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Franz-Karl-Effenberg-Hof

Fakten

Franz-Karl-Effenberg-Hof

Ziegelhofstraße 32-34, 1220 Wien

Baujahr: 1972-1974

Wohnungen: 481

Architekt: Peter Payer, Oskar Payer

Weitere Adressen

Pirquetgasse 5, 1220 Wien

Prinzgasse 2, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Der Franz-Karl-Effenberg-Hof wurde gemeinsam mit der Anlage Quadenstraße 65-67 als 2. Bauteil der Plattenbausiedlung "Ziegelhofstraße" projektiert und von der gemeindeeigenen Plattenbaufirma Montagebau Wien GmbH auf vormals von Hirschstettner Landwirten genutzten Flächen errichtet.

Die Architektur

Der Franz-Karl-Effenberg-Hof zählt zur zweiten Generation der Wiener Plattenbausiedlungen. Bedingt durch die stärker werdende Kritik an der frei stehenden Zeilenbebauung der ersten Generation wurde nunmehr versucht, an das traditionelle Wiener Modell der Hofbebauung anzuschließen und daher schloss man die orthogonal stehenden Scheibenbauten zu einer hofbildenden Bebauung zusammen. Darüber hinaus zeichnet sich die zweite Phase des Wiener Plattenbaus durch die Abkehr von den ausschließlich vier- und neungeschoßigen Wohnbauten aus. Davon versprach man sich mehr Variabilität. Die Siedlung besteht aus insgesamt 18 Stiegenhäusern, die zu zwei Gebäudegruppen zusammengefasst sind. Bereits beim 6. Bauteil der Großfeldsiedlung bzw. beim 1. Bauteil dieser Siedlung angewendet, kommt hier ein spezieller Eckhaustyp zum Einsatz, der sowohl T-förmige Gebäudeblöcke (der südliche Block an der Ecke Kollgasse/Pirquetgasse) als auch eine zickzack-förmige Bebauung entlang der Ziegelhofstraße ermöglicht. Bedingt durch die Anordnung der einzelnen, sieben- bis elfgeschoßigen Häuser ist es trotz industrieller Herstellung gelungen, eine Hofsituation zu erzeugen. Im direkten Anschluss an den südlichen Block bis hin zur Pirquetgasse befindet sich eine eingeschoßige, zweiläufige Geschäftspassage. Die Lochfassaden - benannt nach der Vielzahl an gleichförmig angeordneten Fensteröffnungen - der verbindenden Baukörper sind unstrukturiert, lediglich die Geländer der zur Gänze in die Gebäudekubatur integrierten Loggien setzen farbliche Akzente. Die Fassaden des Eckhaustyps sind durch Risalite gegliedert. Die Wohngebäude sind allesamt unterkellert, wobei der Keller ein halbes Geschoß aus dem Terrain ragt, was wiederum die - auch farblich abgesetzte - Sockelzone bildet. Durch die bereits durchgeführte thermische Sanierung ist die für die Fertigteilbauweise typische Fassadenrasterung nicht mehr sichtbar. Die Eingänge sind mit von zwei Stahlsäulen gestützten Betonvordächern markiert.

... und die Kunst

Etwa in der Mitte der Wohnhausanlage direkt an der Ziegelhofstraße befindet sich die von Walter Auer im Jahr 1972 gestaltete Natursteinplastik mit dem Titel "Bewegung". Die Außenwandplatten, in welchen sich die Hauseingangstüren befinden, sind noch original mit einer Glasmosaikoberfläche versehen. An dieser sind auch die künstlerisch gestalteten Hauszeichen befestigt. Diese sollen aufgrund der Uniformität der Fertigteilbauten den Bewohnern als Orientierungshilfe dienen. Für die insgesamt 18 Hauseingänge haben die Künstler Harnun Ghulam Barabbas und Erna Frank Hauszeichen gestaltet.

Der Name

Die Wohnhausanlage in der Ziegelhofstraße 32-34 wurde im Sommer 2010 nach Franz-Karl Effenberg (1948-2005) benannt. Franz-Karl Effenberg arbeitete von 1973 bis 1980 in der Finanzverwaltung der Stadt Wien. In Wien-Donaustadt übte er seit 1978 das Mandat eines Bezirksrates der SPÖ aus. 1991 wechselte Effenberg als Mandatar in den Wiener Gemeinderat, wo er unter anderem als Vorsitzender im Ausschuss Umwelt und Verkehrskoordination tätig war. Daneben war Franz-Karl Effenberg auch Vorsitzender des Kleingartenbeirates, wo er für 60.000 Wiener Kleingärtner zuständig gewesen ist. Im Jahr 1998 wurde Franz-Karl Effenberg Bezirksvorsteher in der Donaustadt. Zu seinen politischen Erfolgen zählt unter anderem sein Engagement für die Errichtung des Nationalparks Donauauen, wie auch die konsequente Zusammenarbeit mit den niederösterreichischen Nachbargemeinden und Bezirken. In seine Amtszeit fallen z.B. die Eröffnung des Andromeda Towers, sowie die Fertigstellung des Wohnpark Donaucity.

Sanierung

von 1999 bis 2001

Der Franz-Karl-Effenberg-Hof wurde in den Jahren 1999 bis 2001 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 3.848.400 Euro, davon konnten 1.282.800 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Peter Payer - Peter Payer wurde am 5. Dezember 1932 in Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der angewandten Kunst in Wien und diplomierte im Jahr 1956 bei Prof. Franz Schuster. Gleich seinem Vater Oskar Payer konzentrierte er sich auf die Verbesserung der Wohnkultur sowie die Rationalisierung des Wohnungsbaus. Zahlreiche Publikationen zeugen vom Engagement der beiden Architekten. Neben der Planung Tausender Wohnungen für die Gemeinde Wien entwarfen Oskar und Peter Payer auch Möbel und gründeten das Einrichtungshaus "Payer-Dekor". Im Jahr 1970 erhielten sie den Staatspreis für ein Sitzliegemöbel.

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

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