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Ketzergasse 101-103

Fakten

Ketzergasse 101-103

Ketzergasse 101-103, 1230 Wien

Baujahr: 1960-1962

Wohnungen: 41

Architekt: Camillo Fritz Discher

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

1140 wird Siebenhirten erstmals urkundlich als "Subinhitin" erwähnt. Von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1848 war Siebenhirten ein Teil der Rodauner Grundherrschaft. Im revolutionären Vormärz und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine allmähliche Industrialisierung ein, die auch mit einem ständigen Anstieg der Bevölkerung verbunden war. 1911/12 wurde eine eigene Pfarre gegründet, die Pfarrkirche wurde allerdings 1944 durch Bombentreffer völlig zerstört. Erst 1955 wurde die Kirche wieder neu aufgebaut und eingeweiht.

Die Architektur

Die lang gezogene Parzelle liegt mit ihrer nördlichen Schmalseite an der Ketzergasse. Die Wohnhausanlage umfasst sechs Stiegen und setzt sich aus zwei Trakten zusammen, die nahezu im rechten Winkel zueinander stehen und mit einem flachen Walmdach gedeckt sind. Ein zweigeschoßiger Trakt mit hellblauer Straßenfassade erstreckt sich als Lückenverbauung entlang der Ketzergasse. Er beherbergt im Erdgeschoß links eine Geschäftszeile und eine hohe Durchfahrt, gefolgt von einem integrierten Warteraum für eine Bushaltestelle, zwei Garagentoren und einem Eingang für die MA 48. Der Fassadenbereich wird im Erdgeschoß durch ein intensives Blau betont. Das Ende der Fassade ist durch eine von zwei dreiteiligen Fensterachsen flankierte, zweiteilige Fensterachse in sich symmetrisch gestaltet. Hier ist zwischen den Geschoßen die Gemeindeaufschrift angebracht. Die Hoffassade ist hellbeige, hier liegen die beiden Stiegenaufgangsachsen mit zweiflügeligen Aufgangsfenstern über einer verglasten Holztür. Sie werden von kleinen, quadratischen Nassraumfenstern flankiert und haben je drei Fensterachsen. Das Erdgeschoß ist aufgrund der Durchfahrt rechts der Gebäudemitte sowie durch mehrere Türen zu Funktionsräumen auf Stiege 2 asymmetrisch angelegt. Vor der Hoffassade befinden sich Parkplätze.

Der längere, dreigeschoßige Trakt mit den Stiegen 3 bis 6 ist durch einen Grünstreifen von den anderen Blöcken abgesetzt und in dezentem Hellgrau gestrichen. Seine Schmalseiten sind geschlossen, die Eingänge liegen an der Ostseite. Die Fassade ist in Bezug auf die Fassadenmitte sowie die Nachbarstiegen gespiegelt, während die sechs Fensterachsen innerhalb jeder Stiege leicht asymmetrisch organisiert sind. Aus den zweiflügeligen Fensterachsen sticht eine dreiflügelige nächst der Mitte hervor. Die nachfolgende Achse hatte ursprünglich Balkone in den beiden Obergeschoßen, welche jedoch 1978 in französische Fenster umgearbeitet wurden. Auf der anderen Seite der dreiflügeligen Achse liegt der Stiegeneingang, die Stiegenaufgangsachsen befinden sich an der Gebäuderückseite. Sie heben sich durch dreiteilige Fenster von den sonst zweiteiligen ab. Auf beiden Seiten folgen quadratische Nassraumfenster sowie drei zweiteilige Fensterachsen. Die Fenster der mittleren Achse sind in den Obergeschoßen zu französischen Fenstern verlängert; auf einer Seite kommt außen noch eine weitere zweiflügelige Fensterachse hinzu. Auch hier wird durch das System der fortlaufenden Spiegelung der leicht asymmetrisch konzipierten Stiegenfassaden eine Gesamtsymmetrie der Fassade erreicht.

Architektonisch präsentiert sich die Anlage genau zwischen dem symmetrischen Stil der 1950er-Jahre und dem durch leichte Asymmetrien gekennzeichneten Stil der 1960er-Jahre, der lange, serielle gestaltete Trakte bevorzugt.

Der Name

Die Ketzergasse wurde 1954 nach Josef Ketzer (1869-1944) benannt, der von 1918 bis 1928 Bürgermeister von Siebenhirten war. Sie ist bis heute die längste "Gasse" Wiens und verbindet Rodaun mit Siebenhirten.

Sanierung

von 2002 bis 2002

Die Wohnhausanlage wurde 2002 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

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