwei Fensterachsen durchbrochen. Akzente setzen straßenseitig insbesondere die kreisförmigen und ovalen Reliefelemente der über das gesamte Erdgeschoß reichenden Sockelzone. Diese gestalterischen Fassadenelemente wiederholen sich auch an der Verkleidung der Halbloggien. Dadurch hebt sich der Bau optisch von den benachbarten Wohnhäusern der Jahre 1966-67 ab, bei denen auf eine künstlerische Ausstattung der Fassade verzichtet wurde.

Neben einer eingeschoßigen Tiefgarage mit Hochplateau und Abstellflächen für insgesamt 39 PKW an der Amstergasse verfügt die Anlage über zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen, eine gute Geschäftsinfrastruktur sowie eine gute Anbindung an das öffentliche Netz mit der nahe gelegenen Schnellbahnstation Wien-Atzgersdorf.

... und die Kunst

Die Anlage verfügt neben den sich regelmäßig wiederholenden kreisförmigen und ovalen Fassadenelementen über keine weitere "Kunst am Bau". Als künstlerische Ausgestaltung der Fassade können aber auch die gegeneinander versetzten, mehrteiligen Fenster gesehen werden, die dem Bau sein charakteristisches Erscheinungsbild verleihen.

Der Name

Die Amstergasse wurde im Jahr 1967 nach Samuel Amster (1867-1942) benannt. Der Kaufmann betrieb neben einem Möbelgeschäft auch einen Geldverleih und war als Wohltäter in Atzgersdorf und Liesing bekannt. Er und seine Frau Ettel wurden als Betroffene der Nürnberger ("Rassen"-)Gesetze 1942 von Wien nach Riga deportiert und dort ermordet.

Die ehemalige Schulgasse trägt seit 1954 den Namen Dirmhirngasse nach dem Schulrat und Gemeinderat von Liesing Arnold Dirmhirn (1882-1933), der sich insbesondere der Jugendfürsorge im Bezirk widmete.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Atzgersdorf gehört auch der Volksschauspieler Karl Skraup (1898-1958), der vor allem durch seine Rollen in Nestroy- und Raimundstücken große Beliebtheit erlangte. Zu seinen Ehren stiftet die BAWAG (Bank für Arbeit und Wirtschaft, heutige BAWAG PSK) seit 1968 den "Karl-Skraup-Preis" für herausragende Ensemblemitglieder. Karl Skraup wurde auf dem Atzgersdorfer Friedhof beigesetzt.

Sanierung

von 2003 bis 2004

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 2003 und 2004 Fenster und Türen erneuert.

Architekten

Walter Schneider - Walter Schneider, geb. am 14.1.1920 in Aigen im Ennstal, studierte 1947-1955 Architektur an der Technischen Hochschule in Wien. 1963-2004 führte er ein eigenes Architekturbüro. Neben vier Gemeindebauten errichtete er zahlreiche Industriebauten, Kindertagesheime und mit der MA 19 das Amtshaus in der Favoritenstraße. Mit dem deutschem Architekten Krawina war er in der Ausstellungsgestaltung tätig, zahlreiche Messegestaltungen in Wien wurden von den beiden verwirklicht.

Rudolf Weichinger - Rudolf Weichinger (geb. 1924) studierte von 1946 bis 1952 und 1953/54 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa die Wohnhausanlagen Ortliebgasse 1-3 in Wien 17 (1980-1982) und Amstergasse 1 in Wien 23 (1977-1979, mit Walter Schneider).

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