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Johann-Hörbiger-Gasse 24-28

Fakten

Johann-Hörbiger-Gasse 24-28

Johann-Hörbiger-Gasse 24-28, 1230 Wien

Baujahr: 1956-1958

Wohnungen: 184

Architekt: Kurt Russo, Paul Artmann, Erna Grigkar-Kapinus, Karl Kaill

Weitere Adressen

Meyrinkgasse 1-5, 1230 Wien

Meyrinkgasse 11-13, 1230 Wien

Johann-Hörbiger-Gasse 34-38, 1230 Wien

Meyrinkgasse 2-16, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die weitläufige Wohnhausanlage mit der Hauptadresse Johann-Hörbiger-Gasse 24-28 entstand in den Jahren 1956 bis 1958 nach Plänen der Architekten Paul Artmann, Erna Grigkar (auch bekannt als Kapinus-Grigkar), Karl Kaill und Kurt Russo an der Grenze von Atzgersdorf, Speising und Mauer im heutigen 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing. Die teilweise als Doppel-, teilweise als Einzeltrakt ausgeführten Bauten, die jeweils von einem anderen Architekten geplant wurden, erstrecken sich über einen Verband von insgesamt drei Gassen und wurden am so genannten "Rosenberg" errichtet, an dessen Nordgrenze das Krankenhaus "Am Rosenhügel" anschließt. Die Anlage selbst wird im Norden von der Marktgemeindegasse, im Süden von der Alphons-Petzold-Gasse begrenzt. Im Westen reicht sie bis zum Aquädukt der 2. Wiener Hochquellwasserleitung, welche die wirtschaftliche Entwicklung des Bezirkes seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts maßgeblich mitbestimmt hat. Heute präsentiert sich der Bezirksteil und ehemalige Heurigen- und Villenort Mauer (1938 nach Wien eingemeindet) als abwechslungsreicher Mix aus Ein- und Mehrfamilienhäusern, Villen und kommunalen Wohnhausanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre. Er zeichnet sich - wie der gesamte Bezirk Liesing - durch seine familienorientierte Struktur und die hohe Dichte an Schulen und Kinderbetreuungsstätten aus.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage in der Johann-Hörbiger-Gasse umfasst 17 frei stehende Gebäude mit insgesamt 24 Stiegen und 184 Wohnungen. Die zwei- bis viergeschoßigen Bauten verlaufen teils parallel, teils quergestellt zur Johann-Hörbiger- und zur Meyrinkgasse und schließen zahlreiche Grünflächen mit Kinderspiel-, Mistkübel- und Teppichklopfplätzen sowie Sitzgelegenheiten ein. Die von den Architekten geplante, abwechslungsreiche Topografie wird durch die terrainbedingten Niveauunterschiede verstärkt und erweckt den Eindruck einer ländlich-idyllischen Wohngegend im urbanen Raum. Der alte Baumbestand Schatten spendender Föhren, aber auch die Plattenverkleidungen an den Schmalseiten der Gebäude und die zwischen den Bauten platzierten Schieferplattenpergolen untermauern dieses Bild.
Das Gestaltungsprinzip der Fassaden findet sich an allen Gebäuden - ungeachtet ihrer Ausrichtung an der Nord-Süd- oder Ost-West-Achse. Die Fassaden der Längsseiten werden durch Fenster regelmäßig gegliedert. Besonders auffällig sind hier die weißen, aus der Häuserfront hervorkragenden Faschen, die sich deutlich von der gelb getünchten Fassade absetzen. Die ebenfalls gefaschten Eingangstüren schließen mit Rundbögen ab. Dieses Element wiederholt sich an den niedrigeren (zweigeschoßigen) Bauten in der Meyrinkgasse. Die Anlage spiegelt in diesem Bereich die traditionelle Bebauung des Gebietes mit Villen und Ein- bzw. Mehrfamilienhäusern wider - ein Eindruck, der durch die hinter den Gebäuden liegenden, abgegrenzten Gärten noch verstärkt wird.

... und die Kunst

Bei der Planung der weitläufigen Wohnhausanlage an der Johann-Hörbiger-Gasse 24-28 wurde insbesondere auch auf die Kunst Bedacht genommen. In den Bauplänen aus den Jahren 1956 sind die Aufstellplätze für die geplanten Plastiken bereits vermerkt. Heute ist von den teils wandgebundenen, teils frei stehenden Kunstobjekten nur noch eines vorhanden: das 12 Meter hohe Steinzeugrelief mit dem Titel "Landwirtschaft" von Othmar Jarmer aus den Jahren 1957 bis 1959 (Friedensstraße 75-77). Die zwei Kunststeinplastiken von Adolf Treberer von Treberspurg und Mathias Hietz ("Spielende Kinder" und "Rutsche") sowie die beiden Glasmosaike von Günther Kraus und ein Mosaik von Marianne Neugebauer sind nicht mehr vorhanden.

Der Name

Die durch die Friedensstraße unterbrochene Johann-Hörbiger-Gasse wurde 1925 nach dem Techniker und Erfinder des Hörbiger-Ventils (1895), Ing. Johann Hörbiger (1860-1931), benannt. Er legte zuerst in Budapest (Ungarn) und später in Atzgersdorf und Mauer (1903) den Grundstein für ein heute weltweit operierendes Unternehmen im Bereich Kompressionstechnik, das als Hoerbiger Holding AG mit Sitz in Zug (Schweiz) und Wien-Donaustadt in 42 Ländern vertreten ist.

Die parallel zur Johann-Hörbiger-Gasse verlaufende Meyrinkgasse erhielt ihren Namen 1958 nach dem Schriftsteller Gustav Meyrink (1868-1932), zu dessen berühmtesten Werken "Golem" (1915) und "Walpurgisnacht" (1917) zählen.

Im Süden wird die Anlage von der Friedensstraße begrenzt, die in Erinnerung an den Frieden von 1918 benannt wurde.

Der Eberstorferweg im Norden der Anlage war ursprünglich als bogenförmige Verlängerung der Alphons-Petzold-Gasse geplant und wurde 1967 zu Ehren von Veit, Herr von Eberstorf, Besitzer der Herrschaft Mauer (1499), umgewidmet.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Mauer gehörte auch der Techniker, Maschinenkonstrukteur und Vater der legendären österreichischen Schauspieler Paul und Attila Hörbiger, Johann (gen. Hanns) Hörbiger (1860-1931), zu dessen Ehren eine Gasse im 23. Bezirk benannt ist.

Sanierung

von 2008 bis 2010

An der Wohnhausanlage wurde 2008 bis 2009 eine Sanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch können die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.
Weitere Einzelverbesserungen zur Erhöhung des Wohnkomforts wurden 2010 abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 1.760.600, 586.866 Euro konnten durch einen Landeszuschuss gedeckt werden.

Architekten

Kurt Russo - Kurt Russo (1916-1993) studierte von 1936-1940 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1941 die 2. Staatsprüfung ablegte. Für die Gemeinde Wien plante er zusammen mit Helmut Kern etwa die Wohnhausanlage Hochwassergasse 60 in Wien 23 (1962-1964).

Paul Artmann - Über die Ausbildung des in Reichenberg/Böhmen geborenen Architekten Paul Artmann (1909-2006) sind keine Daten bekannt. Mit seiner Gattin, der Architektin Nadia Artmann, war er in den 1950er-Jahren im Zuge des Wiederaufbaus vor allem in Wien und Innsbruck tätig. Für die Gemeinde Wien plante er etwa die Wohnhausanlagen Apostelgasse 19-21 in Wien 3 (1954/55), Erlaaer Straße 125-129 in Wien 23 (1951/52, mit Nadia Artmann) und in einer größeren Gemeinschaft die Anlage Johann-Hörbiger-Gasse 24-28 in Wien 23 (1956-1958).

Erna Grigkar-Kapinus - Erna Grigkar-Kapinus (1909-2001) studierte ab 1930 Architektur bei Emil Artmann an der Technischen Hochschule Wien. Danach war sie als Architektin in Wien und im Umkreis von Margarete Schütte-Lihotzky tätig. Grigkar-Kapinus konzipierte unter anderem die kleine Wohnhausanlage an der Breitenfurterstraße 555-557 in Wien 23 (1973-1975).

Karl Kaill - Karl Kaill (1906-1977) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unmittelbar nach seinem Abschluss kam er als Architekt zum Österreichischen Militär und arbeitete auch während des Zweiten Weltkrieges für die Luftwaffe der Wehrmacht. Nach 1945 machte sich Karl Kaill als Architekt in Wien selbständig, wo er vor allem im Wohnbaubereich tätig war. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlagen Fünfhausgasse 16-18 in Wien 15 (1950/51) und Promenadegasse 19 in Wien 17 (mit Bruno Tinhofer, 1953/54).

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