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Wagramer Straße 164-168

Fakten

Wagramer Straße 164-168

Wagramer Straße 164-168, 1220 Wien

Baujahr: 1959-1960

Wohnungen: 84

Architekt: Karl H. Brunner

Weitere Adressen

Rolandgasse 2, 1220 Wien

Lorenz-Kellner-Gasse 17, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

In unmittelbarer Nähe der Wohnhausanlage befindet sich der Kagraner Platz, der das einstige Zentrum der ehemaligen Ortschaft Kagran darstellte. Der Wohnbau liegt an der Wagramer Straße, die von der Alten Donau über den Kagraner Platz Richtung Marchfeld führt. Um die Jahrhundertwende beschränkte sich die Verbauung der Wagramer Straße vor allem auf das Gebiet nahe dem Kagraner Platz - im Südosten gab es zu dieser Zeit direkt neben dem heutigen Wohnbau ein Bürgerspital. Die betreffende Anlage wurde im Jahr 1959 auf einem leer stehenden Gelände errichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus vier autonomen Bauteilen, die sich von der Wagramer Straße Richtung Osten erstrecken. Die einzelnen Wohntrakte verlaufen auf einem rechteckigen Grundriss und sind parallel zueinander angeordnet. Der Wohnbau weist eine schlichte und zurückhaltende Gestaltungsweise auf, die durch farbige Mosaike über den Stiegenaufgängen belebt wird. Alle Gebäude verfügen über drei Geschoße und werden von einem Giebeldach abgeschlossen. Die Fassaden gliedern sich in Fensterachsen mit scharf in die glatte Wandfläche eingeschnittenen Öffnungen. Die Formen der Fenster sorgen für einen abwechslungsreichen Eindruck - es gibt sowohl ein- als auch zwei- und dreiteilige Fenster. Zwischen den einzelnen Wohntrakten sind Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern angelegt, die eine Bereicherung für die Anlage darstellen. Im Hofbereich sind die Fassaden zusätzlich mit einzelnen Balkonen ausgestattet.

... und die Kunst

Die Stiegenaufgänge der einzelnen Wohntrakte sind an der jeweils westlichen Fassade mit Mosaikbildern verziert. Die insgesamt acht Mosaik-Supraporten (1959/60) zeigen unterschiedliche Motive, die sich auf das harmonische und häusliche Zusammenleben beziehen. Vier Darstellungen widmen sich dem Thema "Familie" und stammen von Arik Brauer, Eugenie Deutsch, Georg Prevetz und Axl Leskoschek. Die beiden Mosaike mit den Titeln "Märchenstunde" und "Sandkasten" wurden von Josef Lacina angefertigt. Die Supraporten mit den Mosaiken "Die Familie" und "Erste Schritte" wurden von Sepp Mayrhuber gestaltet.

Der Name

Die Wagramer Straße hieß um 1830 Hollitscher Straße und wurde später in Kagraner Straße bzw. Leopoldauer Straße umbenannt. Danach trug sie den Namen Kagraner Reichsstraße und Süßenbrunner Straße. Seit 1910 ist sie nach dem Ort Wagram in Niederösterreich, in dessen Richtung die Straße verläuft, benannt.

Architekten

Karl H. Brunner - Karl Heinrich Brunner (1887-1960) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1924 im Bereich Städtebau und Baupolitik auch habilitierte. Im Ersten Weltkrieg mit der Errichtung diverser Versorgungsbauten und Gefangenenlagern beschäftigt, avancierte Brunner nach 1918 durch seine theoretische Arbeit und zahlreichen Publikationen zu einem anerkannten Städtebau-Experten. In den 1930er-Jahren wurde er als städtebaulicher Berater nach Chile und Kolumbien berufen, wo er auch eine Professorenstelle erhielt und den Zweiten Weltkrieg verbrachte. Nach 1945 kehrte Brunner nach Wien zurück, um als Leiter der Wiener Stadtplanung den Wiederaufbau der Stadt zu koordinieren. Zwischen 1953 und 1960 war er als freischaffender Architekt an der Errichtung zahlreicher Gemeindewohnbauten, wie etwa an den Wohnhausanlagen Wagramer Straße/Lorenz-Kellner-Gasse in Wien 22 und Dunantgasse/Bunsengasse in Wien 21, beteiligt.

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