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Berzeliusgasse 15

Fakten

Berzeliusgasse 15

Berzeliusgasse 15, 1210 Wien

Baujahr: 1913-1914

Wohnungen: 21

Architekt: Hugo Mayer, Adolf Stöckl

Weitere Adressen

Edergasse 9, 1210 Wien

Berzeliusplatz 1, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Um die Jahrhundertwende gab es im Bereich des heutigen Wohnbaus vor allem unverbaute landwirtschaftliche Nutzflächen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden östlich der Brünner Straße Wohnhäuser für die Arbeiter des städtischen Gaswerks errichtet. Die Anlage gilt als frühes Beispiel des kommunalen Wohnbaus und diente den umliegenden Wohnbauten aus den 1920er-Jahren als Vorbild. Nachdem das ursprüngliche Gebäude im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerstört worden war, wurde 1948 mit dem Wiederaufbau begonnen.

Die Architektur

Der Wohnbau liegt östlich der Brünner Straße und besteht aus zwei Bauteilen. Dem ersten Baukörper an der Ecke Edergasse/Berzeliusgasse liegt ein zweiter, lang gestreckter Block entlang der Justgasse gegenüber. Die dreigeschoßige Anlage zählt aufgrund der eingesetzten Gestaltungselemente zum Heimatstil und gilt als Vorläufer der Gemeindebauten des Roten Wien.

Der erste Block ist über einen rundbogenförmigen Aufgang am Berzeliusplatz und einen weiteren rechteckigen Eingang in der Berzeliusgasse begehbar. Das Wappen der Stadt Wien und vegetative Girlanden schmücken die beiden Eingänge. Die Hauptfassade wird durch Dachaufbauten und einen spitzen Giebel über dem Eingangsbereich zusätzlich betont.

Der zweite Bauteil an der Ecke Justgasse greift im Großen und Ganzen auf die gleiche Formensprache zurück. Die einzelnen Gestaltungselemente treten aber häufiger und in zahlreichen Variationen auf. Polygonale Erker, Dachaufbauten und abgestufte Wandflächen sorgen für eine lebendige Wirkung. Auffallend sind die an manchen Stellen bis in das dritte Geschoß heruntergezogenen Dachflächen. Im Gegenzug dazu finden sich Teile mit vier Geschoßen und spitzen Giebeln. Der Eingangsbereich ist hinter die restliche Fassade gesetzt und wird durch einen polygonalen Erker und einen Arkadengang akzentuiert.

... und die Kunst

An der Fassade des Wohnbaus kommen verschiedene Schmuckformen zum Einsatz. Neben Medaillons mit Blumenkörben gibt es auch ein Relief mit einem Krieger in Rüstung. In einem weiteren Medaillon befindet sich die Darstellung einer Männerbüste, flankiert von zwei Kinderköpfen.

Der Name

Die Berzeliusgasse wurde 1914 nach dem schwedischen Chemiker Johann Jakob Freiherr von Berzelius (1779-1848) benannt. Er gilt als Vater der modernen Chemie, verfasste unter anderem ein Lehrbuch der Chemie und bestimmte die Atomgewichte.

Architekten

Hugo Mayer - Hugo Mayer (1883-1930) studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Wohnhaus- und Siedlungsbau und ist einer der wichtigsten Vertreter in diesem Bereich. Neben zahlreichen Wohnanlagen für die Gemeinde Wien plante er auch Kindergärten und Schulen. Seine Wohnanlage für die Bediensteten der Städtischen Gaswerke (1910-1914) gilt als typologischer Vorläufer des Gemeindewohnbaus der Zwischenkriegszeit.

Adolf Stöckl - Adolf Stöckl (1884-1944) studierte von 1902 bis 1907 an der Technischen Hochschule Wien bei Karl König und Karl Mayreder. 1911 trat er in das Wiener Stadtbauamt ein, wo er vor allem im Schul- und Gesundheitswesen tätig war. Sein bedeutendstes Werk ist die zu ihrer Entstehungszeit 1924/25 wegweisende Kinderübernahmestelle (für verwahrloste oder verwaiste Kinder) in Wien 9. Stöckl war aber auch am Bau zahlreicher Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt.

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