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Konstanziagasse 44

Fakten

Konstanziagasse 44

Konstanziagasse 44, 1220 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 123

Architekt: Peter Behrens

Weitere Adressen

Wurmbrandgasse 18-22, 1220 Wien

Hans-Steger-Gasse 15-21, 1220 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage in Stadlau, einem Anfang des 20. Jahrhunderts von Landwirtschaft und noch mehr von Industrie dominierten Stadtteil Wiens, befand sich an der Grenze eines verhältnismäßig wenig verbauten Gebietes. Der Gemeindebau war ursprünglich in viel größerem Umfang geplant, musste jedoch unter anderem auf Grund von Grundbesitzverhältnissen kleiner ausgeführt werden. Ursprünglich beherbergte die Anlage zwei Wohnhaustrakte, ein Kindergartengebäude und einen Saalbau sowie Räume für die Straßenreinigung, die Feuerwache Stadlau, eine Mütterberatungsstelle, eine Bibliothek und einige Werkstätten.

Die Architektur

Die dreigeschoßige Wohnhausanlage mit teilweise ausgebautem Dachgeschoß wurde in den Jahren 1924-25 vom bekannten Architekten Peter Behrens errichtet. Der Gemeindebau setzt sich aus zwei nahezu symmetrischen, jeweils um einen Hof gruppierten Wohntrakten gegen die Konstanziagasse sowie einem niedrigeren Kindergartentrakt gegen die Wurmbrandgasse und einem frei stehenden Gebäudeteil mit großem Saalbau an der hinteren Grundstücksgrenze zusammen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die großflächig verglasten, das Kranzgesims unterbrechenden Stiegenhäuser mit ihren schmalen kurzen Gesimsbändern. Die Gestaltung der Treppentürme belebt die an sich sehr schlicht gehaltene Wohnhausfassade und verleiht dem Bau sein typisches Gepräge.

Der Name

Die Konstanziagasse - ehemals Schulgasse - trägt seit 1910 ihren heutigen Namen. Sie ist nach Konstanzia, einer Schwester des letzten Babenbergerherzogs Friedrich II., "dem Streitbaren", benannt. Anlässlich der Hochzeit von Konstanzia fanden am 1. Mai 1234 Ritterspiele in Stadlau statt.

Sanierung

von 1993 bis 1996

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1996 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2.977.624 Euro, davon konnten 2.586.874 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Peter Behrens - Peter Behrens (1868-1940) studierte ursprünglich Malerei und kam erst später durch Selbststudien zur Architektur. Durch seine Tätigkeit für die AEG (Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft), für die er in seiner Funktion als "künstlerischer Beirat" ab 1907 sowohl als Architekt als auch als Produktgestalter tätig war, gilt er als Begründer des modernen Industriedesigns. Die nach seinen Entwürfen entstandene AEG Montagehalle in Berlin ist eines der Hauptwerke der modernen Architektur. In seinem Architekturbüro lernten die wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts ihr Handwerk: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. 1922 übernahm Behrens in Wien den Lehrstuhl Otto Wagners. Sein bedeutendstes Werk in Österreich ist die Zigarettenfabrik der Österreichischen Tabakgesellschaft in Linz (1929-1935).

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