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Rugierstraße 26

Fakten

Rugierstraße 26

Rugierstraße 26, 1220 Wien

Baujahr: 1967-1968

Wohnungen: 168

Architekt: Peter Payer, Oskar Payer

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Rugierstraße 26 wurde als dritte Bauetappe des nördlichen Bauteils der ersten Plattenbausiedlung "Siebenbürgerstraße/Erzherzog-Karl-Straße" auf einer zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche errichtet. Bei den ersten Planungen für das Areal Anfang 1964 waren 212 Wohnungen, bestehend aus fünf viergeschoßigen Wohnblöcken, vorgesehen.

Die Architektur

Auf dem Grundstück vis-a-vis des Geländes der ehemaligen Plattenbaufabrik "Montagebau Wien GmbH" wurden vier Wohnblöcke in Plattenbauweise errichtet. Die Wohnhausanlage zählt zur ersten Generation der Wiener Plattenbausiedlungen, die vorrangig durch die freistehende Zeilenbebauung gekennzeichnet ist. Die geradlinigen Baukörper liegen ausschließlich parallel bzw. orthogonal zueinander und sind Ausdruck einer äußerst rationellen Bauweise. Ein Block mit sechs Häusern liegt parallel zur Rugierstraße, die anderen drei Wohnblöcke mit jeweils drei Häusern sind orthogonal dazu angeordnet.

Die viergeschoßigen Wohngebäude sind unterkellert, wobei der Keller um ein halbes Geschoß aus dem Terrain ragt und so die Sockelzone bildet. Die Fassadenrasterung als typische Erscheinungsform für in Plattenbauweise errichtete Wohngebäude wurde bei der Ende der 1990er-Jahre durchgeführten thermischen Sanierung überdeckt. Lediglich im Sockelbereich ist die Fugenteilung noch ersichtlich, da hier keine Wärmedämmung angebracht wurde.

Die Nordfassaden der drei parallelen Blöcke sind im Bereich der Hauseingänge über eine Breite von jeweils 9 Meter durch rund 30 cm aus der Fassade vorspringende Risalite gegliedert. Den Abschluss des Flachdaches bildet ein umlaufendes, gesimsartiges, etwa 40 cm hohes Farbband. Zwei von Stahlsäulen gestützte Betonvordächer kennzeichnen die Eingänge zu den insgesamt 18 Stiegenhäusern. Die darüber gelegenen Stiegenhausfenster sind mit vertikalen, gefärbten Putzstreifen hinterlegt.

... und die Kunst

Die Außenwandplatten, in denen sich die Hauseingangstüren befinden, sind noch original mit einer hellbraunen Glasmosaikoberfläche versehen. Hier sind auch die künstlerisch gestalteten Hauszeichen zu finden. Diese sollten aufgrund der Einförmigkeit der Fertigteilbauten den Bewohnern als Orientierungshilfe dienen. Während die Stiegen 1 bis 12 Mosaikkunstwerke von Rosita Salem aufweisen, wurden die übrigen sechs Hauszeichen von Hannes Neubauer gestaltet.

Der Name

Die ehemalige Stadtlauer Straße wurde im Jahr 1910 in Rugierstraße umbenannt. Die Rugier waren ein ostgermanischer Stamm, der in vorgeschichtlicher Zeit in Pommern und wahrscheinlich auch in Rügen ansässig war, ehe sie im 4. Jahrhundert in Richtung Süden abwanderten und sich in Niederösterreich niederließen. In den Jahren 487 bis 488 wurde das Reich der Rugier von Odoaker zerstört.

Sanierung

von 1987 bis 2003

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 1987 und 1988 diverse Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Kosten beliefen sich auf 834.575 Euro, davon konnten 582.533 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Von 2002 bis 2003 wurden die Fenster und Türen erneuert, darüber hinaus wurde die Wohnhausanlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Peter Payer - Peter Payer wurde am 5. Dezember 1932 in Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der angewandten Kunst in Wien und diplomierte im Jahr 1956 bei Prof. Franz Schuster. Gleich seinem Vater Oskar Payer konzentrierte er sich auf die Verbesserung der Wohnkultur sowie die Rationalisierung des Wohnungsbaus. Zahlreiche Publikationen zeugen vom Engagement der beiden Architekten. Neben der Planung Tausender Wohnungen für die Gemeinde Wien entwarfen Oskar und Peter Payer auch Möbel und gründeten das Einrichtungshaus "Payer-Dekor". Im Jahr 1970 erhielten sie den Staatspreis für ein Sitzliegemöbel.

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

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