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Quadenstraße 65-67

Fakten

Quadenstraße 65-67

Quadenstraße 65-67, 1220 Wien

Baujahr: 1972-1974

Wohnungen: 377

Architekt: Oskar Payer, Peter Payer

Weitere Adressen

Pirquetgasse 8-10, 1220 Wien

Zanggasse 2, 1220 Wien

Zanggasse 1, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Quadenstraße 65-67 wurde gemeinsam mit der Anlage Ziegelhofstraße 32-34 als 2. Bauteil der Plattenbausiedlung "Ziegelhofstraße" projektiert und von der gemeindeeigenen Plattenbaufirma Montagebau Wien GmbH auf vormals von Hirschstettner Landwirten genutzten Flächen errichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage zählt zur zweiten Generation der Wiener Plattenbausiedlungen. Bedingt durch die stärker werdende Kritik an der frei stehenden Zeilenbebauung der ersten Generation wurde nunmehr versucht, an das traditionelle Wiener Modell der Hofbebauung anzuschließen und daher schloss man die orthogonal stehenden Scheibenbauten zu einer hofbildenden Bebauung zusammen. Darüber hinaus zeichnet sich die zweite Phase des Wiener Plattenbaus durch die Abkehr von den ausschließlich vier- und neungeschoßigen Wohnbauten aus. Davon versprach man sich mehr Variabilität. Die Siedlung besteht aus insgesamt 17 Stiegenhäusern, die zu vier Gebäudegruppen zusammengefasst sind. Zwei Gebäudeblöcke stehen westlich, zwei östlich der Zanggasse, die orthogonal zur namensgebenden Quadenstraße führt. Die beiden westlich der Zanggasse situierten Baugruppen bestehen wiederum aus je drei Stiegenhäusern. Im Gegensatz zu den Plattenbausiedlungen der ersten Generation (z. B. Siebenbürgerstraße/Erzherzog-Karl-Straße, Autokaderstraße) sind die einzelnen Häuser nicht in einer Linie aneinandergereiht, sondern es wurde versucht, durch ein versetztes Addieren der Haustypen mehr Variabilität und Individualität zu erzeugen. Die mittleren Häuser der beiden sieben- bzw. neungeschoßigen Gebäudeblöcke sind jeweils um fünf Meter in Richtung Zanggasse bzw. des westlich gelegenen Kindergartens versetzt. Die Fassaden der einzelnen Häuser sind unstrukturiert. Die an der Westfassade angeordneten Loggien befinden sich zur Gänze innerhalb der rechteckigen Gebäudekubatur. Die beiden vis-a-vis situierten Gebäudeblöcke unterscheiden sich von den zuvor beschriebenen vorwiegend durch die Art der additiven Anordnung der einzelnen Haustypen, da das orthogonale Anordnen nicht auf das Blockende beschränkt ist. Bereits beim 6. Bauteil der Großfeldsiedlung bzw. beim 1. Bauteil dieser Siedlung angewendet, kommt hier ein spezieller Eckhaustyp zum Einsatz, der T-förmige Gebäudeblöcke ermöglicht. Im Anschluss an den südlichen Block befindet sich eine eingeschoßige Geschäftszone. Die Westfassaden der beiden neun- bzw. elfgeschoßigen Baugruppen sind im Bereich des Eckhaustyps durch einen Risalit strukturiert. Die Loggien sind zur Gänze in die Gebäudekubatur integriert, durch die Loggiengeländer wird versucht, farbliche Akzente zu setzen. Die Wohngebäude sind allesamt unterkellert, wobei der Keller ein halbes Geschoß aus dem Terrain ragt, was wiederum die - auch farblich abgesetzte - Sockelzone bildet. Durch die bereits durchgeführte thermische Sanierung ist die für die Fertigteilbauweise typische Fassadenrasterung nicht mehr sichtbar. Die Eingänge sind mit von zwei Stahlsäulen gestützten Betonvordächern markiert.

... und die Kunst

Die Außenwandplatten, in welchen sich die Hauseingangstüren befinden, sind noch original mit einer Glasmosaikoberfläche versehen. An dieser sind auch die künstlerisch gestalteten Hauszeichen befestigt. Diese sollen aufgrund der Uniformität der Fertigteilbauten den Bewohnern als Orientierungshilfe dienen. Für die insgesamt 17 Hauseingänge haben die Künstler Isolde Jurina, Fiorentina Pakosta sowie Johannes Wanke Hauszeichen gestaltet.

Der Name

Die Wohnhausanlage trägt den Namen der im Nordwesten angrenzenden Straße, die anfänglich Breitenleer Straße hieß, seit 1910 aber nach dem elbgermanischen Volksstamm der Quaden benannt ist. Die Quaden beteiligten sich maßgeblich an den von den Markomannen geführten Kriegen gegen die Römer (166-180). Am Anfang des 5. Jahrhunderts schlossen sich Teile der Quaden den Wanderungen anderer germanischer Stämme an.

Sanierung

von 1999 bis 2003

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1999 bis 2003 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 3.879.800 Euro, davon konnten 1.293.266 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

Peter Payer - Peter Payer wurde am 5. Dezember 1932 in Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der angewandten Kunst in Wien und diplomierte im Jahr 1956 bei Prof. Franz Schuster. Gleich seinem Vater Oskar Payer konzentrierte er sich auf die Verbesserung der Wohnkultur sowie die Rationalisierung des Wohnungsbaus. Zahlreiche Publikationen zeugen vom Engagement der beiden Architekten. Neben der Planung Tausender Wohnungen für die Gemeinde Wien entwarfen Oskar und Peter Payer auch Möbel und gründeten das Einrichtungshaus "Payer-Dekor". Im Jahr 1970 erhielten sie den Staatspreis für ein Sitzliegemöbel.

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