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Eßlinger Hauptstraße 76

Fakten

Eßlinger Hauptstraße 76

Eßlinger Hauptstraße 76, 1220 Wien

Baujahr: 1953-1958

Wohnungen: 79

Architekt: Camillo Fritz Discher

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnhausanlage am Stadtrand von Wien im Zentrum der Ortschaft Eßling wurde in zwei Etappen erbaut. Zuerst wurden 1953/54 südlich der Eßlinger Pfarrkirche zwei langgestreckte Hauszeilen errichtet. Daran angrenzend erweiterte der Architekt Camillo Fritz Discher, der bereits für den ersten Bauteil verantwortlich zeichnete, in den Jahren 1956 bis 1958 die Wohnhausanlage um zwei miteinander verbundene Gebäude, die bis zur Eßlinger Hauptstraße reichen. Den Bauplänen ist noch eine dritte Ausbaustufe um eine weitere Zeile zu entnehmen, die jedoch nie ausgeführt wurde.

Die Architektur

Die zweigeschoßige Wohnhausanlage im Ortskern von Eßling entspricht in ihrer schlichten Gestaltungsweise der Architektur der Wiederaufbauzeit der ersten Hälfte der 1950er-Jahre. Die in drei leicht fächerförmig angeordnete Zeilen gegliederte Siedlung umfasst insgesamt zwölf Stiegen und zeigt auch nach der Sanierung in ihrer Grundstruktur noch einige der sparsamen Gestaltungsmerkmale der Erbauungszeit. So sind die Gebäudesockel, die Türumfassungen, die Faschen der französischen Fenster sowie die Fassade des Postamtes am Bauteil an der Eßlinger Hauptstraße aus Kratzbeton gefertigt. Sämtliche Gebäude am alten Kirchenplatz weisen ein teilweise ausgebautes Dachgeschoß auf und werden von einem Walmdach nach oben hin abgeschlossen.

Der Name

Die Benennung der Eßlinger Hauptstraße erfolgte zur Erinnerung an den bereits um 1250 urkundlich erwähnten Ort "Ezzelaren" bzw. " Eselaren". Unter den Nationalsozialisten wurde Eßlingen im Jahr 1938 in Eßling umbenannt, um angeblich Verwechslungen mit Eßlingen am Neckar zu vermeiden.

Sanierung

von 1989 bis 1991

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1989 bis 1991 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurden in die Wohnungen Gas-Kombi-Thermen eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 454.496 Euro, davon konnten 356.779 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

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