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Wagramer Straße 95

Fakten

Wagramer Straße 95

Wagramer Straße 95, 1220 Wien

Baujahr: 1966-1968

Wohnungen: 202

Architekt: Herbert Prehsler, Eduard F. Sekler

Weitere Adressen

Lenkgasse 2, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Der Wohnbau liegt direkt an der Wagramer Straße, die von der Alten Donau über Kagran in Richtung Marchfeld führt. Nordöstlich befindet sich der Kagraner Platz, der das einstige Ortszentrum der ehemaligen Gemeinde Kagran darstellt. Um die Jahrhundertwende beschränkte sich die Verbauung der Straße vor allem auf den Teil, wo die Wagramer Straße in den Platz mündet. Auf der anderen Straßenseite, direkt gegenüber dem betreffenden Gebäude, gab es zur damaligen Zeit eine Gummiwarenfabrik. In den 1960er-Jahren wurde im Anschluss an einen älteren Wohnbau die heutige Wohnhausanlage errichtet.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus drei autonomen Bauteilen, die in Zeilenbauweise angelegt sind. Die einzelnen Häuser sind über einem rechteckigen Grundriss erbaut und stehen parallel zueinander. Im Nordosten schließt eine weitläufige Wohnhausanlage aus den 1920er-Jahren an diesen Wohnbau an. Die Anlage besticht vor allem aufgrund der Höhe der einzelnen Wohntrakte (acht Geschoße!). Die Fassade gliedert sich in mehrere Fensterachsen, wobei die Öffnungen knapp in die glatte Wandfläche eingeschnitten sind. An den Längsseiten der Fassaden strukturieren jeweils zwei Achsen mit Loggien die Wand, an den Schmalseiten verhelfen weitere Loggien den Gebäuden zu einem plastischeren Erscheinungsbild. Ein System aus bepflanzten Grünflächen und Wegen verbindet die Häuser und bereichert die Anlage. Entlang der Lenkgasse sind die einzelnen Gebäude durch Pergolen miteinander verbunden.

... und die Kunst

Zwischen dem Wohnbau und der Wagramer Straße gibt es eine Brunnenanlage mit einer Bronzeplastik aus den Jahren 1966 - 1969. Das gesamte Werk stammt von Wander Bertoni (geb. 1925) und trägt den Titel "Wagramer Brunnen". Die Form der Plastik erinnert ein wenig an die Form eines Eies, besitzt der Künstler doch eine der größten Eiersammlungen weltweit.

Der Name

Die Straße, in der der Wohnbau steht, trug um 1830 den Namen Hollitscher Straße und wurde später in Kagraner Straße und Leopoldauer Straße umbenannt. Danach wurde sie unter dem Namen Kagraner Reichsstraße und Süßenbrunner Straße geführt. Seit 1910 ist sie nach dem Ort Wagram in Niederösterreich, in dessen Richtung die Straße verläuft, benannt.

Sanierung

von 2001 bis 2003

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2003 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.290.200 Euro, davon konnten 430.066 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Herbert Prehsler - Herbert Prehsler (geb. 1926) studierte bis 1951 an der Technischen Hochschule Wien. Zunächst arbeitete er in Partnerschaft mit Eduard F. Sekler. Als selbständiger Architekt plante er vor allem Industriebauten, wie etwa mehrere ORF-Sendeanlagen. Seine bedeutendsten Leistungen liegen aber im Bereich von Renovierungsarbeiten. Von 1977 bis 1989 war er mit der Renovierung des Palmenhauses im Schlossgarten von Schönbrunn beschäftigt. Im Anschluss daran erfolgte die Renovierung des Palmenhauses im Burggarten.

Eduard F. Sekler - Eduard F. Sekler (geb. 1920) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien und Architekturgeschichte am Warburg Institute der Universität London, wo er 1948 promovierte. Bereits ab 1945 war er als freiberuflicher Architekt in Wien tätig und als solcher an der Assanierung von Alt-Erdberg beteiligt. 1955 wurde er an die Harvard University in Cambridge berufen, wo er bis zu seiner Pensionierung 1991 als Professor an der Graduate School of Architecture lehrte. Sekler publizierte bedeutende Bücher zum Werk von Le Corbusier, Josef Hoffmann und Christopher Wren. Außerdem war er in der UNESCO-Kommission für Denkmalpflege tätig.

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