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Hochwassergasse 58

Fakten

Hochwassergasse 58

Hochwassergasse 58, 1230 Wien

Baujahr: 1957-1958

Wohnungen: 79

Architekt: Valerie Wild, Walter Foral

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Inzersdorf, der östlichste Teil des 23. Bezirks, deckt sich zum Teil mit einer altrömischen Veteranensiedlung, die in der Nähe der Triester Straße gelegen war. Der ehemalige Ort, der 1120 erstmals urkundlich erwähnt wird, entwickelte sich als Breitangerdorf zwischen der heutigen Draschestraße und der Hochwassergasse und besaß bereits 1217 eine eigene Pfarre. Die Grundherrschaft hatte ein unabhängiger Herr von Rodaun inne; im späten 14. Jahrhundert ging diese in landesfürstlichen Besitz über. Mit der Gründung der ersten Ziegelei erlebte der Ort ab 1775 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Inzersdorfer Gemeindegebiet erstreckte sich damals bis zur Spinnerin am Kreuz auf dem Wienerberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte durch die Ansiedlung von Lebensmittelfabriken ein Strukturwandel ein. Ab 1824 hatte der Industrielle Alois Miesbach, der Besitzer der Ziegelwerke, die Grundherrschaft inne. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste Inzersdorf nahezu die Hälfte seines Gebietes, vor allem die wirtschaftlich bedeutenden Wienerberggründe, an den 10. und später den 12. Bezirk abtreten. Erst ab den 1920er-Jahren erholte sich die Gemeinde langsam wieder von diesen Einbußen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umfasst sieben hell gestrichene Blöcke mit insgesamt acht Stiegen auf einem nach Norden leicht ansteigenden, rechteckigen Grundstück. Alle Gebäude haben mit Eternitschindeln eingedeckte Walmdächer. Etwas höher als das Straßenniveau liegen im Süden drei viergeschoßige Blöcke mit ihren Schmalseiten an der Hochwassergasse. Die anderen vier Blöcke verfügen über drei Geschoße. Zwei davon sind mit ihren Längsfassaden entlang den Seitengrenzen des Grundstücks ausgerichtet, zwei entlang der Nordgrenze. In der Mitte des Grundstücks gibt es einen Ballspielplatz. Zwischen den Blöcken befinden sich Grünflächen mit Bäumen und Gehwegen. Die gesamte Anlage zeichnet sich durch eine sehr zurückhaltende, überwiegend symmetrische Fassadenordnung aus. Einziges Dekor an den sonst schlichten Fassaden sind die weißen Putzfaschen der Fenster.

Der Name

Die Hochwassergasse erhielt ihren Namen im Jahr 1957 nach den Hochwasserschäden der Liesing. Davor hieß sie Theresiengasse. Seit jeher stellten die immer wiederkehrenden Überschwemmungen des Liesingbaches eine große Bedrohung des Inzersdorfer Gemeinwesens dar. Aus der Ära des Grafen von Harrach ist ein solches Hochwasser erstmals überliefert (1768) und schon damals begann man mit ersten Regulierungsarbeiten (1770). Wie lange es aber dauerte, bis die Liesing endgültig gezähmt werden konnte, ist den heutigen Bewohnern des Bezirkes noch in Erinnerung. Die letzten verheerenden Überschwemmungen in Inzersdorf liegen jedoch bereits Jahrzehnte zurück (1950/51).

Sanierung

von 1996 bis 1996

In der Wohnhausanlage wurden 1996 Fenster und Türen erneuert. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut.

Architekten

Valerie Wild - Valerie Wild (geb. Ginter, 1912-1965) studierte von 1932 bis 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf sie gemeinsam mit Walter Foral das Wohnhaus Hochwassergasse 58 in Wien 23 (1957/58).

Walter Foral - Walter Foral (1904-1965) studierte ab 1935 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Peter Behrens und legte 1938 sein Diplom bei Alexander Popp ab. Während der NS-Zeit plante Walter Foral Krankenhäuser, Lazarette und war für die Klöckner-Flugzeugmotorenwerke in Brünn tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich vorwiegend am Wiederaufbau. Neben Teilen der Wohnanlage "Roter Berg" in Wien 13 gestaltete er auch das Ausflugslokal am Cobenzl und leitete das Projekt für den Bau einer Seilbahn auf den Untersberg in Salzburg. Auch in Wiener Neustadt plante er in den 1950er-Jahren mehrere Wohnhausanlagen und das Finanzamt.

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