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Leopold-Schwarz-Hof

Fakten

Leopold-Schwarz-Hof

Kopalgasse 1, 1110 Wien

Baujahr: 1955-1956

Wohnungen: 40

Architekt: Viktor Ruczka

Weitere Adressen

Rinnböckstraße 70, 1110 Wien

Simmeringer Hauptstraße 71, 1110 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Vor dem Pestjahr 1679 war das Gebiet des heutigen Simmering, damals noch ein kleine Dorf im Bereich der Laurenzkirche, ein ertragreiches Weinbaugebiet. Nach der Verwüstung durch die Türken 1683 vollzog sich im Ort eine Rückbildung zur bäuerlichen Struktur mit kleinteiligen Feldern. Das Siedlungsgebiet dehnte sich jedoch von der Laurenzkirche ausgehend Richtung Geiselberg aus und 1772 wurde der Straßenzug der heutigen Kopalgasse, damals Theresiengasse bezeichnet, angelegt. Bis 1860 blieb Simmering ein kleines Dorf. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier größere Industrieunternehmen an, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde. An der Stelle der Wohnhausanlage gab es bereits um 1870 den Schmiedebetrieb Seemann, eine ebenerdige Hofanlage. 1929 kam es zur teilweisen Neuerrichtung des Gassentraktes mit Geschäftslokalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die baufällige Anlage abgetragen.

Die Architektur

Die Kopfverbauung erstreckt sich von der Simmeringer Hauptstraße über die Kopalgasse in die Rinnböckstraße. Das Erdgeschoß an der Simmeringer Hauptstraße ist als Geschäftszone ausgebildet. Der noch in die Geschäftszone eingebundene Durchgang zum Innenhof, von wo aus die drei Stiegenhäuser erschlossen werden, befindet sich an der Kopalgasse, etwas nach links versetzt. Die stumpfwinkelige Ecke Simmeringer Hauptstraße/Kopfgasse wird im Erdgeschoß durch ein gekurvtes Straßenlokal bewältigt. Darüber sind großzügige Eckbalkone eingesetzt, die die beiden auf die Simmeringer Hauptstraße ausgerichteten Fronten miteinander verbinden. Ein gleichförmiges Netz von Nuten durchzieht die beiden Putzfassaden, wodurch der Eindruck einer repräsentativen Plattenverkleidung entsteht. In dieses sind die Fenster zur Kopalgasse in regelmäßigen Abständen eingesetzt. Die sechs Fensterachsen an der Simmeringer Hauptstraße sind im Gegensatz dazu in drei Paaren angeordnet. Über beiden Fronten befinden sich mittig gelegene Dachbauten, die jedoch nicht direkt über den Fensterachsen liegen, sondern die Symmetrie störend jeweils leicht aus den Achsen versetzt sind. Auch der spitze Winkel zur Rinnböckstraße wird durch Eckbalkone überbrückt. Die Fenster sind hier mit markanten Rahmungen versehen in die glatte Fassade eingesetzt. Zum Nachbargebäude hin wird die Fassade über zwei Achsen um ein Geschoß abgestuft, um den Übergang zum niedrigeren Altbau geschmeidiger zu gestalten.

Der Name

Eine Gedenktafel in der Durchfahrt erinnert an Leopold Schwarz (1919-1986). Bereits früh war er bis zu ihrem Verbot 1934 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterjugend. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er der SPÖ bei. Von 1966 bis 1976 war Schwarz Bezirksrat, von 1976 bis 1981 hatte er einen Sitz im Wiener Gemeinderat.

Sanierung

von 1997 bis 2004

Erste Sanierungsmaßnahmen wurden bereits 1988/89 durchgeführt. Die Kosten dafür beliefen sich auf 46.438 Euro, davon konnten 37.150 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Weitere Sanierungen folgten in den Jahren 1997 und 2004. Unter anderem wurden Dach, Fenstern und Türen erneuert.

Architekten

Viktor Ruczka - Viktor Ruczka (1907-1988) studierte nach mehrjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Baubüros ab 1929 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Peter Behrens, wo er 1932 sein Diplom erhielt. Bereits 1931 machte er sich als Architekt selbständig und ging 1933 eine Bürogemeinschaft mit Josef Becvar ein. Die großen Aufträge kamen jedoch erst unter dem NS-Regime. Nachdem Ruczka mehrere Zweigstellen der NS-Reichsbahn im Ausland geplant hatte, wurde er Gestalter für NS-Festarchitektur und Parteizentralen. Auch die NS-Ausstattung und Umgestaltung des Wiener Burgtheaters fiel in den Aufgabenbereich von Ruczka und Becvar. In der Folge erhielt er große Aufträge in der NS-Rüstungsindustrie. 1944 gelang ihm die bautechnisch revolutionäre Erfindung des "Mantelbetons". Nach dem Zweiten Weltkrieg war er viele Jahre lang für die Firma Römerquelle tätig und entwarf mehrere private und kommunale Wohnhäuser.

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