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Bebel-Hof

Fakten

Bebel-Hof

Steinbauergasse 36, 1120 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 316

Architekt: Karl Ehn

Weitere Adressen

Aßmayergasse 13-21, 1120 Wien

Längenfeldgasse 20, 1120 Wien

Klährgasse 1, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Areal, auf dem der Bebelhof errichtet wurde, war bereits um die Jahrhundertwende verbaut, die kleinen Wohnhäuser mussten aber 1925 dem Großbau von Karl Ehn weichen. Der Bebelhof war in den Februarkämpfen 1934 Schauplatz des Bürgerkriegs. Trotz heftiger Kämpfe wurde die Anlage kaum beschädigt. Und auch den Zweiten Weltkrieg überstand der Bebelhof im Gegensatz zum benachbarten Lorenshof relativ unbeschadet. Bald nach dem Krieg wurden im Dachgeschoß gassenseitig Wohnungen eingebaut, 1993 wurde der Dachausbau hofseitig erweitert.

Die Architektur

Das trapezförmige Grundstück wird von der riesigen Blockrandverbauung entlang der Steinbauergasse, der Längenfeldgasse, der Klährgasse und der Aßmayergasse vollkommen umschlossen. Das Gebäude ist in 21 Stiegen aufgeteilt. Die monumental gestaltete Hauptfassade mit einer Terrasse und Beton-Pergolen auf dem vorspringenden Erdgeschoß liegt in der Steinbauergasse. Über die ganze Länge ist eine Geschäftszone integriert und im Mittelteil ist eine breite Toreinfahrt eingeschnitten. Im Rücksprung der Wand darüber erheben sich zwei Spitzerker bis zum Dachgeschoß, flankiert von ebenso hohen Runderkern. Über dem Dachgeschoß gibt es noch einen Dachaufbau über eine Breite von acht Fensterachsen mit sehr hohen Fahnenstangen zu beiden Seiten. Die Mittelzone wurde durch diesen Aufbau auf dieselbe Höhe gebracht wie der eingestellte siebengeschoßige Eckturm an der Aßmayergasse. Durch den Dachgeschoßwohnungsausbau in den 1990er-Jahren wurde dieser Dachaufbau nochmals erhöht, und beiderseits mit noch höheren Windfängen versehen, sodass heute sogar der markante achtgeschoßige Eckturm an der Längenfeldgasse überragt wird. Die Anzahl der Geschoße in der Steinbauergasse und in der Längenfeldgasse ist gegenüber den beiden anderen Trakten um eines erhöht. Alle vier gassenseitigen Fassaden sind durch seichtes Vorkragen der einzelnen Geschoße, die nach oben hin immer weiter vortreten, und die sich daraus ergebende Geschoßteilung horizontal betont. An allen Ecken des Gebäudes sind im Erdgeschoß kräftige Pfeiler angesetzt, die ein optisches Gegengewicht zur Fassadenauskragung bilden. An der Ecke Längenfeldgasse/Klährgasse fällt ein leicht schräg angesetzter Vorbau ins Auge, der auf einem kurzen, aber massiven spitzbogigen Arkadengang mit Pfeilern aufsitzt. In dessen Kreuzgratgewölbe befinden sich zwei sternförmige Schlusssteine mit grotesken Köpfen.

Durch das Tor in der Steinbauergasse kommt man in einen großen, begrünten Innenhof mit einer zentral gelegenen, kreisförmig zementierten Pergola, in deren Mitte ein spiralig angelegtes Steinobjekt von Mario Petrucci steht. Der Hof ist mit spitzbogig durchbrochenen Ummauerungen der Mülltonnenbereiche, mit Gehwegen, steinernen Pergolen und Laternenpfeilern zusätzlich strukturiert. Die Hoffassaden werden durch lange, kubisch vortretende Balkonbänder horizontal betont, an manchen Stellen werden auch vertikale kubische Wandstücke eingesetzt, die die Geschoße stufig verbinden. Besonders die regelmäßig verästelten Balkonstrukturen im Bereich neben der Hofeinfahrt und die langen Balkonbänder scheinen Fassadenstrukturen des St. Marx-Hofes vorwegzunehmen. In den 1990er-Jahren wurden hohe Aufzugstürme vor die Stiegenaufgänge im Hof gestellt, die die langen Balkonbahnen durchschneiden. Auch hofseitig fällt die nach oben vorkragende Geschoßteilung auf.

... und die Kunst

Im Hof gibt es zwei Objekte von Mario Petrucci: die "Rutschbahn" mit der Aufschrift "Vergiss nicht, dass auch du einmal ein Kind warst" und den "Trinkbrunnen". Für diesen Zierbrunnen gibt es außerdem noch eine Plastik von Josef Riedl, benannt "Kugelfisch".

In der Einfahrt fallen expressiv geformte Lampen auf.

Der Name

August Bebel (1840-1913) war der Begründer und Führer der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland. In der Einfahrt ist seine Gedenktafel angebracht.

Sanierung

von 1995 bis 1997

Im Bebelhof wurde in den Jahren 1995 bis 1997 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, zudem wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 24 neue Wohnungen. Bereits 1987 wurde begonnen, die Stiegenhäuser mit Aufzügen auszustatten. Die Kosten beliefen sich auf 12.142.395 Euro, davon konnten 8.798.860 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

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