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Gutheil-Schoder-Gasse 68-76

Fakten

Gutheil-Schoder-Gasse 68-76

Gutheil-Schoder-Gasse 68-76, 1230 Wien

Baujahr: 1958-1960

Wohnungen: 213

Architekt: Hans Steindl, Martin Sauer, Robert Zeidner

Weitere Adressen

Brändströmgasse 1-5, 1230 Wien

Terramaregasse 1-11, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem riesigen, rechteckigen Gelände der Wohnhausanlage Neu-Steinhof in Inzersdorf stand bis 1959 ein Schlossbau des Großindustriellen Alois Miesbach und seines Nachfolgers Heinrich Drasche. Auf dem Wiener Generalstadtplan von 1912 sieht man noch den Grundriss des lang gestreckten Gebäudes mit den vorspringenden Eckrisaliten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangte der Grund mit dem baufällig gewordenen Schloss in den Besitz der Gemeinde Wien, die ihn an einen Geflügelzüchter verpachtete.

Vor dem Grundstück fließt an der Südgrenze die Liesing nach Osten. Gegen Westen liegt der Schlosssee und weiter im Süden auf der anderen Seite der Liesing der Steinsee. Dies sind zwei ehemalige Ziegelteiche, an denen viele Wiener auf kleinen Parzellen eine Garten- oder Badehütte errichteten. Dort, wo sich heute die Liegenschaft des Kleingartenvereins Schlosssee befindet, war einst nur eine Wiese, die von dem Bach durchzogen wurde. Dieser versorgte im 18. Jahrhundert die ehemalige Mühle, die Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde, mit Wasser. An ihrer Stelle wurde der Herrschaftssitz Neu-Steinhof für Alois Miesbach gebaut, den später sein Neffe Heinrich Drasche erbte. Heute steht dort die Wohnhausanlage - die Gemeinde Wien ließ 1959 das Schloss und auch das daneben gelegene, beliebte Wirtshaus Schusser abreißen. Auch Parzellen der Kleingartensiedlung fielen der heutigen Terramaregasse, die das rechteckige Grundstück im Westen begrenzt, zum Opfer.

Die Architektur

Die elf Gebäude der Anlage sind in lockerer, randnaher Verbauung auf einem großen, rechteckigen Areal unregelmäßig angeordnet. Das Grundstück wird im Osten von der Gutheil-Schoder-Gasse und im Westen von der Terramaregasse begrenzt. Seine Schmalseiten liegen im Süden am Schloss-See-Weg, der entlang des Liesingbaches führt, und im Norden an der Brandströmgasse. An der Süd-Ost-Ecke des Grundstücks befindet sich ein Parkplatz.
Schon von Weitem stechen zwei jeweils neungeschoßige Hochhaustürme ins Auge. Der eine steht in der Nord-Ost-Ecke, der andere in der Mitte des Grünareals. Letzterer ragt zwischen zwei kleinen, zweigeschoßigen Häusern mit je einer Stiege empor, wobei im südlichen Haus ebenerdig ein Restaurant mit Vorbau eingerichtet ist. Alle übrigen Wohnblöcke sind dreigeschoßig und haben je zwei Stiegen.
Die an der Gutheil-Schoder-Gasse und am Schloss-See-Weg gelegenen Trakte verfügen über hofseitige Eingangsfassaden, alle anderen Hauseingänge liegen straßenseitig. Die Portale und Fenster der Eingangsachsen werden von Lisenen gerahmt und durch Welleternit-Parapete zu Bahnen zusammengeschlossen. Von Gebäude zu Gebäude wechseln hellgraue und terrakottafarbene Eternit-Verblendungen vor hellgelbem oder hellgrauem Mauergrund. Die übrigen Längsfassaden werden durch Balkonachsen und Fensterachsen mit Eternit-Parapeten rhythmisiert. Hin und wieder befindet sich eine Balkonachse auch an einer Schmalseite.

Die wesentlichen Gestaltungselemente der niedrigen Wohnhäuser kommen an den beiden beinahe identischen Hochhaustürmen verstärkt zur Anwendung. Das Charakteristikum der Hochhäuser sind der T-förmige Grundriss und das asymmetrisch gefaltete Satteldach. In eine Mauervertiefung für die Stiegenaufgänge inmitten der Eingangsfassade sind die flankierenden, quadratischen Nassraumfenster sowie je eine oder zwei begleitende Fensterachsen integriert. Die Mauerfarben Hellgrau und Beige dienen hier der dezenten farblichen Differenzierung unterschiedlicher Wandfelder.

Der Wechsel von Hochbauten und niedrigeren Längsbauten in variabler Randaufstellung auf einem großen Grünareal war in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre ein öfter zitiertes Wohnbauschema. Auch im 12. Bezirk in der Unter-Meidlinger-Straße wurde fast zeitgleich eine ähnliche Großanlage errichtet.

... und die Kunst

Der "Leopard" von Elisabeth Turolt steht, von den Randbüschen fast verdeckt, in der Wiese zwischen den beiden zweigeschoßigen Blöcken an der Gutheil-Schoder-Gasse. Die überlang abstrahierte Plastik einer Raubkatze ist in angriffslustiger Pose mit erhobener Pranke und aufgerissenem Maul in schwarz gefärbtem Steinguss sehr ausdrucksstark dargestellt.
Der "Elefant" von Susanne Peschke-Schmutzer neben einem Rastplatz im nördlichen Hof vor dem Block in der Brandströmgasse ist hingegen in vereinfachter ebener Form beinahe naiv in schematischem Betonguss hergestellt. Durch zwei aneinandergefügte, identische, flache Schemen, die in ihrem Zwischenraum den Kopf und Rüssel entlang eine Rutsche bilden, und ein Mosaik, das in Form einer farbigen Decke und eines Kopfschmucks die Assoziation zu einem Zirkuselefanten erweckt, ist die große Plastik besonders für Kinder interessant gestaltet; der Spielplatz befand sich ursprünglich in dieser Hofecke.

Ein Zierbrunnen von Josef Seebacher mit der Bezeichnung "Springbrunnen" soll früher ebenfalls auf dem Gelände gestanden haben. Heute verweist nur noch ein großer, betonierter Kreis mit polygonaler Einfassung im Boden nahe dem heutigen Kinderspielplatz im Süden des Hofes auf den ursprünglichen Standort.

Der Name

Die Anlage wird auf den eingereichten Plänen Neu-Steinhof genannt. Damit würde der Name wohl auf das Schloss Neu-Steinhof der Ziegelfabrikanten Alois Miesbach und Heinrich Drasche zurückgehen.

Die offizielle Adresse lautet Gutheil-Schoder-Gasse 68 - 76. Der Name der Gutheil-Schoder-Gasse geht auf die deutsche Sopranistin Marie Gutheil-Schoder (1874-1935) zurück. Von Gustav Mahler entdeckt, sang die gefeierte Sängerin von 1900 bis 1926 an der Wiener Staatsoper zahlreiche Partien bei Uraufführungen von Richard Strauss und Arnold Schönberg. Nach 1926 war sie als Lehrerin und Regisseurin tätig, unter anderem bei den Salzburger Festspielen.

Sanierung

von 1999 bis 1999

In der Wohnhausanlage wurden 1999 Fenster und Türen erneuert. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut.

Architekten

Hans Steindl - Hans (Johann) Steindl (1902-1972) studierte von 1920 bis 1924 bei Josef Frank und Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Nach seinen Entwürfen wurden unter anderem für die Gemeinde Wien die Wohnhäuser Koppstraße 6 in Wien 16 (1952/53) und Josef-Flandorfer-Straße 75 in Wien 21 (1969/70) errichtet.

Martin Sauer - Martin Sauer (geb. 1916) studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Während des Zweiten Weltkriegs kam er nach Wien und legte hier die Zivilingenieursprüfung ab. Martin Sauer war vor allem im Bereich Wohnbau tätig. Für die Gemeinde Wien entwarf er zusammen mit Robert Zeidner unter anderem die 1964 bis 1966 errichteten Wohnhausanlagen Ketzergasse 26 und Ketzergasse 56 in Wien 23.

Robert Zeidner - Robert Zeidner (1925-1978) studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Als selbständiger Architekt war er vor allem im Wohnbau tätig und entwarf auch für die Gemeinde Wien mehrere Wohnbauten, wie etwa die Wohnhäuser Badhausgasse 5-7 in Wien 7 (1980-1982) und Breitenfurter Straße 360-368 in Wien 23 (1972-1975). Für die Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft Wien-Süd wurden rund 3.000 Wohneinheiten nach seinen Entwürfen realisiert. Zuletzt war Robert Zeidner auch Fachvorstand für Architektur an der HTL Schellinggasse in Wien 1.

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