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Rudolf-Zeller-Gasse 71

Fakten

Rudolf-Zeller-Gasse 71

Rudolf-Zeller-Gasse 71, 1230 Wien

Baujahr: 1972-1975

Wohnungen: 147

Architekt: Ernst Plojhar, Friedrich Lang

Weitere Adressen

Lodrongasse 20, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die sieben Stiegen umfassende Wohnhausanlage an der Rudolf-Zeller-Gasse entstand in den Jahren 1972 - 1975 nach Plänen der Architekten Friedrich Lang und Ernst Plojhar an der Grenze von Atzgersdorf zu Mauer im 23. Wiener Gemeindebezirk. Beide Gemeinden entstanden schon früh als Gassengruppendorf bzw. Grabenangerdorf und wurden 1938 in den Bezirk Liesing eingemeindet. Das ursprünglich von Einfamilienhäusern und Villen geprägte Stadtbild wird heute zunehmend von Wohnhausanlagen und großzügig angelegten Parks, wie dem nahe gelegenen Fridtjof-Nansen-Park, geprägt.

Die Architektur

Der über insgesamt 147 Wohneinheiten verfügende sechsgeschoßige Bau wird im Norden von der Lodrongasse und im Westen von der Rudolf-Zeller-Gasse begrenzt. Anders als bei der benachbarten Wohnsiedlung aus den Jahren 1969 - 1970 wurde hier auf eine Zeilenbauweise verzichtet. Dem L-förmigen Wohnkomplex ist an der Rudolf-Zeller-Gasse ein Bungalow vorgelagert, in dem ein Restaurant untergebracht ist. Der längere Bauteil entlang der abschüssigen Lodrongasse folgt mit seiner abgetreppten Bauweise dem terrainbedingten Gefälle. Der gestufte Außenbau besitzt keine geschlossene, aufragende Wand, sondern ist geprägt von alternierenden, blockartigen Vor- und Rücksprüngen in den vertikalen Fensterachsen. Dadurch entstehen übereck geführte Loggien und Halbloggien, die teilweise verglast sind. Besonders auffallend ist die Gestaltung der Fassade mit grauen, beigen und braunen, großtäfeligen Platten; ein Gestaltungsprinzip, das vor allem Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre eingesetzt wurde. Auch bei der Verwendung von Vollziegelwänden als Außenmauern war das Gebäude wärmetechnisch seiner Zeit voraus. Die Anlage verfügt zudem über insgesamt 56 Garagen- und 72 offene PKW-Abstellplätze.

... und die Kunst

Im Norden der Anlage befindet sich angrenzend an die benachbarte Wohnhausanlage eine Natursteinplastik mit dem Titel "Abspaltend - Neugeburtlich" von Herbert Wasenegger (geb. 1931 in Wien) aus den Jahren 1974 - 1975.

Der Name

Die Rudolf-Zeller-Gasse wurde nach dem Vizebürgermeister und Ehrenbürger von Mauer, Rudolf Zeller (1858 - 1918), benannt.
Die angrenzende Lodrongasse erhielt ihren Namen 1929 nach Sigmund Graf zu Lodron, königlicher Rat und Pfandschaftsinhaber der ehemaligen Herrschaft Mauer.
Die Anton-Krieger-Gasse wurde im Jahr 1909 nach dem Kaufmann und Bürgermeister von Mauer (1882 - 1885 und 1888 - 1891), Josef Anton Krieger (1828 - 1905) benannt.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Mauer und Atzgersdorf gehören auch der Architekt und Heinrich-von-Ferstel-Schüler Karl Mayreder (1856-1935), sowie der Historien- und Porträtmaler Kaiserin Elisabeths, Anton Romako (1832-1889).

Sanierung

von 1996 bis 1997

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1996 und 1997 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Ernst Plojhar - Ernst Plojhar (geb. 1920) begann 1938 Architektur an der Technischen Hochschule Wien zu studieren, musste das Studium jedoch aufgrund des Zweiten Weltkrieges, in dem er als Russisch-Dolmetscher für die Wehrmacht tätig war, unterbrechen. Während der Kämpfe um Wien 1945 lief er zur Roten Armee über und wurde dafür später von der österreichischen Regierung als Widerstandskämpfer ausgezeichnet. Ernst Plojhar beendete 1954 sein Architekturstudium und arbeitete zuerst als Angestellter und ab 1958 als selbständiger Architekt. Seine Projekte umfassten sowohl öffentliche Bauten (Bürohäuser oder Tankstellen) als auch Wohnbauten, wie etwa die Gemeindewohnhäuser Leopoldauer Straße 70 in Wien 21 und Rudolf-Zeller-Gasse 71 in Wien 23 (beide gemeinsam mit Friedrich Lang). 2002 erschien sein Buch "Von der Notwendigkeit der Architektur. Versuch einer marxistischen Theorie des Bauens".

Friedrich Lang - Friedrich Lang (1911-1978) studierte von 1932 bis 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1938 mit der 2. Staatsprüfung abschloss und zudem 1938/39 die Meisterschule besuchte. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem den Karl-Kysela-Hof in Wien 16, Thaliastraße 159 (1967-1969), und zusammen mit Ernst Plojhar den Rudolf-Hitzinger-Hof in Wien 21, Leopoldauer Straße 70 (1969-1971), und die Anlage Rudolf-Zeller-Gasse 71 in Wien 23 (1972-1975).

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