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Ödenburger Straße 73-85

Fakten

Ödenburger Straße 73-85

Ödenburger Straße 73-85, 1210 Wien

Baujahr: 1961-1962

Wohnungen: 323

Architekt: Elfriede Beissel, Robert Steinhardt, Karl Musel, Maximilian (Max) Bauer, Hans Zahlbruckner

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Der Wohnbau liegt in der ehemaligen Gemeinde Großjedlersdorf, die seit 1904 Teil des Bezirkes Floridsdorf ist. In der Umgebung der heutigen Wohnhausanlage gab es um die Jahrhundertwende ausschließlich unverbaute landwirtschaftliche Nutzflächen. So verliefen nahe der Anlage sowohl die Flur Schwemmäcker als auch das Gelände der so genannten Winkeläcker. Der heutige Wohnbau wurde in den 1960er-Jahren auf einem frei liegenden Baugrund errichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage aus den 1960er-Jahren erstreckt sich von der Ödenburger Straße aus in Richtung Westen und setzt sich aus mehreren autonomen Bauteilen zusammen. Die einzelnen Wohnbauten weisen rechteckige Grundrisse auf und stehen parallel zueinander. Die Anlage besteht aus elf Gebäuden mit jeweils drei Geschoßen, die mit Wohnungen ausgestattet sind. Im Westen liegen zwei Reihenhäuser mit nur zwei Geschoßen, die eine geringere Anzahl von Wohnungen beherbergen. Im Zentrum befinden sich zwei einstöckige Gebäude, die für Wohnungen für ältere Menschen genutzt werden. Im Anschluss daran steht ein ebenerdiges Haus, in dem Geschäftslokale untergebracht sind.

Die Wohnhausanlage zeichnet sich vor allem durch eine zurückhaltende Gestaltungsweise aus, der ein schlichter Funktionalismus zu Grunde liegt. Unregelmäßig angeordnete Fenster- und Balkonachsen gliedern die Fassaden. Balkone und Loggien sorgen für Abwechslung und lockern den schlichten Wohnbau auf. Zwischen den einzelnen Bauteilen sind Wege angelegt, die zu den Stiegenaufgängen führen. Mehrere Grünflächen und Spielplätze bereichern und beleben die gesamte Anlage.

... und die Kunst

Im Zentrum der Wohnhausanlage befindet sich ein rechteckiger Pfeiler, der die Entfernungen von Wien zu anderen Städten anzeigt. Die Plastik (1963) von Hermann Kosel zeigt sowohl den Namen der betreffenden Stadt und die Kilometerangabe als auch ein Bild mit einem Einwohner in typischer Tracht. Weiters ist eine Plastik von Leopold Hohl aufgestellt, die "Lauernde Löwinnen" (1963) darstellt.

Der Name

Die Ödenburger Straße ist seit 1913 nach der ungarischen Stadt Sopron (deutsch: Ödenburg) benannt. Die Stadt liegt im Westen von Ungarn und gilt aufgrund der deutschen Minderheit offiziell als zweisprachig.

Sanierung

von 2017 bis 2020

In der Wohnhausanlage sind Erhaltungsarbeiten geplant. Unter anderem wird die Dämmung der oberen Geschoßdecke vorgenommen, die Fenster und Türen werden getauscht und die Haustechnik instandgesetzt und erweitert.

Architekten

Elfriede Beissel - Elfriede Beissel (geb. Scharf, 1923; verh. Lauber) studierte ab 1942 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war sie unter anderem in einer größeren Arbeitsgemeinschaft an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Ödenburger Straße 73-85 in Wien 21 (1961/62) beteiligt.

Robert Steinhardt - Robert Steinhardt (geb. 1923 in Wien) studierte von 1945 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst in verschiedenen Architekturbüros und machte sich 1955 als Architekt selbstständig. Robert Steinhardt errichtete vor allem Wohnbauten, wie etwa die für die Gemeinde Wien in einer Arbeitsgemeinschaft realisierte Anlage Ödenburger Straße 73-85 in Wien 21 (1961/62). Robert Steinhardt ist seit 1993 im Ruhestand.

Karl Musel - Über die Ausbildung des in Graz geborenen Architekten Karl Musel (1904-1970) gibt es keine Daten. Für die Gemeinde Wien war er vor allem in den 1950er- und 60er-Jahren an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Anton-Figl-Hof in Wien 14, Hernstorferstraße 22-32 (1956-1958), und am Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966).

Maximilian (Max) Bauer - Maximilian Bauer (geb. 1922) studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an den Entwürfen zu mehreren großen Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa zum Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966) und zur Anlage Krottenbachstraße 42-46 in Wien 16 (1956-1958).

Hans Zahlbruckner - Hans Zahlbruckner (geb. 1920 in Pottendorf) studierte ab 1944 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Arbeitsgemeinschaften plante er für die Gemeinde Wien unter anderem den Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966), und die Wohnhäuser Ödenburger Straße 73-85 in Wien 21 (1961/62) und Schlöglgasse 71 in Wien 12 (1959).

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