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Fultonstraße 5-11

Fakten

Fultonstraße 5-11

Fultonstraße 5-11, 1210 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 135

Architekt: Hans Paar, Adolf Paar

Weitere Adressen

Floridusgasse 45-47, 1210 Wien

Floridusgasse 43a, 1210 Wien

Freiligrathplatz 23-25, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Vor der Donau-Regulierung 1870-1875 befand sich an der Stelle des heutigen Wohnbaus ein Teil jenes Donauarmes, der die Ortschaft Donaufeld von der Insel Mühlschüttel trennte. Nach der Aufschüttung wurde erst nach und nach mit der Bebauung und Besiedelung der neu geschaffenen Flächen begonnen. Der Wohnhausanlage in der Fultonstraße wurde 1930/31 auf einer bis dahin unverbauten Grünfläche errichtet. Nachdem die Anlage im Zweiten Weltkrieg zum Teil beschädigt worden war, wurde 1951 der Wiederaufbau veranlasst.

Die Architektur

Der Wohnbau aus der Zwischenkriegszeit liegt in der Fultonstraße und schließt im Norden direkt an den Freiligrathplatz an. Die Anlage besticht vor allem durch die blockartige Verbauung und die einheitliche Gestaltung der Fassade. Auf der Nordwestseite befindet sich in einem eigenen Bauteil das Kindertagesheim. Der einstöckige Trakt schließt auf beiden Seiten durch ebenerdige Flügel an den viergeschoßigen Bau an. Die glatte Fassade zum Freiligrathplatz erfährt lediglich durch regelmäßige Fensterachsen und stellenweise durch Dacherker eine zurückhaltende Gliederung. Auf Seiten der Fultonstraße und der Floridusgasse verfügt die Anlage ebenfalls über Dachausbauten. Im Unterschied zur restlichen Fassade sorgen hier Balkone auch für eine Öffnung zur Straße hin und erzeugen so einen abwechslungsreichen Gesamteindruck.

... und die Kunst

Im Hof vor dem Kindertagesheim befindet sich eine Figurengruppe, die zwei Bären mit einem Ball darstellt.

Der Name

Die Straße, in der der Wohnbau steht, war in Floridsdorf ursprünglich als Vereinsgasse und später unter dem Namen Schiffstraße bekannt. Seit 1909 ist sie nach dem amerikanischen Ingenieur Robert Fulton (1765-1815) benannt, der das erste brauchbare Dampfschiff entwickelte.

Sanierung

von 2003 bis 2006

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 4.602.900 Euro, davon konnten 3.106.958 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Paar - Hans Paar (1892-1977) praktizierte nach seinem Studium an der Technischen Hochschule in Prag im Büro Gessner in Wien, wo er unter anderem am Ferdinand-Lassalle-Hof mitarbeitete. Mit seinem Bruder Adolf Paar und seinem Partner Paul May schuf er die beiden Gemeindebauten in der Hickelgasse in Wien 14 und Fultonstraße 3-11 in Wien 21. Nach Kriegsende zeigte Paar, der selbst in der Künstlersiedlung lebte und sich während des Zweiten Weltkrieges mit der Planung von Industriebauten beschäftigte, reges Interesse am Wiederaufbau in Wien.

Adolf Paar - Der in Mähren geborene Adolf Paar (1889-1964) besuchte zunächst die Wiener Kunstgewerbeschule, bevor er nach geleistetem Kriegsdienst an der Technischen Hochschule Wien und an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens studierte, wo er 1923 sein Diplom erhielt. In Arbeitsgemeinschaft mit seinem Bruder Hans Paar plante er in den 1920er-Jahren mehrere Wohnanlagen für die Gemeinde Wien, so etwa den Plocekhof in Wien 20 (Denisgasse 54, 1925; zusammen mit Paul May) und das Wohnhaus Hickelgasse 12 in Wien 14 (1928). Ab 1930 waren die Brüder vorwiegend in ihrer alten Heimat Mähren tätig.

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