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Färbermühlgasse 12-14

Fakten

Färbermühlgasse 12-14

Färbermühlgasse 12-14, 1230 Wien

Baujahr: 1964-1966

Wohnungen: 59

Architekt: Rudolf Bazalka

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Wohnhäuser in der Färbermühlgasse 12-14 und 15 wurden in den Jahren 1964-66 nahe dem Liesinger Platz, Hauptplatz des ehemals selbstständigen Ortes Liesing, errichtet. Der heutige 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing ist der jüngste Bezirk Wiens. Das Gebiet der ehemaligen niederösterreichischen Gemeinden Liesing, Atzgersdorf, Erlaa, Inzersdorf, Siebenhirten, Mauer, Rodaun, Kalksburg u. a. wurde 1938 als 25. Bezirk Bestandteil von "Groß-Wien". 1954 gingen Teile davon an das Bundesland Niederösterreich zurück und Liesing wurde in seinen heutigen Grenzen der 23. Bezirk der Stadt Wien, deren Wohnbautätigkeit in dieser Region erst nach 1945 einsetzte. Heute zeichnet sich Liesing vornehmlich durch teils noch erhaltene secessionistische zweigeschoßige Zinshäuser, moderne mehrgeschoßige Wohnhausanlagen sowie eine hohe Dichte an Schulen aus.

Die Architektur

Die insgesamt drei viergeschoßigen Wohnhäuser mit den Hausnummern 12, 14 und 15 umfassen zusammen 10 Stiegen mit heute 118 Wohnungen.

Es ist das zweite Projekt, das nach den Plänen des Architekten Rudolf Bazalka in dieser Gasse errichtet wurde.

In ihrem Aufbau folgen die Häuser den für den kommunalen Wohnbau der 1960er-Jahre typischen Prinzipien: über einer genuteten, grob verputzten Sockelzone erheben sich die Geschoße, in denen die in Nord-Süd-Richtung ausgerichteten Wohnungen untergebracht sind. Diese verfügen über südseitige Halbloggien, die heute teilweise geschlossen sind.

An der Nordfront prägt eine einfach gegliederte Fassade das Erscheinungsbild des Baus. Durch die versetzten, verschieden großen, teils quadratischen, teils hochrechteckigen und auch mehrteiligen Fenster an der sonst glatt verputzten Fassade entsteht der Eindruck einer regelmäßigen Matrix - ein Stilmerkmal, das sich auch an dem Wohnhaus desselben Architekten in der Färbermühlgasse 11 erkennen lässt. Weitere Akzente setzen hier allerdings die ost- und westseitigen Balkone an den Schmalseiten der Bauten, sowie das über die Dachtraufe vorkragende Satteldach.

Neben zwei eigenen Abstellplätzen für insgesamt 40 PKW und ausreichender Parkmöglichkeit entlang der Färbermühlgasse verfügt die Anlage darüber hinaus durch ihre Nähe zum Liesinger Bahnhof über eine hervorragende Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.

... und die Kunst

In der parkähnlichen Landschaft an der Ketzergasse, die die nördliche Grundstücksgrenze der Wohnanlage auf Hausnummer 15 darstellt, befindet sich eine ca. 3 m hohe Plastik, die nach Entwürfen des Malers und Graphikers Hermann Kosel (1896-1983) in den Jahren 1962-67 entstanden ist. Entsprechend ihrer Form trägt sie den Titel "Tropfen". Die Skulptur besteht aus Kunststein und ist an ihrer Basis mit einem wellenförmigen, bunten Mosaikmuster versehen.

Die geplante Vogeltränke mit Kupferreliefs von Susanne Peschke-Schmutzer (1911-1991) aus den Jahren 1962-67 ist leider nicht mehr vorzufinden.

Der Name

Die ehemalige Gärtnergasse wurde im Jahr 1954 nach der unweit entfernten Färbermühle, einem Wahrzeichen von Liesing (heute steht dort das Liesinger Bezirksamt), in Färbermühlgasse benannt.

Die Ketzergasse im Norden der Anlage erhielt ihren heutigen Namen im Jahr 1954 nach dem Bürgermeister von Siebenhirten (1918-1928) Josef Ketzer (1869-1944). Sie hatte zuvor Adolf-Hitler-Straße (1938) und Siebenhirtener Hauptstraße (1947) geheißen.

Die Manngasse wurde 1967 nach dem bekannten Bäckermeister Franz Mann (auch Man, 1875-1939) benannt, der auch Mitbegründer der Niederlassung der berühmten Bäckerei-Kette "Der Mann" in Liesing war.

Die Hausgrabengasse gehörte ursprünglich zum Grundstück des Schlosses Liesing (heutiges Altersheim Liesing) und trägt ihren Namen seit 1967.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Liesing gehört auch der Bildhauer Rudolf Schmidt (1894-1980), der das Kriegerdenkmal in Liesing schuf (1926, heute Liesinger Friedhof). Von seiner Hand stammt auch der bekannte Hannaken-Brunnen am Fuß der Stiegenanlage bei Maria am Gestade (1937) im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Sanierung

von 2001 bis 2002

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 und 2002 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen.

Architekten

Rudolf Bazalka - Rudolf Bazalka (1916-2004) studierte von 1936 bis 1942 Architektur bei Franz Schuster und Carl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Als selbständiger Architekt entwarf Bazalka unter anderem die Gemeindebauten Kahlgasse 9-11 in Wien 21 (1952/53) und Bessemerstraße 10-16 in Wien 21 (zusammen mit Othmar Augustin, 1957-1959). Außerdem war er in einer größeren Architektengemeinschaft an der Errichtung der kommunalen Wohnhausanlage Goldschlagstraße 148-158 in Wien 14 beteiligt (ab 1951).

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