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Prager Straße 56-58

Fakten

Prager Straße 56-58

Prager Straße 56-58, 1210 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 64

Architekt: Felix Augenfeld, Hans Adolf Vetter, Karl Hofmann

Weitere Adressen

Koloniestraße 15, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnanlage wurde ab 1925 errichtet. Durch die Lage nahe der Nordwestbahnstrecke sowie zu zahlreichen Industriestandorten befand sich der Gemeindebau während des Zweiten Weltkriegs mitten in heftig bombardiertem Gebiet. Auch war Floridsdorf vor der endgültigen Niederlage der Nationalsozialisten deren letzter Rückzugsort der Truppen in Wien. Trotz schwerer Beschädigungen der Nachbarhäuser überstand das Gebäude den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Die Wohnqualität konnte durch Wohnungsumbauten und den Einbau von Sanitäranlagen kontinuierlich verbessert werden. 2003 stellte das Bundesdenkmalamt den Bau aus den 1920er-Jahren unter Denkmalschutz. 2008 wurde eine Sockelsanierung durchgeführt.

Die Architektur

Die Wohnanlage befindet sich auf einem sehr unregelmäßigen Grundstück zwischen Koloniestraße und Prager Straße. Den Architekten gelang es, eine optimale Form der Bebauung für diese planerisch herausfordernden Baulücken zu finden. Die äußerst gelungene Anlage der Wohnhäuser in Form eines rautenförmigen S teilt die verschnittenen Bauparzellen in zwei beinahe gleich große, trapezförmige Flächen. Ein beidseitig belichteter, niedrigerer Diagonaltrakt trennt die beiden begrünten Höfe voneinander. Die Straßenfassaden sind für ihre Entstehungszeit um 1925 ungewöhnlich sachlich. Die Fassade in der Prager Straße wirkt etwas lebhafter. Durchlaufende Nutungen ziehen sich durch den Bereich der Sockelzone. Diese ist durch ein Gesims von den darüber liegenden Wohngeschoßen deutlich abgegrenzt. Der Eingang befindet sich in der Mitte. Vertikale Achsen und die schematisch klassische Dreiteilung der Fassade werden durch die Reihung der schlicht gefassten Fenster jedoch nur angedeutet. Die Fassade in der Prager Straße wirkt so eher langgestreckt. In der Koloniestraße ist eine vertikale Gliederung fast gänzlich vermieden. Oberhalb eines schmalen Sockelpodestes sind die drei Geschoße horizontal durch Gesimse scharf voneinander abgegrenzt. Im Inneren der Anlage ergeben unterschiedliche Geschoßanzahlen interessante Höhendifferenzierungen. Die Bereiche der Stiegenzugänge sind durch turmartige, über dem Hauptgesims in Dachaufbauten mündende Risalite markiert.

Der Name

Die Prager Straße wurde zwischen 1728 und 1735 als "(Prager) Reichsstraße" angelegt und 1875 "Prager Straße" - nach der Zielrichtung Prag - benannt. Der Straßenzug wurde mit der am Floridsdorfer-Spitz verlaufenden Straße vereinigt und 1901 nochmals verlängert. Die Prager Straße verlief zunächst außerhalb der Ortskerne. Jedlesee wuchs erst allmählich an die Straße heran.

Sanierung

von 2001 bis 2003

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2003 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.977.900 Euro, davon konnten 1.463.368 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Felix Augenfeld - Felix Augenfeld (1893-1984) inskribierte 1910 an der Technischen Hochschule Wien, wechselte jedoch bald in die private Bauschule von Adolf Loos. 1920 schloss er sein Studium an der TH Wien ab und arbeitete in verschiedenen Ateliers, bevor er 1922 eine Arbeitsgemeinschaft mit Karl Hofmann einging. Das Team etablierte sich bald als Innenraumausstatter und gestaltete zahlreiche Wohnungen um, unter anderem entwarfen sie auch einen Schreibtischsessel für Sigmund Freud. 1938 musste Augenfeld nach London und von dort weiter nach New York emigrieren, wo er weiterhin als Architekt tätig war. Er entwarf mehrere Strandhäuser auf Fire Island bei Long Island NY und Inneneinrichtungen, unter anderem auch für Tiffany. Sein bedeutendstes Bauwerk ist das Wohn- und Atelierhaus Buttinger (für die Widerstandskämpferin Muriel Gardiner) in New York (10 East 87th Street, 1956-1958).

Hans Adolf Vetter - Hans Adolf Vetter (1897-1963) beendete, nach mehrjähriger kriegsbedingter Unterbrechung, 1920 sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Josef Frank. Seine Bedeutung für die österreichische Architektur liegt vor allem in seinen zahlreichen Publikationen der Zwischenkriegszeit, die der Moderne und ihren Anforderungen gewidmet sind. Für die Gemeinde Wien entwarf er das Wohnhaus Wehlistraße 309 in Wien 2 (1928-1930) und beteiligte sich an den Plänen zur Anlage Prager Straße 56-58 in Wien 21 (1925). Sein wichtigstes Bauwerk ist sein Beitrag zur Werkbundsiedlung, das Haus Woinovichgasse 11 in Wien 13 (1932). 1938 emigrierte Vetter nach London und von dort weiter in die USA, wo er 1948 einen Lehrauftrag am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh erhielt, den er bis 1963 ausführte.

Karl Hofmann - Karl Hofmann (1890-?) schloss 1914 sein Studium an der Technischen Hochschule Wien ab. Er war zunächst bei verschiedenen Baufirmen tätig, bevor er 1922 eine Arbeitsgemeinschaft mit Felix Augenfeld gründete. Sie spezialisierten sich vor allem auf Inneneinrichtungen, entwarfen aber auch mehrere Wohnhäuser, wie etwa die Villa Else Dos Santos in Wien 18 (Sternwartestraße 57D, 1929/30) und für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Prager Straße 56-58 in Wien 21 (1925). Ihr prominentestes Bauwerk ist wohl das Wohn- und Geschäftshaus Arthur Soffer in Wien 1 (Singerstraße 4, 1936). Hofmann flüchtete 1938 nach Brünn und von dort vermutlich weiter nach Australien, wo sich seine Spuren verlieren.

Freie Lokale

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