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Scheydgasse 3-15

Fakten

Scheydgasse 3-15

Scheydgasse 3-15, 1210 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 36

Architekt: Hans Richter, Fritz Sammer

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Ansiedlungen von Fischern auf dem Areal der heutigen Scheydgasse sind bereits im 14. Jahrhundert dokumentiert. Auf Grund zahlreicher Überschwemmungen war dieses Areal nahe der Donau als Wohngebiet jedoch lange Zeit nur bedingt geeignet. Im letzten Jahrhundert wurde das Gebiet rund um die Scheydgasse zunehmend industriell genutzt. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges befand sich hier und in der Autokaderstraße der Autokader, welcher zur Instandhaltung der Heeresfahrzeuge diente. Das Wohnhaus befindet sich auch unweit der Nordwestbahn und der Haltestelle Strebersdorf. An den nahe gelegenen Eisenbahnerberg erinnert die Gassenbezeichnung "Am Eisenbahnerberg" an der linken Seite der Wohnanlage. Diese wurde ab 1928 errichtet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das umgebende Areal, wie der gesamte XXI. Bezirk, als letzter Stützpunkt der deutschen Wehrmacht in Wien massiv von Kriegsschäden betroffen. Auch die Luftangriffe 1944 und 1945 versehrten diesen Teil von Strebersdorf. Die Wohnanlage überdauerte die Kriegshandlungen glücklicherweise unbeschädigt und wurde 2002 unter Denkmalschutz gestellt. Heute befindet sich die Anlage in nächster Nähe zu dem ab 1970 errichteten Industriezentrum Strebersdorf.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus vier dreigeschoßigen, frei stehenden Wohnhäusern mit Walmdach. Sie werden durch zweigeschoßige, ebenfalls frei stehende Häuser wie "Spangen" miteinander verbunden, so entstehen Innenhöfe. Den architektonischen Übergang zwischen den Häusern bilden Durchfahrten, die von Loggien gedeckt sind. Sockelzone, Eingangsbereiche und die übers Eck stehenden Fensterpfeiler sind klinkerverkleidet. Sonst ist die Fassade glatt verputzt und nur durch die senkrecht abfallenden Regenröhren akzentuiert. Die mächtigen Kamine sind ebenfalls in Klinkerziegeln ausgeführt. Die Stiegenhäuser springen jeweils einen Halbstock über die Gesimsebene.

Das Wohnhaus nimmt eine Sonderstellung im Wiener Wohnbau der Zwischenkriegszeit ein. Elemente des Siedlungsbaus (nach Tessenow) sind hier mit solchen der sogenannten "Superblocks" verbunden. Auffallend sind vor allem die konsequente Durcharbeitung der Baukörper und die Verbindung des frei stehenden Typus durch Loggien.

Der Name

Die Scheydgasse wurde 1912 nach dem Müllermeister Sebastian Scheyd (1653-1737) benannt. Zuvor hieß der Ort "Bei der Haltestelle". Sebastian Scheyd hatte 1714 als Dank dafür, dass seine Mühle bei dem Hochwasser von 1708 nicht vernichtet worden war, eine Kapelle errichten lassen. Die Kapelle stand ursprünglich in der Scheydgasse, gegenüber der Einmündung der Autokaderstraße, und wurde 1973 hinter die Wohnhausanlage in der Autokaderstraße transferiert.

Sanierung

von 2002 bis 2004

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2002 bis 2004 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde ein neuer Spielplatz errichtet. Die Kosten beliefen sich auf 1.354.600 Euro, davon konnten 914.355 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Richter - Hans (Rudolf) Richter (1901-1953) studierte von 1919 bis 1924 Architektur an der Bauschule der Technischen Hochschule Wien. Zusammen mit Fritz Sammer führte er in den 1920er- und 1930er-Jahren ein überaus erfolgreiches Architekturbüro, das auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg fortbestand. Zahlreiche, viel publizierte Einfamilien- und Weekendhäuser wurden nach ihren Plänen ausgeführt. Für die Gemeinde Wien entwarfen Fritz Sammer und Hans Richter die Wohnhausanlage Scheydgasse 3-15 in Wien 21 (1928/29).

Fritz Sammer - Fritz Sammer (1901-1991) studierte an der Technischen Hochschule Wien. Er war ab 1931 selbständig als Architekt tätig und entwarf mit seinem langjährigen Partner Hans Richter vor allem Wochenendhäuser und Wohnhäuser. Bemerkenswert ist vor allem das 1932 entstandene Ensemble von Flachbauten in der Glanzinggasse 23 und 25 in Wien 19, in dem, ursprünglich als Miethaus und Einfamilienhaus konzipiert, heute ein Hotel untergebracht ist.

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