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Breitenfurter Straße 477-485

Fakten

Breitenfurter Straße 477-485

Breitenfurter Straße 477-485, 1230 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 138

Architekt: Richard Putsch, Frank Schläger

Weitere Adressen

Willergasse 10-16, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Den 23. Bezirk durchziehen wichtige, seit der Römerzeit bestehende Verkehrswege, Äste der von Vindobona nach Scarabantia (Ödenburg) führenden Römerstraße. Diese haben sich bis heute einerseits in der Triester Straße und andererseits in der als "Gebirgsrandweg" bezeichneten Verbindung von Hietzing über Lainz, Mauer, Kalsburg, Rodaun und Perchtholdsdorf nach Baden erhalten. Seit 1946 gehören Atzgersdorf, Erlaa, Inzersdorf, Kalksburg, Liesing, Mauer, Rodaun und Siebenhirten zum 23. Bezirk. Einige dieser Gemeinden gehen auf Gründungen aus dem Hochmittelalter zurück und gehörten zum Teil Gundherrschaften an. Daneben bestanden aufgrund der topografischen Gegebenheiten vor allem wirtschaftliche Zusammenhänge. Die Wienerwaldgmeinden Mauer, Kalksburg und Rodaun waren vom Weinbau und der Forstwirtschaft sowie ab dem 19. Jahrhundert vom Sommerfrischewesen geprägt.

Die Architektur

Diese Wohnhausanlage im Bezirk Rodaun besteht aus 5 Häusern mit je drei Stiegen in offener Verbauung an der Breitenfurter Straße/Ecke Wiesmühlgasse und 2 Häusern mit zusammen 3 Stiegen in offener Verbauung an der Willergasse, insgesamt 18 zwei- bis drei-geschoßige Stiegen. Die Eingänge und Stiegenhäuser sind nach außen hin durch einen weißen Anstrich farblich akzentuiert, sodass der Wechsel im verwendeten Material (Vibro-Hohlsteinmauerwerk und Vollziegelmauerwerk) die Funktion an der Fassade optisch kennzeichnet. Das wichtigste Merkmal der Wohnhausanlage ist das Planungsprinzip der Zeilenbauweise. Anstelle der herkömmlichen Blockrandbebauung tritt hier das Bauen in nord-süd-parallel gesetzten Reihen, deren Enden im Norden mit quergestellten Kopfbauten versehen sind. Diese Bauweise ermöglicht eine optimale (natürliche) Beleuchtung der Wohnungen. Die geosteten Schlafzimmer werden von der Morgensonne, die Wohnräume von der Mittags- und Abendsonne geflutet.
Die Anlage verfügt gemäß den neuen städtebaulichen Prinzipien Roland Rainers (von 1958) neben gepflegten Grün-, Ruhe- und Spielflächen (Sandspielplatz) über zwei Geschäftslokale, eine Polizei, eine städtische Bücherei und einem weiteren Mieterlokal.

... und die Kunst

Die Nordfassaden der Häuser an der Breitenfurter Straße sind mit jeweils einem monumentalen Mosaikwandbild versehen. Die vier Bilder stehen unter dem Motto "Verkehrsmittel der Vergangenheit" und stammen aus den Jahren 1957/58. Unter den ausführenden Künstlern befindet sich unter anderem auch Hans R. Pippal (Vater der österreichischen Fernsehansagerin Jenny Pippal).

Der Name

Die Breitenfurter Straße erstreckt sich vom 12. zum 23. Wiener Gemeindebezirk und führt (wie der Name schon sagt) in den Ort Breitenfurt. Die Willergasse ist seit 1954 nach dem ehemaligen Bürgermeister von Rodaun (1921-1931) Dr. Peter Willer (1880-1938) benannt.
Die Wiesmühlgasse erhielt ihren Namen zu Ehren der einstmaligen Mühle auf dem Wiesengelände neben dem Liesingbach, der hinter der Wohnhausanlage verläuft.

Sanierung

von 2001 bis 2002

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2002 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.113.500 Euro, davon konnten 371.166 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Richard Putsch - Richard Putsch (1890-1971) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Er konzipierte unter anderem mit Frank Schläger die Wohnhaussiedlung Breitenfurter Straße 477-485 in Wien 23.

Frank Schläger - Frank Schläger (1894-1978) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach der Ziviltechnikerprüfung arbeitete er drei Jahre als Hausarchitekt des Hotels Bristol in Wien. Zeit seines Lebens unternahm er Reisen nach Jugoslawien, Rumänien, London, Paris und in die USA, um Hotelstudien vorzunehmen. Zu seinen renommiertesten Projekten zählen das Verkehrsbüro der deutschen Lufthansa sowie Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien, u.a. in der Breitenfurter Straße 477-485 im 23. Bezirk, die er gemeinsam mit Richard Putsch konzipierte.

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