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Steigenteschgasse 136-140

Fakten

Steigenteschgasse 136-140

Steigenteschgasse 136-140, 1220 Wien

Baujahr: 1924-1924

Wohnungen: 23

Architekt: Karl Schartelmüller

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In den 1920er-Jahren wurde auf dem Gelände eines ehemaligen abgabefreien Gutshofes in Kagran eine der größten Wohnsiedlungen Wiens errichtet. Im Jahr 1923 entstanden zuerst 99 Wohnhäuser für die Gemeindebediensteten des Elektrizitätswerkes, des Gaswerkes und der Straßenbahn. In weiterer Folge wurde die Anlage unter Beteiligung der Genossenschaften "Mein Heim", "Aus eigener Kraft" und "Am Freihof" mehrfach erweitert und umfasst heute 1014 Wohnungen, die in insgesamt 687 Häusern untergebracht sind. Der Großteil der Häuser ist mit ein bis zwei Geschoßen relativ niedrig angelegt und entspricht dem Konzept einer Gartenvorstadt. Besonderes Augenmerk wurde auf die gärtnerische Ausgestaltung der vorhandenen Straßen und Grünflächen gelegt.

Die Architektur

Der Wohnbau liegt an der Ecke Steigenteschgasse/Siebenbürgerstraße und ist Teil der Siedlung "Am Freihof". Die Freihofsiedlung wurde in den 1920er-Jahren auf einem 51 ha großen Gelände angelegt. Im Sinne der Gartenstadt-Bewegung wurden damals zahlreiche Reihenhäuser errichtet, die mit großen Gärten ausgestattet wurden. Die Steigenteschgasse ist neben der Kraygasse einer der Hauptverkehrswege der Siedlungsanlage. Der betreffende Wohnbau liegt am östlichen Ende der Freihofsiedlung. Vor dem Wohnbau ist eine Grünfläche angelegt, die das Haus vom Straßenlärm abschirmt. Die Stiegenhäuser sind direkt über die Steigenteschgasse zugänglich. Die Anlage verfügt über zwei Geschoße und besticht vor allem durch die schlichte Gestaltung. Die Fassade wird durch regelmäßige Fensterachsen gegliedert, wobei die Öffnungen scharf in die glatte Wandfläche eingeschnitten sind. Die Portalzone ist besonders aufwändig gestaltet, der Bereich um die Eingangstür ist mit einer Sichtziegelverkleidung versehen. An den beiden Hausecken sind die je zwei Fenster miteinander verbunden, in dem sie von einem rahmenden Gesims umfangen sind. Die gesamte Anlage wird von einem durchlaufenden Walmdach ergänzt, das mit einem polygonalen Dacherker über dem mittleren Stiegenaufgang ausgestattet ist.

Der Name

Die Gasse, in der der Wohnbau steht, wurde ursprünglich als Kainzgasse bezeichnet. Seit 1909 ist sie nach dem Generalmajor August Ernst Freiherr von Steigentesch (1774 - 1826) benannt. Er diente unter Erzherzog Karl in den Napoleonischen Kriegen und avancierte zum Generaladjutanten von Fürst Schwarzenberg. Neben seiner militärischen Laufbahn war er auch als Schriftsteller und Verfasser zahlreicher Lustspiele tätig.

Sanierung

von 1987 bis 2002

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2002 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Erneuerung von Dach, Fenstern und Türen umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade. Außerdem wurden in die Wohnungen Gas-Kombi-Thermen eingebaut. Die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen betrugen 1.861.642 Euro, davon konnten 1.412.072 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Schartelmüller - Karl Schartelmüller (1884-1947) studierte zunächst Maschinenbau und im Anschluss Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1911 seinen Abschluss machte. Danach war er zwei Jahre als Assistent an der Technischen Hochschule beschäftigt und begann 1913 bei der Gemeinde Wien im Bereich Stadtplanung und Stadtregulierung zu arbeiten. Unter dem NS-Regime zwangspensioniert, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Leiter der Wiener Stadtplanung und Stadtregulierung berufen. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er vor allem für die Bestandsaufnahme der Bombenschäden in Wien verantwortlich und maßgeblich an den städtebaulichen Ausschreibungen für den Karlsplatz, den Stephansplatz und die Gestaltung der Donauufer beteiligt. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Siedlung "Lockerwiese" in Wien 13 (1928-1932) und die Siedlung "Am Freihof" in Wien 22 (1923-1930).

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